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DOSSIER : DAS FRANZÖSISCHE KINO

Gemeinsam mit TV5 - erstmals offizieller Partner der 54. Internationalen Filmfestspiele Berlin - und den Internationalen Filmfestspielen Berlin hat das DFJW im letzen Dezember den Jurypreis "Dialogue en perspective" ins Leben gerufen.

Der Preis wurde in der Reihe "Perspektive Deutsches Kino" von einer siebenköpfigen deutsch-französischen Jury an den besten deutschen Film "Flammend Herz" am 14.2.2004 vergeben. Die Jury bestand aus vier französischen und drei deutschen Mitgliedern im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Präsident der Nachwuchsjury war Albert Wiederspiel, Leiter des Hamburger Filmfestes.

Aus diesem Anlass bieten wir Ihnen einen Beitrag über das deutsche Kino, der nicht als ein detailliertes Gesamtbild der deutschen Kinolandschaft zu verstehen ist, sondern einfach die wichtigsten Highlights beinhaltet.
Die Auswahl der Filme beruht nicht auf Vollständigkeit und bleibt völlig subjektiv...




FRANKREICH UND DIE ANFÄNGE DES FILMS (1895 – 1912)


Die Gebrüder Lumière

       Nun ja: Strenggenommen muß man sagen, daß die Brüder Louis und Auguste Lumière das Kino nicht allein erfunden haben – es gibt im ausgehenden 19. Jahrhundert in vielen Ländern Versuche, den Traum der ‚lebenden Fotografie’ zu verwirklichen. Die Gebrüder Lumière schaffen es jedoch im Jahr 1895 das bis dahin am weitesten entwickelte Filmaufnahme- und projektionsverfahren in Paris vorzustellen. Außerdem verstehen es die Söhne eines reichen Fotopapier-Herstellers am besten, ihre Erfindung kommerziell zu nutzen.
Die Filme, die die Lumière-Brüder für ihre Vorführungen drehen, sind hauptsächlich dokumentarischer Natur. Zum Beispiel: La Sortie des Usines (Arbeiter verlassen die Fabriken, 1895), oder L’Arrivée d’un train à La Ciotat (Ankunft eines Zuges in La Ciotat, 1895). Trotz der Nüchternheit der Szenen werden diese Filme zur absoluten Sensation. Viele Zuschauer sind vom Herannahen des Zuges – geradewegs auf die Kamera zu – geschockt und flüchten von ihren Sitzen, da sie nicht zwischen Abbild und Wirklichkeit unterscheiden können.

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Georges Méliès

       Die zweite hier unbedingt erwähnenswerte „Zutat“ Frankreichs zu den Anfängen der Filmgeschichte liefert Georges Méliès. Er entstammt der Varieté- und Theatertradition und ist zur Zeit der ersten Lumièreschen Filmvorführungen Direktor des Théâtre Robert Houdin – benannt nach seinem Gründer, einem Meister der Illusion. Méliès begeistert sich für das neue Medium und nimmt es als Attraktion in sein Theaterprogramm auf. Bald fängt er an, selbst Filme zu drehen, die allerdings weit über das einfache Abbilden der Wirklichkeit, auf das sich die Lumières beschränken, hinausgehen.
Méliès stellt als erster Fiktion, Phantasie und vor allem Täuschung als filmische Elemente vor. Dabei bedient er sich seiner Theatertricks– Falltüren, Attrappen und Spiegel – ebenso wie der damals existierenden fotografischen Verfremdungseffekte – Verkleinerung, Vergrößerung und doppelte Exposition. Die Wunder, die sich mit bühnentechnischen und optischen Mitteln nicht erstellen lassen, werden in seiner Filmwerkstatt (in Montreuil bei Paris) – dem ersten Filmatelier überhaupt – nachträglich in die Aufnahmen eingearbeitet.
Méliès’ filmische Märchen sind stark beeinflußt von Jules Vernes Romanen und dessen phantastischen technischen Visionen und (pseudo-) wissenschaftlichen Utopien. Seine berühmtesten Filme sind Le Voyage dans la Lune (Die Reise zum Mond, 1902), Le Voyage à travers l’Impossible (Die Reise durch das Unmögliche, 1904) und A la Conquête du Pôle (Die Eroberung des Pols, 1912).

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DIE FILMAVANTGARDE DER 1920ER JAHRE

       Als Méliès’ Reise zum Mond ein Kassenschlager wird, ist es nur noch ein kleiner Schritt zur frühen Industrialisierung des französischen Films. Mit großer finanzieller Unterstützung von Banken werden Filmfirmen gegründet, die mit billigen Produktionen Lumières und Méliès’ Filme kopieren. Damit überschwemmen sie die ständig wachsenden Märkte, bis sich Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts Sättigungserscheinungen beim Publikum einstellen. Und während das kommerzielle Kino versucht, dem Überdruß mit einem qualitativ anspruchsvolleren Kunstfilm (film d’art) zu begegnen, macht sich eine kleine Zahl experimentierfreudiger, unabhängiger Filmemacher daran, den Film radikaler zu verändern und voranzubringen. So fordern die Avantgardisten beispielsweise strenge Theorien zur Eigengesetzlichkeit des Films und versuchen, ihn von den Vorgaben des Theaters zu befreien. Grundsätzlich kann man zwischen drei experimentellen Strömungen unterscheiden: Impressionismus, cinéma pur, und Surrealismus.


Impressionismus

       Im Vergleich zu den anderen experimentellen Richtungen ist der Impressionismus eine recht herkömmliche, da realitätsnahe und beschreibende Art des Filmemachens. Jeder Film hat ein konkretes Thema, und selbst eine Geschichte darf – ganz wie im klassischen Theater – mit einem normalen Handlungsablauf erzählt werden.
Darf und kann, muß aber nicht! Denn das eigentliche Anliegen der impressionistischen Filme ist, eine Impression – also eine bestimmte Stimmung und Atmosphäre – in Bildern zu vermitteln. Dabei soll die Zusammenstellung der Filmbilder Gefühle hervorrufen, ähnlich einer musikalischen Symphonie. So debütiert beispielsweise der Regisseur Alberto Cavalcanti mit Rien que les heures (Nichts als Stunden, 1926), einem gefühlvollen Bericht aus dem Pariser Alltag, der die sozialen Unterschiede der Einwohner neben den architektonischen Kontrasten ihrer Bauwerke stellt. Cavalcantis Film wird häufig als Vorgänger von Walther Ruttmanns Berlin, Symphonie einer Großstadt (1927), gesehen. In ähnlicher Manier wie Cavalcanti benutzt Jean Renoir in La Fille de l’eau (Das Mädchen vom Fluß, 1924) die Mädchenfigur und das Spiel mit dem Licht, um seine in die Handlung eingebettete Naturstudie ästhetisch zu überhöhen.

Mehr über Renoir:
www.prisma-online.de/tv/person.html?pid=jean_renoir
http://www.arte-tv.com/special/dixans/dtext/Renoirbio.htm
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Das „cinéma pur

 

     Anders als der Impressionismus bricht der sogenannte Reine Film radikal mit der dokumentarischen und dramenhaften Art des Filmemachens. Das cinéma pur tritt, wie viele andere Kunstrichtungen dieser Zeit, an, um dem Medium seine völlige Unabhängigkeit zu erkämpfen. Die Filmbilder sollen nicht mehr Wirklichkeit abbilden, sondern sich ihr eigenes Universum schaffen. Sie sollen ‚reiner Film’ sein, auf nichts mehr verweisen und sich selbst genügen.
Wie sich eine solche Forderung umsetzen läßt, zeigen Werke wie Fernand Légers Ballet Mécanique (Mechanisches Ballett, 1924). Léger filmt alltägliche Gegenstände – Töpfe, Pfannen, Geschirr, Besteck, etc. – derart, daß sie wie abstrakte Formen erscheinen und nicht mehr als vertraut erkennbar sind. Der Zuschauer soll im Film von der ihn umgebenden Welt überrascht werden. Und tatsächlich sind die Zuschauer bei der Premiere überrascht und interessiert – für ungefähr zwei Minuten... „[N]ach fünf Minuten jedoch stellten sich ernsthafte Ermüdungserscheinungen ein, nach zehn Minuten versagten die Nerven den Dienst, und nach fünfzehn kam es zu lautem Protest“ (Jerzy Toeplitz: „Geschichte des Films“ Bd. I, S. 453).

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Der Surrealismus

       Der Surrealismus – im Allgemeinen sowie im Film – will menschliche Gedanken freisetzen, ohne sie vorher vom Verstand auf ihre Realitätstauglichkeit überprüfen und zensieren zu lassen. Die Wirklichkeit soll fessellos interpretiert und daraufhin verändert werden. Im Film sollen traumartige Szenen und absurde Bildverknüpfungen den Blick auf die Wirklichkeit entgrenzen.
Hierbei besonders erwähnenswert sind die Filme von Luis Buñuel, die die Zuschauer mit brutalen und chaotischen Phantasien schockieren. So zum Beispiel in Un chien andalou (Ein andalusischer Hund, 1928), in dem ein menschliches Auge von einem Rasiermesser zerschnitten wird – eine der kontroversesten Filmszenen aller Zeiten! Versuche, Buñuels Bildverbindungen zu deuten, führen oft zur Psychoanalyse Freuds und zu Interpretationen, die Kirche und Bürgertum eine falsche Moral und gehemmte Sexualität vorwerfen. Doch gibt es keinen festen Sinn und keine eindeutigen symbolischen Bedeutungen bei Buñuel. Der Andalusische Hund, den er zusammen mit Salvador Dali konzipiert, will gerade durch die Unheimlichkeit seiner Bilder das blinde Vertrauen in die sichere Ordnung der Dinge erschüttern.

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EINIGE FILME DER AVANTGARDE DER 20ER JAHRE


La fille de l’eau, 1924 (Impressionismus)

  Regisseur: Jean Renoir
Darsteller: Catherine Hessling, Pierre Champagne u.a.
Synopsis:
Die junge Virginie verliert ihren Vater und wird in die Obhut ihres bösen Onkels Jef gegeben. Sie flieht, und ist fortan Spielball des Schicksals. In Renoirs Erstlingswerk tritt die Handlung hinter das Kameraspiel mit Licht und Landschaft zurück. Catherine Hessling versteht es, sich durch ihr ästhetisches Äußeres und ihre fließenden, geschwungenen Bewegungen völlig in die Bilder zu integrieren.

Mehr zum Film: http://frenchfilms.topcities.com/nf_La_Fille_de_l_eau.html

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Ballet mécanique (Mechanisches Ballett, 1924) (Cinéma pur)

  Regisseur: Fernand Léger
Synopsis:
Ballet mécanique ist kein Tanz von Menschen, sondern eine Choreographie der Objekte. An der Fertigstellung des aufwendigen Films ist auch der surrealistische Fotograf Man Ray beteiligt. Léger filmt in Ballet Mécanique mit Hilfe des Stopp-Trick-Verfahrens Objekte, die im Film bewegt erscheinen, da man sie nach jeder Aufnahme ein kleines Stück verschiebt.

Mehr zum Film:
http://webrum.uni-mannheim.de/bib/gwinner/Arbeit/ballet_inhalt.htm

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Entr'acte (Zwischenspiel, 1924) (Cinéma pur)

  Regisseur: René Clair
Synopsis:
Im 20minütigen Experimentalfilm Entr'acte, der als "Zwischenakt" für das Ballett Relache von Francis Picabia gedreht wurde, setzt sich René Clair gemäß dem Cinéma pur über die Gesetze von Logik und Dramatik hinweg. Der Film besteht aus Einzelszenen und absurden Situationen, die völlig unverbunden sind, jedoch in ihrer Abfolge einen filmischen Eigenrhythmus schaffen.

Mehr zum Film: www.prisma-online.de/tv/person.html?pid=rene_clair

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Le chien andalou (Der Andalusische Hund, 1928) (Surrealismus)

  Regisseur: Luis Buñuel
Darsteller: Simone Mareuil, Pierre Batcheff, Salvador Dalí, Luis Buñuel u.a.
Synopsis:
„Buñuel schärft sein Rasiermesser, raucht eine Zigarette und prüft die Schärfe des Messers an einem Daumennagel. Er tritt auf den Balkon. Mond: links. Von rechts kommt eine schmale Wolke. Buñuel schaut: Gesicht der Schauspielerin. Daumen und Zeigefinger öffnen ihr linkes Auge. Das Rasiermesser fährt von rechts nach links über das Auge. Die Wolke schiebt sich von rechts nach links vor den Mond.“

Text in leichter Abwandlung von Harald Grätz, unter:
www.literatur-live.de/work/neu/bunuel.htm

PS: Nach dem Dreh dieser Szene muß Buñuel für eine Woche das Bett hüten.

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DIE NOUVELLE VAGUE (1958-1970)

  Nachdem die Avantgardebewegungen der 20er Jahre bereits vor dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit der Besatzung durch Nazideutschland nachließen und sich in vielen Fällen dem kommerzielleren Kino annäherten, dauerte es bis lange in die Tonfim- und Nachkriegszeit hinein, bis Frankreich seine nächste große cineastische Revolution erfahren sollte:

Die Nouvelle Vague (Neue Welle) steht heute für viele als der Inbegriff des französischen Films und gehört wohl zu den wichtigsten Impulsen des Kinos im 20ten Jahrhundert überhaupt. Ende der 50er Jahre formt sich in Paris eine Gruppe junger Regisseure und Filmkritiker, um mit neuen Ideen die Starrheit des Kinos der Nachkriegszeit aufzubrechen. François Truffaut, Jean-Luc Godard und Claude Chabrol sind ihre bekanntesten Vertreter. Zusammen geben sie die Zeitschrift Cahiers du Cinema heraus.
Andere wichtige Regisseure, deren Frühwerke die Nouvelle Vague ebenso prägen sind Eric Rohmer, Jaques Rivette, Alain Resnais und Louis Malle. Als erster Film der Bewegung gilt heute Chabrols Le beau Serge (Die Enttäuschten) von 1958.

Ihre inhaltlichen Einflüsse beziehen die Nouvelle-Vague Regisseure vor allem aus der existentialistischen Literatur Camus’, Sartres und Malraux’, aus den Filmen Alfred Hitchcocks und den amerikanischen Gangsterfilmen der 30er und 40er Jahre. In technischer Hinsicht bringen kleinere und leichtere Kameras (Arriflex) Bewegung in den Film. Sie erlauben den Kameramännern das Experimentieren mit Perspektiven. Holprige Kamerafahrten oder auch das Filmen aus Autos heraus fordern den Kinobesuchern eine Umstellung ihrer Sehgewohnheiten ab.
Rasant werden die neuen Filme auch durch einen kompromißlosen Schnitt: Der Jump Cut, der harte Schnitt aus nicht vollendeten Bewegungen in schon begonnene, wird als Montagetechnik wegweisend. Der Kameramann Raoul Coutard, der sämtliche frühe Filme von Godard und Truffaut fotografiert, wird zu einem der Hauptverantwortlichen für den Stil der Nouvelle Vague.
Ab Mitte der 60er Jahre trennen sich die Wege der Regisseure allmählich. Godard beispielsweise widmet sich dem experimentellen Film, Resnais dem Dokumentarfilm, und Eric Rohmer beginnt Literatur zu verfilmen.

Doch wo innerhalb der cineastischen Erneuerung sind die Frauen? - Während vor der Kamera durch Jean Seberg und Brigitte Bardot neue Geschlechterrollen angedacht und alte radikalisiert werden, bleibt die Rollenverteilung hinter der Kamera traditionell. Die Nouvelle Vague geht als Männerverein in die Geschichte ein.
Dabei hat die Zeit gerade in der Regisseurin Agnès Varda eine sehr würdige weibliche Vertretung. Varda debütiert Mitte der fünfziger Jahre mit ihrem Dokumentarfilm La Point Courte, für den sie bereits Alain Resnais an den Schneidetisch setzt und diesen sich seine ersten Lorbeeren verdienen läßt. Ihr erster Spielfilm, Mittwoch zwischen 5 und 7, von 1962 ist ebenso gefüllt mit Gastauftritten großer Namen: Eddie Constantine, Jean-Luc Godard, Anna Karina etc.
Varda entwickelt im Spannungsfeld von Realismus und Poesie ihren Stil, in dem alltägliche Gegenstände und Situationen unter dem Blick der Kamera symbolische Tiefe erhalten.

Mehr über die Nouvelle Vage:
www.movie-college.de/filmschule/filmtheorie/nouvelle_vague.htm
Mehr über Agnes Varda:
http://www.prisma-online.de/tv/person.html?pid=agnes_varda

 

Der Alleskönner – François Truffaut

       François Truffaut hat sich in seinem Oeuvre nie festgelegt. Seine Ideen und seine Liebe zu allen Formen des Films führen ihn durch sämtliche Genres. So erzählt er in Les Quatre cents coups (Sie küssten und sie schlugen ihn, 1958/59), Tirez sur le pianiste (Schießen Sie auf den Pianisten, 1961) und Jules et Jim (Jules und Jim, 1962) drei grundverschiedene Geschichten: Jugenddrama, Gangsterfilm und Beziehungskomödie. Mit ihnen sorgt er für die ersten großen Publikumserfolge der Nouvelle Vague. Durch die Leichtigkeit seiner Erzählweise, die stets etwas Heimliches und Spitzbübisches zu haben scheint, entsteht eine eigenartige Komplizenschaft zwischen Filmemacher und Zuschauer, die den Charme des Truffaut’schen Werks ausmacht.

Mehr über Truffaut: www.dasfilmarchiv.de/truffaut.html

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Jean-Luc Godard

       Der aus der Schweiz stammende Jean-Luc Godard versucht sich ebenso wie sein Freund Truffaut in den verschiedensten Genres. Sein größter Wurf und der bekannteste Film der Nouvelle Vague ist À bout de souffle (Außer Atem, 1959), ebenfalls eine Hommage an den amerikanischen Gangsterfilm. Mit Le Mépris (Die Verachtung, 1963) inszeniert Godard ein hollywoodreifes Epos in Starbesetzung: ein sich selbst spielender Fritz Lang, Jack Palance als großspuriger Produzent, Michel Piccoli in seiner ersten Rolle und Brigitte Bardot, die bereits vor der Nouvelle Vague ein Star ist. In Pierrot le fou (Elf Uhr nachts, 1965) zeigt Godard Jean-Paul Belmondo einmal mehr von Frauen verraten und Alphaville (1965) feiert den Geheimagenten Lemmy Caution (Eddie Constantine) in einem futuristischen Spionagefilm.
Insgesamt zeichnen sich die Filme Godards dadurch aus, dass sie nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern dabei das filmische Erzählen selbst ironisch betrachten. Godards Filme verweisen stets auf ihre eigene ‚Filmhaftigkeit’ und sind gespickt mit Zitaten aus anderen Kinoklassikern: Wenn sich Belmondo beispielsweise in Außer Atem mit dem Daumen über die Lippen fährt, hat er das von Humphrey Bogert geklaut!

Mehr zu Godard: www.dasfilmarchiv.de/godard.html

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EINIGE FILME DER NOUVELLE VAGUE


À bout de souffle (Außer Atem, 1959)

  Regisseur: Jean-Luc Godard; Kamera: Raoul Coutard
Darsteller: Jean Paul-Belmondo, Jean Seberg, Claude Mansart, Liliane David, Henri-Jacques Heut
Synopsis:
Der kleine Gauner Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo) tötet einen Polizisten, begegnet auf der Flucht einer jungen Frau namens Patricia (Jean Seberg), durchstreift Paris auf der Suche nach Geld und Hilfe und wird am Ende verraten und erschossen. Dabei ist Poiccard gar kein klassischer Mörder.
Wie Mersault in Camus’ Der Fremde handelt er aus Affekt und ohne Motiv.

Mehr zum Film:
www.programmkino.de/ABCD/A_Hard_Days_Night/Ausser_Atem/ausser_atem.html
www.mediaculture-online.de/Au_er_Atem.68.0.html

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Jules et Jim (Jules und Jim, 1962)

  Regisseur: François Truffaut, Kamera: Raoul Coutard
Darsteller: Jeanne Moreau, Oskar Werner, Henri Serre
Synopsis:
Catherine (Jeanne Moreau) wird geliebt von den beiden jungen Männern Jules (Oskar Werner) und Jim (Henri Serre). In der Dreiecksbeziehung sind alle glücklich und unglücklich zugleich. Im Hin und Her zwischen Konflikt und Heiterkeit spiegelt sich das fundamentale Spiel von Liebe und Tod, das Truffaut ohne großes Pathos mit wunderschönen Momenten erzählt.

Mehr zum Film:
www.cyberkino.de/entertainment/kino/108/108589.html
http://kino.bluewin.ch/movie/1961/JulesEtJim

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L’année dernière à Marienbad (Letztes Jahr in Marienbad, 1960)

  Regisseur: Alain Resnais, Kamera: Sacha Vierny
Darsteller: Delphine Seyrig, Sacha Pitoeff, Giorgio Albertazzi, Françoise Bertin
Synopsis:
Nach einem Roman von Alain Robbe-Grillet erzählt Resnais die Geschichte eines dekadenten Kurorts. Ein nicht benannter Mann versucht eine Frau davon zu überzeugen, dass sie sich schon vor einem Jahr am selben Ort begegnet seien. Letztlich gelingt es ihm, die hin- und hergerissene Frau für sich zu gewinnen. Vergangenes und Zukünftiges, Gedachtes und Unbewußtes sind in diesem Film traumhaft miteinander verwoben.

Mehr zum Film:
www.deutsches-filminstitut.de/caligari/dt2fcf0350.htm

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Zazie dans le Métro (Zazie, 1960)

  Regisseur: Louis Malle, Kamera: Henri Raichi
Darsteller: Annie Fratellini, Antoine Roblot, Philippe Noiret, Catherine Demongeot, Hubert Deschamps
Synopsis:
Zazie (Catherine Demongeot), eine zehnjährige Göre aus der Provinz besucht ihre Mutter in Paris. Diese will sich jedoch mit ihrem Liebhaber vergnügen und gibt Zazie zu ihrem Onkel Gabriel, der mit ihr restlos überfordert ist. Zazie reißt aus und hinterläßt auf ihrem Weg durch Paris Chaos und Verwirrung.

Mehr zum Film:
www.prisma-online.de/tv/film.html?mid=1960_zazie

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ERFOLGREICHE FRANZÖSISCHE FILME AUS JÜNGSTER VERGANGENHEIT


La Haine (Hass, 1995)

  Regisseur: Mathieu Kassovitz
Darsteller: Solo Dicko, Karim Belkhadra, Vincent Cassel, Marc Duret, Hubert Koundé
Synopsis:
La Haine erzählt von einem Tag dreier Jugendlicher (Said, Hubert und Vinz) aus einer Trabantenstadt der Pariser Banlieues. Mit Drogengeschäften halten sie sich über Wasser und der Hass auf die Polizei bestimmt ihr Leben. Als ein arabischer Freund an seinen von der Polizei zugefügten Verletzungen stirbt, will einer der drei seinem Hass mit einer Pistole Luft machen. Diese Pistole wird zum vierten Hauptdarsteller.

Mehr zum Film La Haine:
www.germa.unibas.ch/DeuSem/GeZetera/gez95-4/Kino2
Mehr über Mathieu Kassovitz:
http://kassovitz.regiecut.de

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Microcosmos (Mikrokosmos, 1996)

  Regisseur: Claude Nuridsany, Marie Pèrennon
Synopsis:
Mit spezieller Objektivtechnik und über 4 Jahre hinweg hat sich das Filmteam ins Gras gelegt, um eben jene Lebewesen mit der Kamera zu beobachten, auf die wir Menschen sonst nur treten – entweder achtlos oder aus Ekel. Die Relationsverschiebung, die durch die Makroaufnahmen im Kino entsteht, bringt die Insekten mit uns auf gleiche Augenhöhe – mindestens. Doch nicht nur die Relationen tun dies, auch die Tätigkeiten des ‚Ungeziefers’ scheinen plötzlich nicht mehr weit von unserem Tageswerk entfernt.

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8 Femmes (8 Frauen, 2002)

  Regisseur: François Ozon
Darsteller: Virginie Ledoyen, Ludivine Sagnier, Emmanuelle Béart, Danielle Darrieux, Firmine Richard, Isabelle Huppert, Catherine Deneuve, Fanny Ardant
Synopsis:
Der junge Regiestar François Ozon beschreibt in 8 Frauen eine klassische Agatha-Christie Situation: In einem Landhaus geschieht ein Mord. Der Familienvater wird erstochen und jede der 8 Frauen, die sich im Haus befinden, verfügt über ein Motiv. Schnell entspinnen sich Verdächtigungen und Intrigen.
Mit Gesang- und Tanzeinlagen ist die Krimi-Komödie wie ein Musical inszeniert und wie so viele französische Filme damit gleichzeitig eine Hommage an die Kinogeschichte.

Mehr zum Film 8 Frauen:
www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/ard/34176/
www.titel-magazin.de/film/achtfrauen.htm
Mehr über François Ozon:
www.auteur.de/regisseure-ozon.html

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La fleur du mal (Die Blume des Bösen, 2002)

  Regisseur: Claude Chabrol
Darsteller: Mélanie Doutey, Suzanne Flon, Thomas Chabrol, Caroline Baehr, Nathalie Baye, Bernard le Coq, Benoît Magimel
Der Altmeister Claude Chabrol ist der französischen Filmlandschaft seit Die Enttäuschten (1958) mit mehr als 70 Filmen bis heute treu geblieben. Auch in La fleur du mal dreht sich alles um sein Lieblingsthema: die psychologischen Abgründe der Bourgeoisie – des gehobenen französischen Bürgertums.
Synopsis:
Anne Chapin-Vasseur, eine Politikerin, sieht sich und ihre Familie mit einer schuldhaften Vergangenheit konfrontiert als im Wahlkampf ein Flugblatt auftaucht, in dem es um ein Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkriegs geht. Die Frage, ob Schuld von einer Generation auf die nächste übertragen werden kann, wird zum Dreh- und Angelpunkt des Films. Nur die Generation der Kinder bleibt hierbei von der sarkastischen Darstellung Chabrols verschont.

Mehr zum Film La fleur du mal:
www.titel-magazin.de/film/blume_des_boesen.htm
Mehr über Claude Chabrol:
www.dasfilmarchiv.de/chabrol.html
www.prisma-online.de/tv/person.html?pid=claude_chabrol

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Être et avoir (Sein und Haben, 2002)

  Regisseur: Nicolas Philibert
Synopsis:
Ein halbes Jahr lang hat Nicolas Philibert eine Dorfgrundschule in der französischen Provinz besucht und den Unterricht des einzigen Lehrers vor seiner einzigen Klasse, die alle Kinder der Umgebung zwischen vier und zehn Jahren beherbergt, mit der Kamera verfolgt – ein kleiner, unspektakulärer, aber sehr berührender Dokumentarfilm.

Mehr zum Film Être et avoir:
www.artechock.de/film/text/kritik/e/etetav.htm

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Intimacy (Intimität, F, GB, D, E 2000)

  Regisseur: Patrice Chéreau
Darsteller: Mark Rylance, Kerry Fox, Timothy Spall, Marianne Faithful u.a.
Synopsis:
Zwei Fremde treffen sich regelmäßig in einem verwahrlosten Londoner Apartment und haben anonymen Sex. Keine Gespräche, keine Verpflichtungen und Komplikationen. Die Kamera hält drauf und unterstreicht die emotionale Schlichtheit des Aktes. Eines Tages jedoch folgt der Mann seiner unbekannten Bettgenossin heimlich.

Mehr zum Film Intimacy:
www.artechock.de/film/text/kritik/i/intima.htm
www.programmkino.de/IJKL/Intimacy/intimacy.html

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Amélie Poulain (Die fabelhafte Welt der Amélie, 2001)

  Regisseur: Jean-Pierre Jeunet
Darsteller: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Rufus, Lorella Cravotta, u.a.
Synopsis:
Die tagträumende Amélie versteht es, das Leben ihrer Mitmenschen durch fabelhafte Täuschungen zu bereichern. Mit ihrem Blick für vermeintliche Nebensächlichkeiten wird sie zur Mittelsfrau, die Familien zusammenführt und schlummernde Lieben weckt. Nur ihrem eigenen Glück vermag sie nicht auf die Sprünge zu helfen. – Der französische Film der letzten Jahre, an dem man nicht vorbeikommt!

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Les Triplettes de Belleville, 2003

  Regisseur: Sylvain Chomet
Synopsis:
Als ihr Enkel „Champion“ auf der Tour de France von Mafiosi gekidnappt wird, macht sich die rüstige Madame Souza mit ihrem Hund Bruno auf, ihren Zögling zu befreien. In der Großstadt Belleville trifft sie auf drei verquere Altersgenossinnen, die einst berühmte Varieté-Künstlerinnnen waren (die Triplettes) und denen die Sangeswut über die Jahre nicht abhanden gekommen ist. Zu fünft geht die Suche weiter.
Ein Animationsfilm, der zeigt, daß dieses Genre nicht ausschließlich amerikanische Chefsache sein muß: äußerst unterhaltsam und skurril; ausgestattet mit einem Soundtrack, den man schwer aus dem Kopf bekommt.

Mehr zum Film Les Triplettes:
www.outnow.ch/Movies/2003/TriplettesdeBelleville

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INFOECKE

   http://www.filmevona-z.de
Die Seite des Lexikons des internationalen Films von zweitausendeins - liefert wertvolle Eckdaten. Für Inhaltsangaben und Synopsen muss man allerdings zahlen.
 
http://www.prisma-online.de
Eigentlich Fernsehguide, trotzdem liefert prisma-online über eine Suchmaschine viele Links und Informationen zum Kino der letzten 60 Jahre.

http://www.programmkino.de
Internet-Informationsdienst deutscher Filmkunsttheater: Festivals, Förderungen, Filmpreise und großes Archiv an Filmkritiken, Biographien und Filmdaten.

http://www.arte-tv.com
Aktuelle + detaillierte Dossiers zum europäischen Film. Infos zu Werkreihen und Schwerpunkte auf arte-TV. Wissenswertes zur Kinogeschichte.

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