Gemeinsam mit TV5 - erstmals offizieller Partner der 54.
Internationalen Filmfestspiele Berlin - und den Internationalen
Filmfestspielen Berlin hat das DFJW im letzen Dezember
den
Jurypreis "Dialogue en perspective"
ins Leben gerufen.
Der Preis wurde in der Reihe "Perspektive Deutsches
Kino" von einer siebenköpfigen deutsch-französischen
Jury an den besten deutschen Film "Flammend
Herz" am 14.2.2004 vergeben. Die Jury bestand
aus vier französischen und drei deutschen Mitgliedern
im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Präsident der
Nachwuchsjury war Albert Wiederspiel, Leiter des Hamburger
Filmfestes.
Aus diesem Anlass bieten wir Ihnen einen Beitrag über
das deutsche Kino, der nicht als ein detailliertes Gesamtbild
der deutschen Kinolandschaft zu verstehen ist, sondern
einfach die wichtigsten Highlights beinhaltet.
Die Auswahl der Filme beruht nicht auf Vollständigkeit
und bleibt völlig subjektiv...
FRANKREICH UND DIE ANFÄNGE
DES FILMS (1895 – 1912)
Die
Gebrüder Lumière
Nun
ja: Strenggenommen muß man sagen, daß
die Brüder Louis und Auguste Lumière
das Kino nicht allein erfunden haben – es
gibt im ausgehenden 19. Jahrhundert in vielen Ländern
Versuche, den Traum der ‚lebenden Fotografie’
zu verwirklichen. Die Gebrüder Lumière
schaffen es jedoch im Jahr 1895 das bis dahin am
weitesten entwickelte Filmaufnahme- und projektionsverfahren
in Paris vorzustellen. Außerdem verstehen
es die Söhne eines reichen Fotopapier-Herstellers
am besten, ihre Erfindung kommerziell zu nutzen.
Die Filme, die die Lumière-Brüder für
ihre Vorführungen drehen, sind hauptsächlich
dokumentarischer Natur. Zum Beispiel: La Sortie
des Usines (Arbeiter verlassen die Fabriken,
1895), oder L’Arrivée d’un
train à La Ciotat (Ankunft eines
Zuges in La Ciotat, 1895). Trotz der Nüchternheit
der Szenen werden diese Filme zur absoluten Sensation.
Viele Zuschauer sind vom Herannahen des Zuges –
geradewegs auf die Kamera zu – geschockt und
flüchten von ihren Sitzen, da sie nicht zwischen
Abbild und Wirklichkeit unterscheiden können.
Die
zweite hier unbedingt erwähnenswerte „Zutat“
Frankreichs zu den Anfängen der Filmgeschichte
liefert Georges Méliès. Er entstammt
der Varieté- und Theatertradition und ist
zur Zeit der ersten Lumièreschen Filmvorführungen
Direktor des Théâtre Robert Houdin
– benannt nach seinem Gründer, einem
Meister der Illusion. Méliès begeistert
sich für das neue Medium und nimmt es als Attraktion
in sein Theaterprogramm auf. Bald fängt er
an, selbst Filme zu drehen, die allerdings weit
über das einfache Abbilden der Wirklichkeit,
auf das sich die Lumières beschränken,
hinausgehen.
Méliès stellt als erster Fiktion,
Phantasie und vor allem Täuschung als filmische
Elemente vor. Dabei bedient er sich seiner Theatertricks–
Falltüren, Attrappen und Spiegel – ebenso
wie der damals existierenden fotografischen Verfremdungseffekte
– Verkleinerung, Vergrößerung und
doppelte Exposition. Die Wunder, die sich mit bühnentechnischen
und optischen Mitteln nicht erstellen lassen, werden
in seiner Filmwerkstatt (in Montreuil bei Paris)
– dem ersten Filmatelier überhaupt –
nachträglich in die Aufnahmen eingearbeitet.
Méliès’ filmische Märchen
sind stark beeinflußt von Jules Vernes Romanen
und dessen phantastischen technischen Visionen und
(pseudo-) wissenschaftlichen Utopien. Seine berühmtesten
Filme sind Le Voyage dans la Lune
(Die Reise zum Mond, 1902), Le Voyage
à travers l’Impossible (Die
Reise durch das Unmögliche, 1904) und A
la Conquête du Pôle (Die
Eroberung des Pols, 1912).
Als
Méliès’ Reise zum Mond
ein Kassenschlager wird, ist es nur noch ein kleiner
Schritt zur frühen Industrialisierung des französischen
Films. Mit großer finanzieller Unterstützung
von Banken werden Filmfirmen gegründet, die
mit billigen Produktionen Lumières und Méliès’
Filme kopieren. Damit überschwemmen sie die
ständig wachsenden Märkte, bis sich Ende
des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts Sättigungserscheinungen
beim Publikum einstellen. Und während das kommerzielle
Kino versucht, dem Überdruß mit einem
qualitativ anspruchsvolleren Kunstfilm (film
d’art) zu begegnen, macht sich eine kleine
Zahl experimentierfreudiger, unabhängiger Filmemacher
daran, den Film radikaler zu verändern und
voranzubringen. So fordern die Avantgardisten beispielsweise
strenge Theorien zur Eigengesetzlichkeit des Films
und versuchen, ihn von den Vorgaben des Theaters
zu befreien. Grundsätzlich kann man zwischen
drei experimentellen Strömungen unterscheiden:
Impressionismus, cinéma pur, und Surrealismus.
Impressionismus
Im
Vergleich zu den anderen experimentellen Richtungen
ist der Impressionismus eine recht herkömmliche,
da realitätsnahe und beschreibende Art des
Filmemachens. Jeder Film hat ein konkretes Thema,
und selbst eine Geschichte darf – ganz wie
im klassischen Theater – mit einem normalen
Handlungsablauf erzählt werden.
Darf und kann, muß aber nicht! Denn das eigentliche
Anliegen der impressionistischen Filme ist, eine
Impression – also eine bestimmte Stimmung
und Atmosphäre – in Bildern zu vermitteln.
Dabei soll die Zusammenstellung der Filmbilder Gefühle
hervorrufen, ähnlich einer musikalischen Symphonie.
So debütiert beispielsweise der Regisseur Alberto
Cavalcanti mit Rien que les heures
(Nichts als Stunden, 1926), einem gefühlvollen
Bericht aus dem Pariser Alltag, der die sozialen
Unterschiede der Einwohner neben den architektonischen
Kontrasten ihrer Bauwerke stellt. Cavalcantis Film
wird häufig als Vorgänger von Walther
Ruttmanns Berlin, Symphonie einer Großstadt
(1927), gesehen. In ähnlicher Manier wie Cavalcanti
benutzt Jean Renoir in La Fille de l’eau
(Das Mädchen vom Fluß, 1924) die
Mädchenfigur und das Spiel mit dem Licht, um
seine in die Handlung eingebettete Naturstudie ästhetisch
zu überhöhen.
Anders als der
Impressionismus bricht der sogenannte Reine
Film radikal mit der dokumentarischen und
dramenhaften Art des Filmemachens. Das cinéma
pur tritt, wie viele andere Kunstrichtungen
dieser Zeit, an, um dem Medium seine völlige
Unabhängigkeit zu erkämpfen. Die Filmbilder
sollen nicht mehr Wirklichkeit abbilden, sondern
sich ihr eigenes Universum schaffen. Sie sollen
‚reiner Film’ sein, auf nichts
mehr verweisen und sich selbst genügen.
Wie sich eine solche Forderung umsetzen läßt,
zeigen Werke wie Fernand Légers Ballet
Mécanique (Mechanisches Ballett,
1924). Léger filmt alltägliche Gegenstände
– Töpfe, Pfannen, Geschirr, Besteck,
etc. – derart, daß sie wie abstrakte
Formen erscheinen und nicht mehr als vertraut
erkennbar sind. Der Zuschauer soll im Film von
der ihn umgebenden Welt überrascht werden.
Und tatsächlich sind die Zuschauer bei der
Premiere überrascht und interessiert –
für ungefähr zwei Minuten... „[N]ach
fünf Minuten jedoch stellten sich ernsthafte
Ermüdungserscheinungen ein, nach zehn Minuten
versagten die Nerven den Dienst, und nach fünfzehn
kam es zu lautem Protest“ (Jerzy Toeplitz:
„Geschichte des Films“ Bd.
I, S. 453).
Der
Surrealismus – im Allgemeinen sowie im Film
– will menschliche Gedanken freisetzen, ohne
sie vorher vom Verstand auf ihre Realitätstauglichkeit
überprüfen und zensieren zu lassen. Die
Wirklichkeit soll fessellos interpretiert und daraufhin
verändert werden. Im Film sollen traumartige
Szenen und absurde Bildverknüpfungen den Blick
auf die Wirklichkeit entgrenzen.
Hierbei besonders erwähnenswert sind die Filme
von Luis Buñuel, die die Zuschauer mit brutalen
und chaotischen Phantasien schockieren. So zum Beispiel
in Un chien andalou (Ein andalusischer
Hund, 1928), in dem ein menschliches Auge von
einem Rasiermesser zerschnitten wird – eine
der kontroversesten Filmszenen aller Zeiten! Versuche,
Buñuels Bildverbindungen zu deuten, führen
oft zur Psychoanalyse Freuds und zu Interpretationen,
die Kirche und Bürgertum eine falsche Moral
und gehemmte Sexualität vorwerfen. Doch gibt
es keinen festen Sinn und keine eindeutigen symbolischen
Bedeutungen bei Buñuel. Der Andalusische
Hund, den er zusammen mit Salvador Dali konzipiert,
will gerade durch die Unheimlichkeit seiner Bilder
das blinde Vertrauen in die sichere Ordnung der
Dinge erschüttern.
Regisseur: Jean Renoir
Darsteller: Catherine Hessling, Pierre Champagne
u.a.
Synopsis:
Die junge Virginie verliert ihren Vater und wird
in die Obhut ihres bösen Onkels Jef gegeben.
Sie flieht, und ist fortan Spielball des Schicksals.
In Renoirs Erstlingswerk tritt die Handlung hinter
das Kameraspiel mit Licht und Landschaft zurück.
Catherine Hessling versteht es, sich durch ihr ästhetisches
Äußeres und ihre fließenden, geschwungenen
Bewegungen völlig in die Bilder zu integrieren.
Regisseur: Fernand Léger
Synopsis:
Ballet mécanique ist kein Tanz von Menschen,
sondern eine Choreographie der Objekte. An der Fertigstellung
des aufwendigen Films ist auch der surrealistische
Fotograf Man Ray beteiligt. Léger filmt in
Ballet Mécanique mit Hilfe des Stopp-Trick-Verfahrens
Objekte, die im Film bewegt erscheinen, da man sie
nach jeder Aufnahme ein kleines Stück verschiebt.
Regisseur: René Clair
Synopsis:
Im 20minütigen Experimentalfilm Entr'acte,
der als "Zwischenakt" für das Ballett
Relache von Francis Picabia gedreht wurde, setzt
sich René Clair gemäß dem Cinéma
pur über die Gesetze von Logik und Dramatik
hinweg. Der Film besteht aus Einzelszenen und absurden
Situationen, die völlig unverbunden sind, jedoch
in ihrer Abfolge einen filmischen Eigenrhythmus
schaffen.
Le
chien andalou (Der Andalusische Hund,
1928) (Surrealismus)
Regisseur: Luis Buñuel
Darsteller: Simone Mareuil, Pierre Batcheff,
Salvador Dalí, Luis Buñuel u.a.
Synopsis: „Buñuel schärft
sein Rasiermesser, raucht eine Zigarette und prüft
die Schärfe des Messers an einem Daumennagel.
Er tritt auf den Balkon. Mond: links. Von rechts
kommt eine schmale Wolke. Buñuel schaut:
Gesicht der Schauspielerin. Daumen und Zeigefinger
öffnen ihr linkes Auge. Das Rasiermesser fährt
von rechts nach links über das Auge. Die Wolke
schiebt sich von rechts nach links vor den Mond.“
Nachdem
die Avantgardebewegungen der 20er Jahre bereits
vor dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit der Besatzung
durch Nazideutschland nachließen und sich
in vielen Fällen dem kommerzielleren Kino annäherten,
dauerte es bis lange in die Tonfim- und Nachkriegszeit
hinein, bis Frankreich seine nächste große
cineastische Revolution erfahren sollte:
Die Nouvelle Vague (Neue Welle) steht
heute für viele als der Inbegriff des französischen
Films und gehört wohl zu den wichtigsten Impulsen
des Kinos im 20ten Jahrhundert überhaupt. Ende
der 50er Jahre formt sich in Paris eine Gruppe junger
Regisseure und Filmkritiker, um mit neuen Ideen
die Starrheit des Kinos der Nachkriegszeit aufzubrechen.
François Truffaut, Jean-Luc Godard und Claude
Chabrol sind ihre bekanntesten Vertreter. Zusammen
geben sie die Zeitschrift Cahiers du Cinema
heraus.
Andere wichtige Regisseure, deren Frühwerke
die Nouvelle Vague ebenso prägen sind
Eric Rohmer, Jaques Rivette, Alain Resnais und Louis
Malle. Als erster Film der Bewegung gilt heute Chabrols
Le beau Serge (Die Enttäuschten)
von 1958.
Ihre inhaltlichen Einflüsse beziehen die Nouvelle-Vague
Regisseure vor allem aus der existentialistischen
Literatur Camus’, Sartres und Malraux’,
aus den Filmen Alfred Hitchcocks und den amerikanischen
Gangsterfilmen der 30er und 40er Jahre. In technischer
Hinsicht bringen kleinere und leichtere Kameras
(Arriflex) Bewegung in den Film. Sie erlauben
den Kameramännern das Experimentieren mit Perspektiven.
Holprige Kamerafahrten oder auch das Filmen aus
Autos heraus fordern den Kinobesuchern eine Umstellung
ihrer Sehgewohnheiten ab.
Rasant werden die neuen Filme auch durch einen kompromißlosen
Schnitt: Der Jump Cut, der harte Schnitt
aus nicht vollendeten Bewegungen in schon begonnene,
wird als Montagetechnik wegweisend. Der Kameramann
Raoul Coutard, der sämtliche frühe Filme
von Godard und Truffaut fotografiert, wird zu einem
der Hauptverantwortlichen für den Stil der
Nouvelle Vague.
Ab Mitte der 60er Jahre trennen sich die Wege der
Regisseure allmählich. Godard beispielsweise
widmet sich dem experimentellen Film, Resnais dem
Dokumentarfilm, und Eric Rohmer beginnt Literatur
zu verfilmen.
Doch wo innerhalb der cineastischen Erneuerung sind
die Frauen? - Während vor der Kamera durch
Jean Seberg und Brigitte Bardot neue Geschlechterrollen
angedacht und alte radikalisiert werden, bleibt
die Rollenverteilung hinter der Kamera traditionell.
Die Nouvelle Vague geht als Männerverein
in die Geschichte ein.
Dabei hat die Zeit gerade in der Regisseurin Agnès
Varda eine sehr würdige weibliche Vertretung.
Varda debütiert Mitte der fünfziger Jahre
mit ihrem Dokumentarfilm La Point Courte,
für den sie bereits Alain Resnais an den Schneidetisch
setzt und diesen sich seine ersten Lorbeeren verdienen
läßt. Ihr erster Spielfilm, Mittwoch
zwischen 5 und 7, von 1962 ist ebenso gefüllt
mit Gastauftritten großer Namen: Eddie Constantine,
Jean-Luc Godard, Anna Karina etc.
Varda entwickelt im Spannungsfeld von Realismus
und Poesie ihren Stil, in dem alltägliche Gegenstände
und Situationen unter dem Blick der Kamera symbolische
Tiefe erhalten.
François
Truffaut hat sich in seinem Oeuvre nie festgelegt.
Seine Ideen und seine Liebe zu allen Formen des
Films führen ihn durch sämtliche Genres.
So erzählt er in Les Quatre cents coups
(Sie küssten und sie schlugen ihn, 1958/59),
Tirez sur le pianiste (Schießen
Sie auf den Pianisten, 1961) und Jules
et Jim (Jules und Jim, 1962) drei
grundverschiedene Geschichten: Jugenddrama, Gangsterfilm
und Beziehungskomödie. Mit ihnen sorgt er für
die ersten großen Publikumserfolge der Nouvelle
Vague. Durch die Leichtigkeit seiner Erzählweise,
die stets etwas Heimliches und Spitzbübisches
zu haben scheint, entsteht eine eigenartige Komplizenschaft
zwischen Filmemacher und Zuschauer, die den Charme
des Truffaut’schen Werks ausmacht.
Der
aus der Schweiz stammende Jean-Luc Godard versucht
sich ebenso wie sein Freund Truffaut in den verschiedensten
Genres. Sein größter Wurf und der bekannteste
Film der Nouvelle Vague ist À
bout de souffle (Außer Atem,
1959), ebenfalls eine Hommage an den amerikanischen
Gangsterfilm. Mit Le Mépris
(Die Verachtung, 1963) inszeniert Godard
ein hollywoodreifes Epos in Starbesetzung: ein sich
selbst spielender Fritz Lang, Jack Palance als großspuriger
Produzent, Michel Piccoli in seiner ersten Rolle
und Brigitte Bardot, die bereits vor der Nouvelle
Vague ein Star ist. In Pierrot le fou
(Elf Uhr nachts, 1965) zeigt Godard Jean-Paul
Belmondo einmal mehr von Frauen verraten und Alphaville
(1965) feiert den Geheimagenten Lemmy Caution (Eddie
Constantine) in einem futuristischen Spionagefilm.
Insgesamt zeichnen sich die Filme Godards dadurch
aus, dass sie nicht nur eine Geschichte erzählen,
sondern dabei das filmische Erzählen selbst
ironisch betrachten. Godards Filme verweisen stets
auf ihre eigene ‚Filmhaftigkeit’ und
sind gespickt mit Zitaten aus anderen Kinoklassikern:
Wenn sich Belmondo beispielsweise in Außer
Atem mit dem Daumen über die Lippen fährt,
hat er das von Humphrey Bogert geklaut!
Regisseur: Jean-Luc Godard; Kamera: Raoul Coutard
Darsteller: Jean Paul-Belmondo, Jean Seberg,
Claude Mansart, Liliane David, Henri-Jacques Heut
Synopsis:
Der kleine Gauner Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo)
tötet einen Polizisten, begegnet auf der Flucht
einer jungen Frau namens Patricia (Jean Seberg),
durchstreift Paris auf der Suche nach Geld und Hilfe
und wird am Ende verraten und erschossen. Dabei
ist Poiccard gar kein klassischer Mörder.
Wie Mersault in Camus’ Der Fremde handelt
er aus Affekt und ohne Motiv.
Regisseur: François Truffaut, Kamera:
Raoul Coutard
Darsteller: Jeanne Moreau, Oskar Werner, Henri
Serre
Synopsis:
Catherine (Jeanne Moreau) wird geliebt von den beiden
jungen Männern Jules (Oskar Werner) und Jim
(Henri Serre). In der Dreiecksbeziehung sind alle
glücklich und unglücklich zugleich. Im
Hin und Her zwischen Konflikt und Heiterkeit spiegelt
sich das fundamentale Spiel von Liebe und Tod, das
Truffaut ohne großes Pathos mit wunderschönen
Momenten erzählt.
L’année
dernière à Marienbad (Letztes
Jahr in Marienbad, 1960)
Regisseur: Alain Resnais, Kamera: Sacha Vierny
Darsteller: Delphine Seyrig, Sacha Pitoeff,
Giorgio Albertazzi, Françoise Bertin
Synopsis:
Nach einem Roman von Alain Robbe-Grillet erzählt
Resnais die Geschichte eines dekadenten Kurorts.
Ein nicht benannter Mann versucht eine Frau davon
zu überzeugen, dass sie sich schon vor einem
Jahr am selben Ort begegnet seien. Letztlich gelingt
es ihm, die hin- und hergerissene Frau für
sich zu gewinnen. Vergangenes und Zukünftiges,
Gedachtes und Unbewußtes sind in diesem Film
traumhaft miteinander verwoben.
Regisseur: Louis Malle, Kamera: Henri Raichi
Darsteller: Annie Fratellini, Antoine Roblot,
Philippe Noiret, Catherine Demongeot, Hubert Deschamps
Synopsis:
Zazie (Catherine Demongeot), eine zehnjährige
Göre aus der Provinz besucht ihre Mutter in
Paris. Diese will sich jedoch mit ihrem Liebhaber
vergnügen und gibt Zazie zu ihrem Onkel Gabriel,
der mit ihr restlos überfordert ist. Zazie
reißt aus und hinterläßt auf ihrem
Weg durch Paris Chaos und Verwirrung.
ERFOLGREICHE FRANZÖSISCHE FILME
AUS JÜNGSTER VERGANGENHEIT
La Haine (Hass,
1995)
Regisseur: Mathieu Kassovitz
Darsteller: Solo Dicko, Karim Belkhadra, Vincent
Cassel, Marc Duret, Hubert Koundé
Synopsis:
La Haine erzählt von einem Tag dreier Jugendlicher
(Said, Hubert und Vinz) aus einer Trabantenstadt
der Pariser Banlieues. Mit Drogengeschäften
halten sie sich über Wasser und der Hass auf
die Polizei bestimmt ihr Leben. Als ein arabischer
Freund an seinen von der Polizei zugefügten
Verletzungen stirbt, will einer der drei seinem
Hass mit einer Pistole Luft machen. Diese Pistole
wird zum vierten Hauptdarsteller.
Regisseur: Claude Nuridsany, Marie Pèrennon
Synopsis:
Mit spezieller Objektivtechnik und über 4 Jahre
hinweg hat sich das Filmteam ins Gras gelegt, um
eben jene Lebewesen mit der Kamera zu beobachten,
auf die wir Menschen sonst nur treten – entweder
achtlos oder aus Ekel. Die Relationsverschiebung,
die durch die Makroaufnahmen im Kino entsteht, bringt
die Insekten mit uns auf gleiche Augenhöhe
– mindestens. Doch nicht nur die Relationen
tun dies, auch die Tätigkeiten des ‚Ungeziefers’
scheinen plötzlich nicht mehr weit von unserem
Tageswerk entfernt.
Regisseur: François Ozon
Darsteller: Virginie Ledoyen, Ludivine Sagnier,
Emmanuelle Béart, Danielle Darrieux, Firmine
Richard, Isabelle Huppert, Catherine Deneuve, Fanny
Ardant
Synopsis:
Der junge Regiestar François Ozon beschreibt
in 8 Frauen eine klassische Agatha-Christie Situation:
In einem Landhaus geschieht ein Mord. Der Familienvater
wird erstochen und jede der 8 Frauen, die sich im
Haus befinden, verfügt über ein Motiv.
Schnell entspinnen sich Verdächtigungen und
Intrigen.
Mit Gesang- und Tanzeinlagen ist die Krimi-Komödie
wie ein Musical inszeniert und wie so viele französische
Filme damit gleichzeitig eine Hommage an die Kinogeschichte.
Regisseur: Claude Chabrol
Darsteller: Mélanie Doutey, Suzanne Flon,
Thomas Chabrol, Caroline Baehr, Nathalie Baye, Bernard
le Coq, Benoît Magimel
Der Altmeister Claude Chabrol ist der französischen
Filmlandschaft seit Die Enttäuschten (1958)
mit mehr als 70 Filmen bis heute treu geblieben.
Auch in La fleur du mal dreht sich alles um sein
Lieblingsthema: die psychologischen Abgründe
der Bourgeoisie – des gehobenen französischen
Bürgertums.
Synopsis:
Anne Chapin-Vasseur, eine Politikerin, sieht sich
und ihre Familie mit einer schuldhaften Vergangenheit
konfrontiert als im Wahlkampf ein Flugblatt auftaucht,
in dem es um ein Verbrechen am Ende des Zweiten
Weltkriegs geht. Die Frage, ob Schuld von einer
Generation auf die nächste übertragen
werden kann, wird zum Dreh- und Angelpunkt des Films.
Nur die Generation der Kinder bleibt hierbei von
der sarkastischen Darstellung Chabrols verschont.
Regisseur: Nicolas Philibert
Synopsis:
Ein halbes Jahr lang hat Nicolas Philibert eine
Dorfgrundschule in der französischen Provinz
besucht und den Unterricht des einzigen Lehrers
vor seiner einzigen Klasse, die alle Kinder der
Umgebung zwischen vier und zehn Jahren beherbergt,
mit der Kamera verfolgt – ein kleiner, unspektakulärer,
aber sehr berührender Dokumentarfilm.
Regisseur: Patrice Chéreau
Darsteller: Mark Rylance, Kerry Fox, Timothy
Spall, Marianne Faithful u.a.
Synopsis:
Zwei Fremde treffen sich regelmäßig in
einem verwahrlosten Londoner Apartment und haben
anonymen Sex. Keine Gespräche, keine Verpflichtungen
und Komplikationen. Die Kamera hält drauf und
unterstreicht die emotionale Schlichtheit des Aktes.
Eines Tages jedoch folgt der Mann seiner unbekannten
Bettgenossin heimlich.
Amélie
Poulain (Die fabelhafte Welt der Amélie,
2001)
Regisseur: Jean-Pierre Jeunet
Darsteller: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz,
Rufus, Lorella Cravotta, u.a.
Synopsis:
Die tagträumende Amélie versteht es,
das Leben ihrer Mitmenschen durch fabelhafte Täuschungen
zu bereichern. Mit ihrem Blick für vermeintliche
Nebensächlichkeiten wird sie zur Mittelsfrau,
die Familien zusammenführt und schlummernde
Lieben weckt. Nur ihrem eigenen Glück vermag
sie nicht auf die Sprünge zu helfen. –
Der französische Film der letzten Jahre, an
dem man nicht vorbeikommt!
Regisseur: Sylvain Chomet
Synopsis:
Als ihr Enkel „Champion“ auf der Tour
de France von Mafiosi gekidnappt wird, macht sich
die rüstige Madame Souza mit ihrem Hund Bruno
auf, ihren Zögling zu befreien. In der Großstadt
Belleville trifft sie auf drei verquere Altersgenossinnen,
die einst berühmte Varieté-Künstlerinnnen
waren (die Triplettes) und denen die Sangeswut über
die Jahre nicht abhanden gekommen ist. Zu fünft
geht die Suche weiter.
Ein Animationsfilm, der zeigt, daß dieses
Genre nicht ausschließlich amerikanische Chefsache
sein muß: äußerst unterhaltsam
und skurril; ausgestattet mit einem Soundtrack,
den man schwer aus dem Kopf bekommt.
http://www.filmevona-z.de
Die Seite des Lexikons des internationalen Films
von zweitausendeins - liefert wertvolle Eckdaten.
Für Inhaltsangaben und Synopsen muss man allerdings
zahlen.
http://www.prisma-online.de
Eigentlich Fernsehguide, trotzdem liefert prisma-online
über eine Suchmaschine viele Links und Informationen
zum Kino der letzten 60 Jahre.
http://www.programmkino.de
Internet-Informationsdienst deutscher Filmkunsttheater:
Festivals, Förderungen, Filmpreise und großes
Archiv an Filmkritiken, Biographien und Filmdaten.
http://www.arte-tv.com Aktuelle + detaillierte Dossiers zum europäischen
Film. Infos zu Werkreihen und Schwerpunkte auf arte-TV.
Wissenswertes zur Kinogeschichte.
http://www.dasfilmarchiv.de/index1.html Hervorragende Seite! Zugriff auf eine Datenbank,
Links, Bilder, weitgefächerte Literatur zum
Film, Essays und Zitate zur Kinogeschichte und zum
aktuellen Film.
http://www.schnitt.de Die Seite des besten deutschen Filmmagazins
mit ausführlichen Kritiken und historischen
Schwerpunkten.
http://www.epd.de/film/film_index.html Die Seite des evangelischen Pressedienstes.
Als Datenbank und Forum die anerkannteste Quelle
rund ums Kino in Deutschland mit dem Schwerpunkt
europäischer Film.