Das Voltaireprogramm ?! Wie? Wann? Warum?
Ich kannte schon gut das Voltaireprogramm, denn meine Schwester hat es auch vor vier Jahren gemacht. Ich fand ihre Austauschschülerin total nett und wir haben mit ihr eine gute Zeit verbracht. Ich fand diese Erfahrung in Deutschland einfach toll und habe mir gesagt, vielleicht werde ich das auch machen. Ich war aber noch jung…
Letzte Sommer habe ich einen Privataustausch gemacht. Ich war nämlich drei Wochen in der Nähe von Stuttgart. Das hat mir wirklich gefallen! Ich habe also danach ernsthaft darüber überlegt.
Seit diesem Jahr bin ich in einer "europäischen Klasse". Die Lehrer haben uns noch viele Infos über dieses Programm gegeben. Im Oktober habe ich endlich die Entscheidung getroffen: Ich wollte auf jeden Fall für ein halbes Jahr in Deutschland leben.
Um ehrlich zu sein, war ich mir nicht mehr so sicher, als ich den Brief des Programms bekommen habe. Ich war natürlich sehr froh, aber die Zeit war sehr schnell vergangen und alles wurde konkret! Ich musste jetzt Frankreich, meine ganze Familie und meine Freunde für sechs Monate verlassen!
Eine Woche vor der Abfahrt war ich total nervös. Ich konnte nicht gut schlafen, und habe mich viele Fragen gestellt. Ich kannte nämlich kaum meine Gastfamilie und wusste nicht, ob ich mich mit meiner Korres gut verstehen werde. Ich hatte nur mit ihr per Internet geredet, nur ein einziges Mal hatte ich mit ihr telefoniert, und wir wussten überhaupt nicht, was wir sagen sollten.
Im Zug war ich aufgeregt, wie ich noch nie in meinem ganzen Leben gewesen war. Alles war so schnell vergangen und das war immer noch irreal… Ich konnte nicht realisieren, dass ich so lange meine Familie nicht mehr sehen werde.
Ich bin endlich am 3. März angekommen. Ihre große Schwester und zwei Freundinnen warteten auf mich im Bahnhof. Ich habe später die Eltern und die andere Geschwister zu Hause in Leverkusen kennen gelernt.
Das war der Anfang eines unvergesslichen Erlebnisses…
Das Alltagsleben In der Familie
Der erste Unterschied: Das war eine "Patschworkfamilie". Ich wohnte die ganze Zeit mit meiner Korres, ihrer Halbschwester und den Eltern. Die große Schwester war zu Hause nur am Wochenende und der Sohn vom Vater alle zwei Wochen…
* Schwieriger Anfang: Die Familie war ganz nett zu mir, aber ich habe mich trotzdem unwohl gefühlt. Der Anfang war für mich ziemlich komisch. Das war eine Mischung von Entdeckungen, Freude und Heimweh. Ich wollte wirklich mich integrieren, und die Zeit am besten genießen, aber ich musste gegen eine Schwierigkeit kämpfen, die ich vorher nicht kannte: die Schüchternheit!
Ich wollte nicht die ganze Zeit mit der Familie bleiben, weil ich den Eindruck hatte, überflüssig zu sein.
Deutsch zu reden war auch schwierig, obwohl ich kein Problem in meiner Schule hatte. In Deutschland war es nämlich anders: ich stotterte, suchte nach Worten… Ich habe mich einfach nicht vertraut!
* Wie toll !!!! : Nach und nach habe ich mehr mit der Familie geredet, ich hab sie einfach besser kennen gelernt. Wenn ich daran zurück denke, dann finde ich, dass ich mich schnell angewöhnt habe.
Das war eine offene und lebhafte Familie. Nach einigen Monaten war das Leben mit ihnen wirklich toll! Mann kann sich mit ihnen nicht langweilen. Das war immer lustig mit ihnen zu reden!
Die Mahlzeiten waren der größte Unterschied: In dieser Familie isst man nur zwei Mal am Tag, und das Abendessen ist ganz früh. In diesem Gebiet habe ich viel entdeckt, und alles war voll lecker! Ich glaube, dass sie keine grünen Gemüse in den sechs Monaten gegessen haben!
Ich habe auch an die Haushaltsarbeiten teilgenommen. Ich fand es ganz normal. Ich wollte nicht herumsitzen und nichts machen! Deshalb habe ich alle zwei Wochen das Badezimmer geputzt. Ich habe auch regelmäßig die Spülmaschine ausgeleert, und manchmal die Treppen sauber gemacht… und mein Zimmer natürlich auch!
Ich bin gern mit den Hunden spazieren gegangen. So konnte ich mir die Stadt ansehen und mit den Schwestern reden!
Das Alltagsleben Mit meiner Austauschschülerin
Ich hatte mein eigenes Zimmer neben meiner Korres. Sie ist ein bisschen älter als ich und wir haben verschiedene Gewohnheiten…
* Meine Korres und ich sind sehr anders, haben verschiedene Interessen… Im großen und ganzen haben wir uns gut verstanden, aber es hätte besser sein können. Wir haben ziemlich viel zusammen getan, aber leider waren wir miteinander nicht eng befreundet und haben nur selten lange diskutiert. Ich hoffe, dass wir uns während des zweiten Teils in Frankreich näher kommen werden.
* Ich habe sofort gemerkt, dass sie sehr unabhängig ist. Ich glaube, anfangs habe ich zu viel erwartet, dass sie sich um mich kümmert (vielleicht wie ich das getan hätte) aber das war ein Fehler. Der Aufenthalt ist nämlich angenehmer geworden, wenn ich verstanden habe, dass ich selber Entscheidungen treffen soll…
Ein Mal hat sie mir gesagt, dass ich unabhängiger sein sollte. Nach diesem Gespräch war ich ein bisschen enttäuscht von ihr, aber es hat mir trotzdem geholfen, denn nach und nach habe ich meine eigene Freunde gefunden, dann hat das wirklich spaß gemacht!
Hobbys, Freundschaft und Freiheit!
In Deutschland hatte ich viel mehr Freizeit… Vor allem weil wir nicht so lange in der Schule bleiben mussten. So konnte ich viel machen und noch mehr über Deutschland entdecken! Außerdem ist L. schon eine große Stadt, und das war viel praktischer!
* Ich hatte nicht so viele Hobbys wie in Frankreich. Zum Beispiel hätte ich Theater spielen wollen.
Jeden Montag habe ich trotzdem mit meiner Korres Volleyball gespielt. Ich habe auch viele Aktivitäten mit Freunden gemacht… (Schwimmbad, Kino, Schoppen gehen,…)
Was ich total genießen habe, ist die Freiheit. Die Jungen unternehmen viel mehr als in Frankreich, sind selbständiger, und die Eltern vertrauen ihnen. Fast Alle haben schon einen Job.
Natürlich haben sie viel Zeit nach der Schule und können in die Stadt gehen, sich mit Freunden treffen oder einfach zu Hause ruhig bleiben… So kann man auch mehr Zeit mit der Familie verbringen!
* Jedes Wochenende waren wir unterwegs (Zuerst mit meiner Korres, und danach mit meinen anderen Freunden). Das war etwas Neues für mich, weil meine Eltern etwas strenger sind. Ich habe auch nicht soviel Zeit dafür.
Ich habe deswegen Deutschland wirklich genossen!
Die Schule
Ich habe das Gymnasium in L. besucht. Ich war in der 10. Klasse mit meiner Korres. Nach den Sommerferien habe ich auch während einer Woche die 11. entdecken können…
* Die erste Wochen in der Schule waren nicht sehr einfach für mich. Vor allem weil ich die Unterrichte nicht so gut verstand. Ich musste die ganze Zeit konzentriert bleiben, und ich war sehr müde. Ich kannte keine Leute und musste meine Korres überall folgen. Am Anfang wollten Alle mit mir Französisch reden, das war voll nervig! Wahrscheinlich dachten sie, dass ich nichts verstehen konnte!
Nach zwei Monaten ist das schon besser geworden, und am Ende habe ich alle Lehrer verstehen können.
* Die Klassenfahrt: Im Mai sind wir für fünf Tage nach Hamburg gefahren.
Wir haben im Hotel gewohnt und haben viel von der Stadt gesehen (Haffen, Laden, Musical, …) Das hat mir wirklich gefallen! Ich habe eine tolle Stadt entdeckt, und das hat mir Gelegenheit gegeben, die Klasse besser kennen lernen zu können.
* Ein Woche in der 11.: In der 11. haben die Schüler schon länger Schule, aber das hat mir besser gefallen: es gibt keine Klasse mehr, nur Kurse. Man kann seine Fächer wählen; man lernt, was man interessant findet. Ich finde es toll!
Meine Entdeckungen
Auf dem anderen Rheinufer gibt es viel zu sehen!
* In kultureller Hinsicht: Dort fand ich die Leute offener. Die drücken ihre Gefühle deutlich aus. Sie sind warmherzig, zum Beispiel für die Begrüßungen (Sie umarmen sich …). Ich finde es schade, dass die Franzosen so zurückhaltend sind.
* Die Städte: Ich glaube, ich habe fast alles in L. gesehen. Das ist eine schöne Stadt, aber ich mochte noch mehr Köln. Ich bin oft mit Freunden dort gefahren.
Diese Stadt befindet sich am Rhein, das ist so toll!! Ich habe auch ein bisschen besichtigt (das Schokolademuseum, den Dom, etc).
* Treffen: Mit zwei anderen Franzosen haben wir ein Treffen in Köln organisiert. Wir waren ungefähr 15-20 Deutschen und Franzosen von dem Voltaireprogramm. Wir sind in einen ¨Park gegangen. Das war ein lustiger Nachmittag. Wir haben Alle über unsere Erfahrung geredet, unsere Probleme erzählt…
* Das Schulsystem: Ein Mal musste meine Korres Prüfungen schreiben, deshalb hatte ich keine Schule. Ich bin also mit der kleinen Schwester in die Realschule gegangen.
Ich habe die verschiedene Gesichtspunkte sehen können. Ich bin froh, denn ich kann jetzt das deutsche Schulsystem besser verstehen…
Die Ferien
Zwei Wochen für die Osterferien und sechs für die Sommerferien…
* Osterferien: Während der Osterferien sind wir zu Hause geblieben.
Am Ostersonntag haben wir trotzdem etwas getan. In Deutschland schmücken sie einen Baum. Es gibt auch ein Osterfrühstück: wir haben alle zusammen gegessen, und Geschenke gekriegt. Das war was Neues für mich… Am Nachmittag sind wir alle spazieren gegangen. So ein schöner Tag!!
* Sommerferien (20/06-06/08) In den Sommerferien habe ich viel Zeit mit meinen Freunden verbracht, weil ich wusste, dass es fast das Ende meines Programms war…
Ich bin auch mit meiner Korres und zwei Freundinnen von ihr nach Frankreich gefahren. Wir waren drei Wochen in einem Zeltlager in der Ardèche. Das war eine deutsche Organisation und wir waren mehr als zwei hundert Jungen auf dem Zeltplatz!
Das war voll komisch, in Frankreich zu sein, und trotzdem die ganze Zeit auf Deutsch reden zu müssen!
Es gab viele Aktivitäten (Schwimmen, Fahrrad fahren, Kanu,…), und das Leben dort wurde gut organisiert. Das war eine schöne Zeit unter der französischen Sonne.
Leider ereignete sich am Vorletzten Tag ein schwerwiegender Krankheitsfall. Ein 14 jähriger Junge ist nämlich in der Nacht gestorben. Eine bakterielle Infektion wurde diagnostiziert. Wir wurden alle vorsorglich mit einem Medikament versorgt. Alle waren natürlich traurig und geschockt… Ich kannte nicht persönlich den Jungen, das war trotzdem sehr schwer für mich, weil die Leiter und die Ärzte mich als Übersetzerin genommen haben. Die nächste Woche sind wir in Deutschland auf die Beerdigung gegangen… Das war das erste Mal, dass ich so was Schreckliches erlebte…
Meine Forschritte mit der deutschen Sprache…
Vor dem Programm dachte ich, "Oh man, ich werde gar nichts verstehen, sie reden zu schnell!", aber in Wirklichkeit war das ganz anders. Ich hatte nicht so viele Probleme, um zu verstehen… Nach und nach konnte ich im Gespräch mitkommen, und auch was am Fernseher oder im Kino lief.
Nach einigen Monaten habe ich auch mehr Selbstvertrauen gekriegt, und das war leichter, meine Sätze zu formulieren.
Jetzt kann ich feststellen, dass ich Fortschritte gemacht habe, und ich bin sehr froh, dieses Programm gemacht zu haben.
Das Ende …
Am 15. August war alles vorbei… Schon das Ende!!!
... Die Verabschiedung
* In der letzten Woche habe ich alle nochmals gesehen, weil wir eine Party gemacht haben.
Am Vorletzten Tag haben wir alle zusammen gegessen. Die Eltern haben Pizzas bestellt, und wir haben über dieses halbe Jahr geredet. Sie haben mir was geschenkt. Ich war sehr traurig… Das war mein letzter Tag!
Ich habe mich ein letztes Mal mit meinen Freunden getroffen, wir sind spazieren gegangen. Das war ein toller letzter Abend, aber ich wusste schon, dass das Ende da war! Ich habe Geschenke und ein Fotoalbum bekommen. Ich habe mich darüber gefreut, aber alles klang immer noch irreal. Bis zur letzten Stunde habe ich gedacht, "ich habe noch was Zeit". Aber die ist viel zu schnell vergangen! Die Verabschiedung war schwer…
... Die Heimkehr
* Ich habe eine Pflanze für die Familie gekauft, und einen Brief geschrieben, denn es war für mich wichtig, meine Gastfamilie zu danken.
* Die Eltern haben mich zum Bahnhof gefahren. Meine Korres und ihre große Schwester sind mitgekommen. Im Auto bin ich still geblieben. Ich wusste nicht, was ich sagen konnte. Zwar war ich froh, nach Frankreich zu fahren: "Bald kann ich alle wiedersehen!", aber ich wollte nicht Deutschland verlassen! Ich war deshalb auch traurig… komisches Gefühl!
Im Bahnhof habe ich zwei Freunde getroffen. Sie hatten die Schule verpasst, um mich ein letztes Mal sehen zu können. Das war eine schöne Überraschung!
* Nur noch fünf Minuten!! Ich habe mich von Allen verabschiedet. Das war so traurig. Ich habe Alle umarmt, und habe sogar geweint: Ich wollte nicht in den Zug reinkommen! Um Viertel nach Zehn musste ich aber!
Ich habe die Familie ein letztes Mal durch das Fenster geguckt, der Zug ist abgefahren… Das war das Ende eines tollen halben Jahres!
Ich glaube, in diesem Programm gibt es glückliche und schwierige Zeiten …
Das ist nicht so einfach so weit weg von Frankreich zu sein, aber ich bedaure nichts! Das war für mich eine bereichende Erfahrung, und hoffe, es wird genauso für meine Korres sein…
Zum Schluss möchte ich allen Organisatoren des Programms für alles bedanken, denn ohne sie hätte ich gar nichts entdecken können…
Résumé en français
Les 6 mois que j'ai passés en Allemagne ont représenté pour moi une expérience riche et intense, marquée de rencontres et de séparations, ponctuée par des moments de joie, de découvertes mais aussi parfois de mélancolie: c'est malgré tout difficile de passer six mois loin des siens et de ses habitudes quotidiennes…
La famille chez laquelle j'ai vécu était très ouverte et chaleureuse. La relation avec ma correspondante aurait pu être meilleure mais dans l'ensemble nous nous sommes assez bien entendues. Je crois que nos différences de caractère et de culture ont en effet représenté un obstacle. Cependant, nous avons quand même fait un certain nombre de choses ensemble.
J'ai appris à connaître ma famille d'accueil, et à être plus indépendante, autonome, afin de me faire mes propres amis, de m'habituer à la vie en ville…
J'ai profité en Allemagne de beaucoup de temps libre et de liberté, qui étaient jusqu'alors inhabituels. J'ai découvert des coutumes et habitudes différentes… La principale différence est bien entendu le système scolaire c'est pourquoi le début du programme était assez difficile.
J'ai été également ravie de pouvoir apprécier des spécialités culinaires que je ne connaissais pas avant…
Pendant ce séjour j'ai pris conscience de mon appartenance à la patrie française mais je vois désormais l'Allemagne avec un regard neuf, en quelque sorte comme mon deuxième pays…
C'est une expérience qui mérite d'être vécue. Elle m'a apporté plus que l'apprentissage d'une langue; désormais j'envisage le monde et mon avenir d'une manière différente (Pourquoi pas, étudier en Allemagne). Je pense avoir changé même s'il est difficile de définir en quoi.
J'espère maintenant que la deuxième partie du programme sera tout aussi enrichissante…
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