LISA DE L’ACADEMIE DE REIMS DANS LE BRANDEBOURG

BERICHT ÜBER MEINE 6 MONATE IN DEUTSCHLAND

An einem Tag wie jeder andere hat meine Deutschlehrerin uns etwas von dem Voltaire-Programm erzählt. Etwas in meinem Kopf sagte mir: „Tu es! Tu es! Das ist genau richtig für dich! Die unverhoffte Gelegenheit!“. Gesagt, (eher gedacht!), getan. Am Ende des Unterrichts teilte ich meiner Deutschlehrerin meine Begeisterung mit.

Fünf Monate später waren meine Koffer bereit!! Am letzten Tag in der Schule, habe ich heiter meinen Freunden gesagt, „Bis Montag!“. Das fand ich recht lustig! Sie nicht. Ich habe meine Klassenkameraden zur Verzweiflung gebracht, da ich am letzten Tag gar nicht geweint habe, als ich die Schule verlassen habe. ( „Der Mensch mag Theater, bzw. Tränen und Übertreibungen“, sagte mir meine Gastmutter später .) Ich war gleichzeitig ruhig und euphorisch. Irgendwie fühlt man sich anders als die anderen: man weiß, man hat ein richtiges Ziel, das schon morgen im Angriff genommen wird.
Beim Einschlafen habe ich gedacht:„6 Monate sind gar nicht so schlimm!“ Ich war die einzige, die so dachte! Lehrer, Familie und Freunde waren ganz verblüfft. Warum sollte es so schwer sein, wenn ich selbst fest entschlossen bin, nach Deutschland zu gehen?

Am Tag X bin ich sehr früh aufgestanden: ich hatte das Gefühl, ich müsste mein ganzes Zimmer einpacken! Später lernte ich, dass das Materielle nicht so wichtig ist. Im Ausland braucht man einfach was zum Schreiben und ein Wörterbuch (übrigens rate ich denen, die diesen Austausch machen, „Langenscheidts Grosses Schulwörterbuch“ mitzunehmen… schwer aber wirksam!)

Meine Eltern haben mich zum Flughafen Paris begleitet. Die Fahrt war lang und wir haben gesprochen, als ob nichts wäre. Seit dem Eintreffen der Antwort von Voltaire spürte ich meine Eltern richtig traurig, besonders meine Mutter.
Obwohl es nicht zu meiner Lebenseinstellung passt, traurig zu sein, wurde auch ich ganz schnell melancholisch. Wer erträgt es, durch solche Entscheidungen einer liebende Personen traurig zu machen? Das fand ich schrecklicher als alle andere. Mit schwerem Herz habe ich also meinen Eltern „Au revoir“ gesagt… Wer auf der Erde mag Abschiede?

Im Warteraum habe ich kurz mit meiner besten Freundin telefoniert. Berührt habe ich ihr gesagt, dass ich sie ganz doll lieb habe und dass 6 Monate an unserer wertvollen Freundschaft überhaupt nichts ändern würden… (und heute darf ich sagen, ich hatte Recht!) Ein bisschen habe ich an allem gezweifelt und sie hat mich richtig getröstet… Die Rollen waren gewechselt… Als ich ihr 2 Monate vorher gesagt hatte, dass meine Bewerbung akzeptiert war, hatte sie geweint und ich war es, die sie getröstet hatte.
Freundschaft ist auf Gegenseitigkeit begründet, genau wie das Voltaire-Programm. Im Flugzeug habe ich mich plötzlich allein gefühlt, aber in dem Maße, wie sich die Landschaft verwandelte, veränderte sich meine Stimmung! Als ich auf dem Planeten „Deutschland“ (eigentlich auf dem Flughafen Berlin-Tegel) landete, war ich äußerst aufgeregt! Neugierig guckte ich mich überall um! Ich dachte: „Jetzt wird’s ernst!“ Plötzlich erblickte ich meine „Austauschpartnerin“. Sie schwenkte ein Plakat, worauf geschrieben war: „Herzlich Willkommen!“. Das war richtig nett von ihr. Ich hatte nämlich in einer meiner e-Mails darüber gewitzelt, aber ich hatte es nicht ernsthaft gedacht.
Ihre Mutter war auch da. Als wir uns „Hallo“ gesagt haben, nahm sie mich in die Arme. Ich war erstaunt! Wie zerstreut war ich! Es gab natürlich nicht das gewohnte französische Küsschen! Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig, von diesem Volk überrascht zu sein!

Ich starrte meine Austauschpartnerin an: Sie war hübsch, viel größer als ich und wir hatten die gleiche Frisur!
Ab heute sollte ich mit diesem Mädchen ein ganzes Jahr verbringen?! Ich fragte mich, ob wir das schaffen werden, aber sie sah nett aus!
Im Auto lernte ich den Vater kennen. Bald herrschte eine lustige Atmosphäre! Ich hatte so viel zu sagen, machte aber noch unzählige Fehler!
Als wir zu Hause angekommen waren, hat uns die Schwester empfangen. Auf dem Tisch stand ein Raclette, um das wir herum saßen. Wir haben viel geredet. Man kann es sagen, ich war aufgenommen!

Heute weiß ich, dass es mich richtig gut getroffen hat mit dieser Familie zu leben, die ein Herz aus Gold hat! Heutzutage ist es immer seltener, solchen Menschen zu begegnen! (Leute mit einem guten Kern sind leider vom Aussterben betroffen!) Ich bekam ein eigenes Zimmer sogar mit einem Fernseher! Da meine Austauschpartnerin und ich überhaupt nicht den gleichen Rhythmus zum Schlafen hatten, guckte ich abends fern. (Nach einer Zeit kannte ich sogar ein bisschen was im deutschen Fernsehen Mode war!)

Bei meiner Gastfamilie habe ich mich immer von meiner besten Seite zu zeigen versucht, aber natürlich bin ich kein perfekter Mensch!
Es kam vor, dass ich nicht besonders fröhlich war, aber allein in meinem Zimmer heulen wollte ich auf keinen Fall! (Ich habe mein Stolz!)
Und überhaupt, ich war nicht zu beklagen!
Die Familie, die mich während der 6 Monate ertragen sollte, war richtig nett. Mit meiner Austauschpartnerin verstehe ich mich, was man einen „kleinen persönlichen Erfolg“ nennen könnte!
Als ich nach Frankreich zurückgekommen bin, habe ich meine viele Briefe, die ich an meine Eltern geschickt hatte, in chronologischer Reihenfolge gelesen. Schon am ersten Abend schrieb ich zu meinen Eltern von einer „freimütigen und hilfsbereiten“ Mutter, einem „beruhigenden und netten“ Vater, einer „humorvollen“ Schwester und einer „fesselnden“ Austauschpartnerin… Der erste Eindruck war der richtige!

Ich glaube, nach anderthalb Monaten, als wir über Themen von weiblichen Jugendlichen redeten, spürte ich das erste Mal, dass wir die Schwelle der alleinigen der Beziehung von Austauschpartnerinnen durchgebrochen hatten, und dass langsam, aber sicher was anderes entstanden war…

Mit meinen Eltern war abgestimmt: jeden Sonntag um 20:00 riefen sie mich an. Man mag das unabhängige und aufsässige Mädchen sein und trotzdem freut man sich richtig, seine eigenen Eltern zu hören. Im Ausland versteht man, dass unsere eigene Familie viel wichtiger ist, als man glaubt. Ich musste auch ohne meine Geschwister leben. Bei den Geschwistern war meine Austauschpartnerin das Gegenteil von mir: sie hat eine Schwester und ich 2 Brüder.

Was die Schule betrifft, kann ich mich an die Einzelheiten des Anfangs nicht mehr richtig erinnern, aber ich weiß noch, dass ich wahrhaftig müde war und ich hatte nur noch Lust zu schlafen! Außerdem bin ich in die Schule wie eine echte deutsche Schülerin gefahren… das heißt, mit Fahrrad! 8 Kilometer pro Tag waren nicht schlecht! Und im Laufe der Zeit hat es mir richtig gefallen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Austauschschülern waren wir beide nicht in der selben Klasse. Heute denke ich, dass es was Gutes war. Ich habe richtig erlebt, wie man sich in einer ausländischen Klasse anpassen muss, ganz alleine.
Die Klasse war zwar total nett, aber ehrlich gesagt gab es zu viele „oberflächliche“ wenn auch freundliche Beziehungen. Vermutlich lag es daran, dass alle ein Jahr jünger waren. Während der Jugendzeit verändert man sich so schnell, dass ein ganzes Jahr ein großer Unterschied sein kann! Ich habe mich trotzdem super mit ein paar Schülern verstanden.
Viele schöne Erinnerungen habe ich aus der Zeit mit dieser Klasse! Ich glaube, man muss einfach sehr geduldig sein, und nicht zu viel von den anderen erwarten. Ich versuchte immer ein bisschen mit jedem zu sprechen. Am Ende habe ich mich mit ihnen richtig wohl gefühlt! Das Klassenfoto habe ich als Geschenk von dem Klassenlehrer bekommen (ach ja, ein kleines Detail: ich bin auch mit drauf!!)
Ich erinnere mich an ein Theaterstück, das wir in kleinen Gruppen im Politikunterricht erfinden sollten und ich bekam die Rolle einer französischen Zeugin. Wir haben es in der Aula vor der ganzen Klasse gespielt! Oder ich erinnere mich an den Sportunterricht, der sehr lustig war…Man konnte richtig Spaß beim Sport haben! Oder als ich ein Gedicht im Deutschunterricht aufgesagt habe, gab es plötzlich eine große Stille, und dann haben mir alle gratuliert! Oft haben sie mir wirklich viel im Unterricht geholfen, Wörter erklärt, die ich nicht verstand, oder ihre Hefte ausgeliehen, damit ich abschreiben konnte. Ich kann leider nicht alles von A bis Z beschreiben aber es war sehr interessant, in Deutschland so aufgenommen zu werden und einfach die kleinen Momente des Lebens in einer deutschen Klasse zu beobachten und zu genießen!
Matheunterricht war für mich richtig schwer, da das Programm überhaupt nicht das gleiche ist… Heute kann ich nichts mehr von „Quadratischen Funktionen“ hören! Darüber hinaus habe ich die Deutschunterrichte total spannend gefunden! Ich hätte fast Lust, Literatur in Deutschland zu studieren…

Was Fremdsprachen betrifft, habe ich beim Englischunterricht die deutschen Methoden beobachten können. Und meine Erwartungen wurden völlig erfüllt! Ich hatte schon davon gehört, dass in Deutschland das Englischniveau sehr hoch war. Und das stimmt auf jeden Fall. Die Lehrerin hat wirklich nur Englisch gesprochen, was ich wunderbar fand. Der Stoff des Unterrichtes war immer interessant. Die Schüler hatten viele Referate und sie diskutierten alle ganz oft auf Englisch. Obwohl ich nichts sagte, war ich fleißig und habe immer alles mitgemacht. Und unerwartet hat mich einmal die Lehrerin etwas gefragt! Was? Ich?! Für mich war das schrecklich, ich habe mich nie getraut, in Frankreich Englisch zu sprechen: ich schämte mich für meinen Akzent. Und in Frankreich, wenn man mit einem guten Akzent zu sprechen probiert, lachen alle in der Klasse. Und in Deutschland ist es genau das Gegenteil. Also ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und habe geantwortet. Es kann lächerlich klingen, aber für mich war das ein bisschen wie eine Befreiung! (und heute habe ich die Option „Englisch als Zusatzfach“ gewählt, worüber so mancher staunt!)

Die meisten Lehrer waren echt lieb zu mir und haben sich viel um mich gekümmert. Die Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler sind nämlich ein bisschen „persönlicher“ als in Frankreich.
Aber ich muss zugeben, am Anfang war ich fast schockiert, als ich ein Paar Lehrer gesehen habe, die Turnschuhe trugen! (so was war für mich einfach undenkbar in Frankreich!). In Frankreich glaubte ich auch, wenn ein Lehrer mehrere Fächer lehrt, kann er sie nicht so intensiv studiert haben, wie bei den französischen Lehrern, welche im Allgemeinen nur ein Fach unterrichten…
Was für ein schlechtes Bild hatte ich! Zum Glück bin ich an Ort und Stelle gewesen! Ich will aber kein Urteil über das deutsche Schulsystem abgeben, da ich an der Basis nicht total neutral sein kann, weil ich unter einem ganz anderen System groß geworden bin. Aber wenn ich das sagen darf, in Frankreich fürchten sich die Schüler häufiger vor den Lehrern… was paradoxerweise nicht so negativ ist, wie die meisten glauben könnten…
Ich hatte meine Ehre daran gesetzt, auch ein paar Klassenarbeiten mitzuschreiben! Am Ende habe ich sogar ein richtiges Zeugnis bekommen!

In Deutschland reimt sich „Schule“ mit „freier Nachmittag“ und selbstverständlich habe ich meine Freizeit sehr genossen.
Ich hatte endlich die Zeit, die ich in Frankreich nie finden konnte! Ich habe davon profitiert, um eine ganze Menge französische Bücher zu lesen (klassische Werke, zeitgenössische Romane, Krimis, Biographien, berühmte Gedichte… oder besondere Bücher wie zum Beispiel „Le Monde de Sophie“ von Jostein Gaarder, das mich Zeit gekostet hat, mir aber viel gebracht hat). Da ich die Richtung „1ère L“ eingeschlagen habe, wollte ich viel lesen.
Ansonsten habe ich die deutschsprachige Musik entdeckt, wie zum Beispiel „Wir sind Helden“, was mir ganz besonders gefallen hat. Ganz oft habe ich die CD gehört und langsam aber sicher begriff ich den Text.
Nach einiger Zeit konnte ich mit den anderen Deutschen bei den Parties mitsingen!

Manchmal habe ich ein bisschen das französische Essen vermisst, das heißt, am Abend warm essen, da ich so daran gewöhnt war. Ich glaube, dass die Deutschen denken, dass warm kochen zu lange dauert und dick macht. Das kalte Abendessen war aber nicht so schlimm, obwohl ich trotz allem einige Kilos zugenommen habe… Deshalb habe ich mich viel bewegt! Im Programm: dann und wann im Dorf joggen und jeden Tag mit meiner Gastmutter über den nahegelegenen See hin und zurück schwimmen! Ich glaube, dieses „Sommerritual“ mit ihr hat uns die Gelegenheit gegeben, uns noch besser kennenzulernen und es war schön.

Die Wohngegend meiner Austauschpartnerin war richtig toll: sie wohnt in der Nähe von Berlin.
Das erste Mal, als ich nach Berlin mit meiner Austauschpartnerin und ihrer Mutter gefahren bin, hatten wir unsere Fahrräder in der S-Bahn mitgenommen und haben eine Radtour durch Berlin gemacht. Sie haben mir alles gezeigt und erklärt!! Es war ganz nett von den beiden.
Mit meinen Gasteltern oder mit der netten Oma und ihrem Lebensgefährten habe ich ganz vieles besichtigt… Das Schloss von Friedrich Wilhelm I. in Königs- Wusterhausen (wo ich, unter anderem zur Schule ging), das Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin, das Schloss Sanssouci, das Brandenburger Tor, das Neue Palais in Potsdam, den Fernsehturm, den Cecilienhof und noch vieles andere… Berlin ist eine Goldgrube!!
Die Familie hat sich richtig viele Mühe gegeben und ich bin ihnen dafür sehr dankbar! Mit der Großmutter und ihrem Lebensgefährten sind wir auch nach Dresden gefahren und haben die Katholische Hofkirche Hausmannsturm, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und das Deutsche Hygiene-Museum besucht. Dresden ist auch eine sehr schöne Stadt, obwohl man ihr noch die schlimme Vergangenheit ansieht. Die Oma hat mir ein Buch über Berlin geschenkt… (es hat für mich viel mehr Wert als irgend ein anderes Buch über Berlin!)
Mit meiner Gastfamilie bin ich auch ein paar Mal an die Ostsee gefahren (wie zum Beispiel in Ahlbeck, wo wir gezeltet haben) Vor meinem Austausch waren die Namen „Brandenburg“ und „Berlin“ nur Worte. Heute verbinde ich mit ihnen viele Erinnerungen. Die ganz tolle Ausstellung „MOMA“ habe ich auch besichtigt! Weltberühmte Bilder aus dem Museum of Modern Art in New York waren ausgestellt. Ich bin dort sogar zweimal gewesen. So super war es!

Ich bin auch ein paar Mal allein nach Berlin gefahren. Die Mutter lieh mir ihre übertragbare Umweltkarte und so konnte ich mit der S- oder U-Bahn überall hin fahren! Ich hatte meine Inlineskater dabei (Sport tut immer gut!) und auch ein Plan von Berlin. Ich habe so ganz viele Touren in Berlin gemacht… Unter den Linden… Potsdamer Platz… die Friedrichstrasse… die Mauergalerie („die East Side Gallery“… ein wertvolles Kunststück, leider von irgend jemand beschädigt…)… die Oberbaumbrücke (meine Meinung nach ist es bestimmt die schönste Brücke Berlins!)… der Alexanderplatz… die Oranienburger Strasse (mit der Neuen Synagoge)… die wunderschönen Hackeschen Höfen…

Am Abend markierte ich auf einer Karte mit einem Marker, wo ich langgefahren bin! Ich war da mit meinem französischen Akzent, meinem Fotoapparat und meiner Karte von Berlin und dachte: „Es ist unglaublich! Ich bin allein in Deutschlands Hauptstadt!“ Ich war eine richtige begeisterte französische Touristin!! Manchmal habe ich mich verlaufen und Leute nach dem richtigen Weg gefragt! Und ich freute mich alle ihre Antworten zu verstehen. Es war so ein schönes Gefühl, als ich fesstellte, dass ich jetzt ein bisschen mehr diese Sprache beherrschte, was allein schon ausreichte, um gut gelaunt zu sein!

Da ich sehr an Fotografie interessiert bin, hat die Familie für mich immer Artikel aus der „Berliner Zeitung“, die von Fotoausstellungen in Berlin handelten, ausgeschnitten. So bin ich zu der „Henri-Cartier-Bresson Fotoausstellung“ gegangen und mit offenen Augen habe ich alles genossen! Zu zwei anderen kleinen Fotoausstellungen bin ich auch mit meinen treuen Inlineskatern hingefahren.

Da ich gerade von Fotografie rede, da kann ich was erzählen… Die letzte Woche im Juni fand im Gymnasium die „Projektwoche“ statt, also mit unterschiedlichen Aktivitäten, wie Tanzen, Schreiben, Basteln. Ich habe am „Fotoprojekt“ teilgenommen. Wir waren eine kleine Gruppe mit toller Stimmung. Wir haben einen schwarz-weiß Film bekommen. Während dieser Tage sind wir nach Berlin gefahren, haben die Ausstellung von Helmut Newton angeschaut und durften in Berlin fotografieren, was wir wollten!

Ich habe Leute auf der Strasse aber auch schöne Perspektiven von Sehenswürdigkeiten fotografiert. Und dann konnte jeder Schüler 3 Fotos selbst entwickeln! Das Entwickeln in der Dunkelkammer war echt faszinierend.

Die Voltaire-Börse war etwas Nützliches. Aber ich muss zugeben, dass die Gastfamilie mir immer die Eintritte der Museen bezahlt hat. Ich bin gern ins Kino mit anderen Deutschen gegangen (viel billiger als in Frankreich), unter anderem habe ich mir „Die Träumer“, „Der Gefangene von Azkaban“, „(T)Raumschiff-Surprise“, „Fahrenheit 9/11“, „Liebe mich wenn du dich traust“ angeschaut. Ich habe auch viele Postkarten gekauft, mit denen ich mir ein kulturelles Erinnerungsheft gebastelt habe. Auch zahlreiche Briefmarken habe ich gekauft. Ich wollte meiner Familie ein paar Klassenarbeiten schicken, damit sie sehen konnten, dass ich mir Mühe gab! Das Buch „Die Welle“ von Morton Rhue habe ich mir für den Deutschunterricht besorgt, aber leider hatten wir keine Zeit mehr, um darüber zu sprechen. Ich habe es trotzdem alleine gelesen und ich fand dieses Buch einfach einzig in seiner Art. Es gibt Stoff zum Nachdenken. Am Ende meines Aufenthaltes habe ich endlich begonnen, ein paar deutsche Bücher zu lesen! Ich bin sogar nach Frankreich zurückgeflogen, mit einigen deutschen Büchern in meinem Koffer! Deutsche Filme auf DVD habe ich auch gekauft: „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Da ich es fast auswendig auf französisch kenne, wollte ich diesen Film wieder entdecken, aber in einer anderen Sprache. „Mädchen Mädchen! „, ein bekannter Film bei den deutschen Jugendlichen, „Good bye, Lenin! „ wollte ich mir auf jeden Fall auf deutsch ansehen und zusätzlich passte er zu meiner Austauschregion, der ehemaligen DDR mit ihrer Vergangenheit und ihren Einwohnern. Mit meinen Gasteltern habe ich den Film gesehen. Es war spannender als alles andere, weil meine Gasteltern in der DDR aufwuchsen und zum Film ihre Kommentare gaben.

Während der Sommerferien habe ich mit meiner Austauschpartnerin und ihren Freunden während einer Woche an der Ostsee gezeltet. Es herrschte gute Stimmung und ich habe mich mit allen super verstanden! Den ganzen Tag spielten wir Volley- Ball oder wir diskutierten und am Abend lagen wir auf den Dünen… Im übrigen bin ich dort einem Unbekannten am Strand begegnet, mit dem ich mich eine ganze Nacht unterhalten habe. Die anderen Jugendlichen waren nett zu mir, und lachten freundlich über meinen französischen Akzent, besonders über den Ausdruck „Hör auf!“, den sie besonders witzig aus meinem Mund fanden, weil ich das „H“ manchmal mit Absicht nicht mitsprach! . Mit meiner Austauschpartnerin und ihren Eltern bin ich ein paar Tage nach Röbel an der Müritz (im Mecklenburg) gefahren. Dort haben wir eine Radtour von 80 km gemacht und sind auch viel gepaddelt. Und dann war plötzlich wieder Schule! Jawohl! Im August! Aber zum Glück existiert in Deutschland„Hitzefrei“ ab 25 Grad.

Die zwei letzten Wochen sind sehr schnell vergangen! Einerseits freute ich mich bald wieder nach Frankreich zurückzukehren und andererseits war es fast komisch, als ich dachte „Jetzt musst du alles verlassen, dich von allen Leuten verabschieden, die du hier kennengelernt hast!“. An meinem letzten Tag habe ich viele nette Geschenke aus meiner Klasse bekommen, unter anderem einen schönen Blumenstrauß! Und jemand hat mir zum Geburtstag gratuliert, weil er glaubte, ich hätte an dem Geburtstag!! Und die Freunde meiner Austauschpartnerin haben mir einen Kalender mit ganz vielen Fotos von ihren Feiern ihnen geschenkt. Eine schöne Erinnerung! Ein Mädchen aus der Clique hat mir ein zweisprachiges Buch zum Abschied geschenkt… Eine Seite auf französisch... Eine Seite auf deutsch… Was für eine symbolische Bedeutung! Meine Gastmutter hat mir einen äußerst lieben Brief geschrieben und mir zum Abschied mitgegeben. Der Brief war im Namen der Familie und er war vielsagend. Ganz berührt habe ich also Deutschland verlassen.

Jetzt weiß ich es ganz genau: eine gewisse Zeit im Ausland zu verbringen ist eine Prüfung für sein eigenes Ego. Ich will damit sagen, dass man einerseits manchmal im Rampenlicht steht und alle finden den französischen Akzente „sausüß“ und wollen unbedingt etwas auf deutsch aus einem französischen Mund hören und andererseits hat man manchmal das Gefühl, überflüssig zu sein und man fragt sich: „Was bringe ich den Deutschen? Wenigstens etwas?“ (Vorsicht! Es ist keine Kritik, sondern eine persönliche Feststellung.)

Ganz oft hatte ich Angst davor, eine Last für meine Austauchpartnerin zu sein. Deswegen habe ich auch öfters etwas allein unternommen. Das habe ich ehrlich gesagt ganz gern gemacht. Jeder Mensch will sich ab und zu zurückziehen. In bestimmten Situationen können, was man nie gedacht hätte, andere Züge unseres Charakters die Oberhand gewinnen. Manchmal habe ich mich selbst darüber gewundert.

Ich glaube und ich hoffe, dass ich mir selbst treu geblieben bin. Vermutlich bin jetzt etwas besonnener geworden. Vielleicht habe ich auch gelernt, eloquenter zu sein.

Und hier noch eine andere Beobachtung: Dank der 1000 km-Entfernung von zu Hause betrachte ich mein eigenes Heimatland heute viel klarer. Ich habe gelernt, dass man bei manchen Deutschen seine Worte manchmal auf die Goldwaage legen muss, weil sie vieles zu eng auslegen –im Gegenteil zu uns Franzosen oberflächlicher reden. Ich finde, dass die Franzosen viel mehr Wert auf ihr Äußeres legen, bzw. auf den Eindruck welchen sie den anderen vermitteln wollen. Die Deutschen legen weniger Wert darauf zu wissen, was die anderen über sie denken. Die deutsche Kultur unterscheidet sich wirklich von der französischen.

Was kann man noch anderes sagen als ein riesiges „ Dankeschön“ für diese neue Sprache, die ich jetzt sooo gerne spreche, für dieses Selbstvertrauen, das ich vorher so nicht hatte und dank des Austausches erlangt habe, für diese Begegnungen mit vielen lieben Menschen und auch natürlich für meine Austauschpartnerin, mit der mich etwas ganz besonderes verbindet… Meine Geschichte ist weit davon entfernt, fertig zu sein…

„Fortsetzung im nächsten Heft!...“