EINLEITUNG
Eins der zentralen Probleme von Jugendlichen ist heute - bedingt durch die Arbeitslosigkeit - der Einstieg in die Arbeitswelt. Wenn dieser Einstieg nicht gelingt, steht mehr auf dem Spiel als die Meisterung der begrenzten Herausforderung, das berufliche Fortkommen zu sichern. Solche Jugendlichen erfahren vielmehr soziale Benachteiligung in einem fundamentalen Sinn, sie werden aus der gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Prozess ausgegrenzt.
Im europäischen Rahmen gibt es zahlreiche Initiativen, dieses Problem anzugehen. Das DFJW sieht hier ebenfalls eine wichtige Aufgabe und hat sich kontinuierlich in diesem Bereich engagiert. So wurde 1996 vom DFJW - mitfinanziert durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) - das Programm für 1.000 Arbeitslose ins Leben gerufen, das bis Ende 1999 insgesamt mehr als 1.000 jungen Arbeitslosen aus Deutschland und Frankreich mit Hilfe einer Fort- und Umschulungsmaßnahme und einem Praktikum im Ausland eine Beschäftigung ermöglichen sollte. Das DFJW bietet zahlreiche Programme an, die sich an die Zielgruppe der jungen Menschen mit beruflichen Problemen wenden oder die sich Fragen der Berufsvorbereitung und Berufsfindung widmen. Die Förderung von Maßnahmen durch das DFJW setzt dabei voraus, dass die Jugendlichen auf nationaler Ebene in soziale Betreuungsmaßnahmen einbezogen sind. Im Bereich der beruflichen Bildung finden jedes Jahr mehr als hundert gezielte Programme für benachteiligte Jugendliche statt.
Der deutsch-französische Austausch setzt sich auf pädagogischer Ebene seit längerem mit Problemen der Arbeitswelt auseinander und hat eine Reihe von spezifischen Ansätzen entwickelt. Entsprechende Bildungs- und Begegnungsveranstaltungen arbeiten vor allem projektorientiert. Der Schwerpunkt wird auf überschaubare, in einzelnen Schritten lösbare Anforderungen gelegt, die in Kleingruppen und mit einem vielfältigen Methodenrepertoire abgearbeitet werden können. Viele Maßnahmen sind produktorientiert angelegt. Die Teilnehmer setzen sich mit Themen auseinander und ziehen für sich selber ein Fazit, das sie in einem Produkt, einem materiellen Ergebnis dokumentieren und mit nach Hause nehmen können. Die Begegnungen werden daraufhin geplant, was in der verfügbaren Zeit herstellbar ist, denn die Teilnehmer sollen nicht mit hohen Leistungsanforderungen konfrontiert werden, sondern in einem selbstgesteuerten Lernprozess ihre eigenen Interessen entfalten und durch das produzierte Resultat ihr Selbstbewusstsein stärken.
Das DFJW wird sich auch in Zukunft besonders in diesem Bereich engagieren. Konkret sollen die Maßnahmen der französischen Regierung für die emploi jeunes und das deutsche Programm für 100.000 junge Arbeitslose miteinander verbunden werden. Das DFJW setzt sich dafür ein, unter dem Stichwort deutsch-französische Sozialinitiative die Verschränkung dieser Maßnahmen durch Beispiele zu fördern, bei denen das Engagement einer jungen Deutschen oder eines jungen Franzosen einen echten Mehrwert, zusätzlich zu den nationalen Strategien zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, bietet.
Der vorliegende Text will darüber Auskunft geben, welche Bedeutung diese Thematik für die Arbeit des Deutsch-Französischen Jugendwerks im einzelnen hat, und zugleich der interessierten Öffentlichkeit eine Bilanz der Praxis an die Hand geben. Im ersten Teil geht es um die allgemeinen Fragen, die Möglichkeiten und Grenzen des Austauschs, soweit er das Problem der Jugendarbeitslosigkeit betrifft. Im zweiten Teil sollen Beispiele aus der Praxis die Reflexionen veranschaulichen und einen Einblick in die konkrete Arbeit geben - nicht nur als Erfolgsbilanz, sondern auch als Handlungsanweisung, als Information über die Schwierigkeiten einer solchen Bildungspraxis.
Die Broschüre will damit den Reflexions- und Diskussionsstand für die Fachöffentlichkeit zugänglich machen und ein lebendiges Bild der Praxis vermitteln. Sie richtet sich vornehmlich an Verantwortliche und Experten in Erziehung und Bildung, Wissenschaft und Forschung, Politik und Verwaltung. Wer sich für die einzelnen Programme, den Ablauf des Austauschs und die konkreten Teilnahmebedingungen interessiert, findet alles Wissenswerte in der Informationsbroschüre Infomobil Beruf des DFJW. Natürlich steht das DFJW auch für Anfragen und Beratungen zur Verfügung.
Paris
Mai 2002
Dr. Babette Nieder
Generalsekretärin des DFJW
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