Austausch im Berufsbereich
Begegnungen für arbeitslose Jugendliche

Inhaltsverzeichnis

I. JUGENDARBEITSLOSIGKEIT UND DEUTSCH-FRANZÖSISCHER AUSTAUSCH

1. Programme

Berufliche Eingliederung

Programme für Jugendliche ohne Arbeit und Ausbildung fördert das DFJW seit Mitte der 70-er Jahre, als in Deutschland und Frankreich das Phänomen der Jugendarbeitslosigkeit erstmals in nennenswertem Umfang auftrat. Bei diesen Programmen sind zwei verschiedene Zielgruppen zu unterscheiden. Die Angebote richten sich an

• Jugendliche, die sich in einer Ausbildungsmaßnahme befinden, aber von Arbeitslosigkeit bedroht sind,
• und an Jugendliche, die keinen Schulabschluss besitzen, eine Berufsausbildung suchen oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Die Programme dauern fünf bis 21 Tage und haben inhaltlich verschiedene Schwerpunkte.

Programme zur beruflichen Qualifizierung. Junge Auszubildende, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, werden in diesem Programm mit praktischen Arbeitsfeldern ihres Ausbildungsberufs im Nachbarland vertraut gemacht. Gleichzeitig lernen sie die sozialen und kulturellen Gegebenheiten kennen. Die Programme sind auf die Berufs- und Ausbildungszweige ausgerichtet: Angehende Köche besuchen während des Seminars eine Großküche, während Lebensmittelverkäuferinnen die Arbeit in einem französischen Supermarkt kennen lernen. Gespräche mit den Beschäftigten vor Ort vertiefen den Einblick und stellen Kontakte her. Der Vergleich zwischen den verschiedenen Arbeitsfeldern gibt Anstöße für die Weiterentwicklung der eigenen Qualifizierung und wirkt motivationsfördernd. Auf jeden Fall wird so eine bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen sozialen und beruflichen Standort angeregt.

Programme zur Berufseingliederung und Berufsfindung. Diese Programme richten sich zumeist an Jugendliche, die weder einen Arbeitsplatz noch einen Ausbildungsplatz haben und oftmals mit massiven sozialen Problemen konfrontiert sind. Das DFJW hilft den Jugendlichen durch konkrete Begegnungssituationen, in denen Hemmungen abgebaut und fremde Erfahrungen zugelassen werden, so dass Akzeptanz entsteht und die Jugendlichen neues Selbstvertrauen gewinnen.

Programme für junge Arbeitslose. Hier ist vor allem das „Programm für 1.000 Arbeitslose“ zu nennen, das das DFJW 1996 ins Leben gerufen hat. Es hatte sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 1999 insgesamt 1.000 jungen Arbeitslosen aus Deutschland und Frankreich mit Hilfe einer Fort- und Umschulungsmaßnahme und einem Praktikum im Ausland eine Beschäftigung zu ermöglichen. Das Programm richtet sich in erster Linie an junge Arbeitslose aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, aus dem Tourismus oder Bürobereich. In diesem Austausch erlangen die Teilnehmer wichtige Schlüsselqualifikationen - sowohl in sprachlicher als auch in beruflicher Hinsicht -, die ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöhen. Durchgeführt wird das Programm von verschiedenen Trägern der beruflichen Bildung. In Frankreich sind zusätzlich Einrichtungen der Erwachsenenbildung und der Eingliederung von Jugendlichen beteiligt. Vorrangiges Ziel des Austauschs ist es, die Teilnehmer nicht nur fachlich (insbesondere in den neuen Technologien) zu fördern, sondern ihnen auch interkulturelle Kompetenz zu vermitteln, de-ren Bedeutung im Berufsleben heute immer mehr zunimmt. Finanziert wird das Programm aus Mitteln des DFJW, des Europäischen Sozialfonds (ESF), einem Förderprogramm der EU, und aus Geldern der nationalen Arbeitsverwaltungen. In der ersten Förderperiode des ESF haben 1.309 junge Leute (438 Deutsche und 871 Franzosen) an fast 100 Programmen teilgenommen.


Soziale Eingliederung

Programme für benachteiligte Jugendliche werden insbesondere im Bereich der außerschulischen Jugendbildung durchgeführt. Zu den Trägern der Programme zählen die freien Wohlfahrtsverbände und verschiedene Einrichtungen der Jugendarbeit, aber auch Partnerschaftskomitees. Entsprechende Bildungs- und Begegnungsveranstaltungen arbeiten vor allem projektorientiert. Eine bevorzugte Möglichkeit, die Jugendlichen miteinander in Kontakt zu bringen, besteht darin, sie gemeinsam an einem Produkt arbeiten zu lassen. Das heißt zum Beispiel: Sie drehen einen Videofilm, erarbeiten ein Theaterstück oder produzieren eine Fotoausstellung. Die Teilnehmer setzen sich also mit einem Thema „handgreiflich“ auseinander und erhalten gleichzeitig die Möglichkeit, Sprachbarrieren zu überwinden und Hemmungen vor ungewohnten Seminarsituationen abzubauen. Im gemeinsamen Tun finden sie für sich selbst zu einem Abschluss, den sie in einem Produkt, einem materiellen Ergebnis dokumentieren und mit nach Hause nehmen können. Die Begegnungen werden daraufhin geplant, was in der verfügbaren Zeit herstellbar ist, denn die Teilnehmer sollen nicht - nach schulischem Muster - mit hohen Leistungsanforderungen konfrontiert werden, sondern in einem selbsttätigen und selbstgesteuerten Lernprozess ihre eigenen Interessen entfalten und durch das produzierte Resultat ihr Selbstbewusstsein stärken. Auch der erlebnispädagogische Ansatz hat sich bei der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen als produktiv erwiesen. Auf jeden Fall wird in solchen Maßnahmen der Schwerpunkt auf überschaubare, in einzelnen Schritten lösbare Anforderungen gelegt, die in Kleingruppen und mit einem vielfältigen Methodenrepertoire abgearbeitet werden können.

Zu den Möglichkeiten von Bildung und Begegnung in diesem Feld hat es verschiedene Untersuchungen und Auswertungen gegeben. In den Jahren 1991 bis 1993 kamen im Rahmen des DFJW Leiter und Betreuer von Austauschprogrammen zu einer Reihe von Seminaren zusammen, um eine Bilanz der Maßnahmen zu ziehen und gemeinsame Überlegungen anzustellen
1). Diese Auswertung beinhaltete eine vergleichende Untersuchung der Situation der betroffenen Jugendlichen in Frankreich und Deutschland in Form einer Feldstudie (Offenburg und Bourg-en-Bresse) sowie eine vergleichenden Studie über die Jugendarbeitslosigkeit in beiden Ländern 2). Damit und mit weiteren Veröffentlichungen zur beruflichen Bildung, zum Ländervergleich, zur europäischen Sozialpolitik, wie sie in den 90-er Jahren in verschiedenen Kontexten erschienen sind, liegen Materialien vor, die eine allgemeine Bewertung der Austauschpraxis möglich machen.










1) Vgl. Begegnungen für arbeitslose Jugendliche - Bilanz und Perspektiven. Synthese der Auswertung von deutsch-französischen Austauschprogrammen mit arbeitslosen Jugendlichen, erstellt im Rahmen einer Reihe von Begegnungen und Seminaren mit Verantwortlichen und Gruppenleitern dieser Art von Austauschprogrammen (1991 - 1993). Untersuchung und Redaktion: Benoît Haudidier und Gérard Gabert. Hg. vom DFJW, 2. Auflage 1999. Diese Auswertung liegt wesentlichen Teilen der folgenden Überlegungen zu Grunde. retour


2) Die Studien wurden unter Mitarbeit von zwei Experten (Dr. Karl Scharinger, Nürnberg, und Richard Edme, Bourg-en-Bresse) erstellt. retour










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