Austausch im Berufsbereich
Begegnungen für arbeitslose Jugendliche

Inhaltsverzeichnis

I. JUGENDARBEITSLOSIGKEIT UND DEUTSCH-FRANZÖSISCHER AUSTAUSCH

3. Zielgruppe: Junge Arbeitslose

Die Rubrik Junge Arbeitslose umfasst in Wirklichkeit äußerst unterschiedliche Personengruppen, die im Lauf der Geschichte von Arbeitslosigkeit und beruflicher Eingliederung entstanden sind. Auf französischer Seite gibt es z.B. unter den vom Arbeitsamt (ANPE) unterstützten Personen so gut wie keine „klassischen“ Arbeitssuchenden mehr - d.h. keine Personen, die für eine kurze Periode zwischen zwei Beschäftigungen arbeitslos sind. Immer mehr junge Menschen zwischen 25 und 30 Jahren haben noch nie zuvor gearbeitet, manche verspüren auch kein Verlangen danach.

Der Diskurs über die „jungen Arbeitslosen“ verfestigt hier die irreführende Vorstellung von Jugend, wo doch viele der unter diese Rubrik summierten Personen schon über 25 Jahre alt sind. Die Mehrzahl der Teilnehmer befindet sich in einer Situation der Marginalität oder unmittelbar vor der Marginalisierung. Der jeweilige soziale Status ist - auf Grund der groben Klassifizierung - unterschiedlich, aber auch wegen der Existenz von „Risikogruppen“, die von Anfang an, ungeachtet der individuellen persönlichen Bemühungen und (Miss-) Erfolge, benachteiligt sind.

Der jeweilige nationale und „ethnische“ Status weist ebenfalls große Unterschiede auf: Auf französischer Seite gibt es zum Beispiel viele aus dem Maghreb stammende Franzosen oder Franzosen mit doppelter Staatsangehörigkeit. Auf deutscher Seite gab es diese Situation bislang nicht, da so gut wie keine Deutschen türkischer Abstammung existierten, die Türken vielmehr Ausländer blieben; ein vergleichbares Herkunftsproblem stellte sich nur bei der wachsenden Anzahl von Aussiedlern. Diese Situation dürfte sich in Deutschland jetzt mit dem neuen Staatsangehörigkeitsrecht ändern.

Programme für benachteiligte Jugendliche - Ein Resümee

Eine Arbeitsgruppe des Kuratoriums des DFJW hat sich mit den Programmen für benachteiligte Jugendliche befasst. In diesem Zusammenhang hat Alfred Debus folgende, hier auszugsweise veröffentlichte Einschätzung abgegeben:

Für benachteiligte Jugendliche ist in Deutschland die Jugendhilfe und insbesondere ein Teilbereich - die Jugendsozialarbeit - zuständig. Das Sozialgesetzbuch benennt als Zielgruppen der Jugendsozialarbeit „Junge Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zu Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind“. Was konkret unter sozialen Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen zu verstehen ist, definiert das Gesetz nicht. Die führenden Kommentare sind sich aber einig, dass hier der berufliche Bereich im Blick ist, und zwar insbesondere die Jugendberufshilfe. Konsens besteht auch darin, dass Jugendsozialarbeit mehr ist. Im Gesetz wird nicht interpretiert, was Unterstützung in erhöhtem Maße bedeutet. Nur soviel ist klar, dass in diesem Bereich der Jugendhilfe junge Menschen mehr Unterstützung und Förderung erhalten müssen als in anderen Bereichen und dass hier ein überdurchschnittlicher Bedarf besteht.

In Deutschland ist die Jugendhilfe schon seit längerem zu einer vierten Sozialisationsinstanz geworden neben Familie, Schule und Beruf. Sie hat de facto einen eigenständigen Erziehungs-, Bildungs- und Förderauftrag. Im Kontext der Jugendhilfe ist die Jugendsozialarbeit als der Handlungsansatz definiert, der sich spezifisch mit der schulischen, beruflichen und sozialen Integration junger Menschen beschäftigt. Sie soll junge Menschen auf ihrem Weg zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit begleiten und unterstützen. Sie soll Voraussetzungen für die dauerhafte Teilhabe an der Erwerbsarbeit und damit für eine aktive Teilhabe am Gemeinwesen schaffen.

Hier wird deutlich, welchen Spagat die freien Träger der Jugendsozialarbeit leisten müssen. Einerseits haben sie Verantwortung gerade für die besonders benachteiligten jungen Menschen und sind verpflichtet, sich solidarisch auf ihre Seite zu stellen, andererseits kennen sie auch die Regeln der Arbeitsmarktpolitik der Wirtschaft, der Schule, der Sozialpolitik, der Ausländerpolitik usw.

Benachteiligte Jugendliche weisen zum einen relativ klar zu benennende Eigenschaften auf, wie fehlende Schul- und Berufsabschlüsse, Langzeitarbeitslosigkeit, Sprachkenntnisse, Lern- und Leistungsbeeinträchtigungen usw. Andererseits lässt der Begriff soziale Benachteiligung aber auch vieles offen. Fest steht jedenfalls, dass es nicht um individuell und schuldhaft zuzuschreibende Defizite und Fehler, sondern um Versäumnisse in der Entwicklung geht. Für Ostdeutschland ist hierbei besonders zu beachten, dass der Begriff der sozialen Benachteiligung als gesetzliche Beschreibung und Feststellung fremd ist. In der DDR gab es Begriffe wie sozial Gefährdete oder Sozialkriminelle.

Zu beachten ist ferner, dass der Zustand des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes direkten Einfluss auf und für die Zielgruppen der Jugendarbeit hat. In Zeiten schlechter Konjunktur werden auch junge Menschen zu Benachteiligten mit besonderem Unterstützungsbedarf, die sonst ihre berufliche und soziale Eingliederung selbst gemeistert hätten. Viele von ihnen würden bei einer hohen Nachfrage nach Ausbildungs- und Arbeitskräften selbstständig ihren Weg finden, und niemand käme auf die Idee, sie als Benachteiligte zu bezeichnen. Wer also zu der Gruppe benachteiligter Jugendlicher gezählt wird, hängt in nicht unwesentlichem Maße vom jeweiligen historischen, sozialen und konjunkturellen Kontext ab.

Heute wird in der Jugendsozialarbeit vor allem mit folgenden Zielgruppen gearbeitet:

• Schülerinnen und Schüler, deren Schulerfolg gefährdet ist (Haupt-, Förderschüler),

• Schulverweigerer und Schulflüchtige,

• Jugendliche ohne bzw. mit schlechtem Schulabschluss,

• Jugendliche, die auf Grund fehlender Qualifikationen keine Ausbildungsstelle finden oder erst gar nicht versuchen zu finden,

• Jugendliche, die sich nicht für eine bestimmte Ausbildung entscheiden können,

• Auszubildende, deren Ausbildungserfolg gefährdet ist,

• Ausbildungsabbrecher,

• Jugendliche und junge Erwachsene, die ohne Ausbildung geblieben sind,

• Jugendliche und junge Erwachsene, die trotz Ausbildung keinen Zugang zum Arbeitsmarkt finden,

• junge Aussiedlerinnen und Aussiedler,

• junge Immigrantinnen und Migrantinnen und unter diesen Zielgruppen jeweils besonders Mädchen und junge Frauen.

Die offizielle Formulierung Programme für benachteiligte Jugendliche ist übrigens verräterisch. Sie geht nämlich von einem defizitären Ansatz aus. Darin ist sie ein Spiegelbild des deutschen pädagogischen Systems und auch der Jugendberufshilfe, das vor allem auf die Feststellung und die anschließende Kompensation von Defiziten ausgerichtet ist. Es wird viel zu selten wahrgenommen, dass auch Benachteiligte neben allen möglichen Defiziten ganz zweifellos Stärken und Kompetenzen haben.

Und noch viel seltener wird in der pädagogischen Arbeit gerade und vor allem an diesen Stärken und Kompetenzen angesetzt, um sie zum Hebel zu machen, mit dem die Defizite überwunden werden können. Gründe dafür können sein, dass diese Stärken und Kompetenzen oft in Bereichen liegen, die vordergründig mit den Anforderungen einer beruflichen Sozialisation wenig oder nichts zu tun haben. Sie können auch in Bereichen liegen, die unter moralischen oder rechtlichen Gesichtspunkten allgemein als nicht gut beurteilt und deshalb zunächst gar nicht als Stärken oder Kompetenzen erkannt und bewertet werden. Auch nicht von den jungen Menschen selbst.

Inzwischen findet das Assessmentverfahren glücklicherweise auch in der Benachteiligtenförderung zunehmend Anwendung. Es kann helfen, Stärken und Fähigkeiten heraus zu finden. Dies ist aber nur möglich, wenn vorher definiert wird, was eigentlich Stärken und Fähigkeiten sind. Es kommt also darauf an, den Blick und die Wahrnehmung der Pädagoginnen und Pädagogen zu schulen, um auch in grundsätzlich unerwünschten, schädlichen oder destruktiven, in unscheinbaren, nebensächlichen oder verborgenen Verhaltensweisen die persönlichen Stärken und Kompetenzen erkennen zu können. Der Ansatz der akzeptierenden Arbeit geht hier nicht weit genug. Es reicht nicht aus, den Menschen so zu akzeptieren, wie er ist, und zwar als widersprüchliches Wesen. Darüber hinaus ist es notwendig, systematisch in das pädagogische Handeln einzubauen, dass in den Schwächen auch die Stärken, im Unwichtigen auch das Wichtige, im Schlechten auch das Gute wahrzunehmen ist und gerade hier angesetzt werden muss, es zu bestätigen und zu fördern. Denn wer sich seiner Kompetenzen und Stärken in bestimmten Bereichen bewusst ist, kann viel leichter die Defizite und Schwächen im anderen überwinden.

In diesem Punkt können wir in Deutschland viel von Frankreich lernen. Der Schwerpunkt der französischen Arbeit wird stärker auf die Entwicklung und Förderung kultureller, kommunikativer, sozialer und sportlicher Kompetenzen gelegt, um damit eine Persönlichkeitsstärkung zu erreichen, die generell das Überwinden von Hindernissen und Hürden erleichtert. Möglicherweise ist an diesem Punkt auch die Ursache dafür zu finden, dass bis heute an den Programmen für junge Arbeitslose erheblich mehr Franzosen als Deutsche teilgenommen haben.
Über mögliche Konsequenzen für das DFJW ist deshalb nachzudenken. Ich sehe sie vor allem in folgenden Punkten:

• Korrektur in der Darstellung sozialer Benachteiligung Jugendlicher. Wenn ein Jugendclub Besuch bekommt, sind die pädagogischen Betreuer geneigt, die Jugendlichen als sozial benachteiligt vorzustellen. Gegen diese Zuschreibung sozialer Benachteiligung durch Erwachsene wehren sich die Jugendlichen. Hier ist eine neue Sensibilität im Umgang miteinander gefordert.

• Programme sollten mit sozialbenachteiligten Jugendlichen gemacht werden, nicht für sie. Wenn an den Stärken und Kompetenzen der Jugendlichen angeknüpft wird, besteht die Chance, ihre Schwächen zu verändern.

• Ein hoher fachlich-personeller Aufwand ist notwendig für die Durchführung von Programmen mit sozialbenachteiligten Jugendlichen. Es ist zu akzeptieren, dass solche Programme im Vergleich zu anderen teurer sind.

• Sprachanimation ist eine hervorragende Möglichkeit für sozialbenachteiligte Jugendliche, sich etwas zuzutrauen. Sie sollte nach Möglichkeit in allen Programmen eingesetzt werden.

• Das Leitungsteam muss mit den Problemen, die bei sozialbenachteiligten Jugendlichen verstärkt auftreten, wie Gewalt, Drogen, Diebstähle usw. besonders vertraut sein.

Daraus leiten sich zwei aktuelle Forderungen an das DFJW ab:

1. Das DFJW sollte gemeinsam mit seinem Partnern interkulturelle Konfliktmanagement-Seminare für Teamer von Programmen mit sozialbenachteiligten Jugendlichen entwickeln.
2. Das DFJW sollte eine trägerübergreifende Auswertung aller Programme mit sozialbenachteiligten Jugendlichen verstärken.

Alfred Debus



Als Beispiel einer heterogenen Gruppen, mit der es die Bildungs- und Begegnungsarbeit zu tun hat, sei genannt:

- deutsche Jungen mit schulischen und psychologischen Defiziten und Ausdrucksschwierigkeiten;
- deutsche Mädchen, die nicht aufgrund intellektueller oder beruflicher Schwäche, sondern infolge der ungleichen Behandlung der Geschlechter beim Zugang zum Arbeitsmarkt zu kurz kommen (eine derartige Situation kann zur Folge haben, dass die männlichen Teilnehmer sich noch wertloser vorkommen und sich Jungen und Mädchen in zwei Gruppen gegeneinander absondern);
- türkische Jungen mit einer „normalen“ Intelligenz und Lernfähigkeit, die aber Opfer ihrer Abstammung sind.

Die vergleichbare soziale Situation hat allerdings ungleiche Auswirkungen. Das soziale Handicap ist in den französischen wie den deutschen Gruppen dominierend. Aber Benachteiligungen oder Faktoren, die wie eine Benachteiligung wirken (ethnische, geschichtliche u.a. Momente), können sich in den deutschen Gruppen anders als in den französischen auswirken.

Bei Maßnahmen mit jugendlichen Arbeitslosen ist die Anwesenheit einer wachsenden Anzahl von Franzosen maghrebinischer Herkunft - manchmal stellen sie bis zu 80 % der Teilnehmer - und von in Deutschland lebenden Türken ein wichtiges Element der Begegnungen. Dabei werden Unterschiede deutlich: Die maghrebinischen Französinnen haben im allgemeinen einen aktiven Emanzipationsprozess vollzogen, der sich u.a. auf ihr starkes schulisches Engagement stützt. Dieser Statuswandel der jungen Frauen wird von den maghrebinischen Jungen leichter hingenommen, als das bei türkischen Jungen in Deutschland der Fall ist - wofür die maghrebinischen Mädchen von ihren türkischen Geschlechtsgenossinnen beneidet werden. Viele türkische Mädchen haben nicht die geringste Aussicht, bei einer Auslandsreise mitfahren zu dürfen. Hierbei machen sich verschiedene Einflüsse geltend, wobei sich die Frage stellt, ob der Emanzipationsgrad vom Grad der Integration in die Gesellschaft abhängt.

Die politisch-kulturelle Integration der jungen Maghrebiner in Frankreich scheint, insgesamt gesehen, weiter fortgeschritten zu sein als die der jungen Türken in Deutschland. Betrachtet man freilich die Einbeziehung in den Wirtschaftskreislauf, so scheint die Integration der jungen Türken in die deutsche Arbeitswelt weit erfolgreicher zu sein als die der (männlichen) Maghrebiner in Frankreich. Andererseits werden junge Türken öfter mit sprachlich-soziokulturellen Hindernissen beim Abschluss ihrer Lehre konfrontiert.

Nicht selten legen Maghrebiner bei einem Deutschlandaufenthalt eine (Über-) Identifizierung mit der Stadt oder der Region, in der sie ihren Wohnsitz haben, und sogar mit den technischen Erfolgsleistungen Frankreichs (TGV usw.) an den Tag. Diese Art von Identifizierung ist bei den jungen Türken praktisch nicht vorhanden. Jedoch findet bei den letzteren eine starke Identifizierung mit der deutschen betrieblichen Berufsausbildung statt. Sie haben diese Art des Zugangs zur Arbeitswelt und dieses den Franzosen fast unbekannte Modell des sozialen Aufstiegs zu ihrer eigenen Sache gemacht.

Auffällig ist, dass sich keine wirkliche Solidarität zwischen Maghrebinern aus Frankreich und Türken aus Deutschland einstellt - sozusagen als „Gemeinsamkeit der Außenseiter“. Die möglichen Allianzen bleiben gebietstypisch (französisch-maghrebinisch gegen deutsch-türkisch). Wenn es Identifizierungen gibt, beziehen sie sich aufs Essen, auf die Kleidung oder auf die religiös-rituelle Ebene, d.h. auf die Ebene der Traditionen; sie erstrecken sich nicht auf die Ebene der Welt von heute. Junge Türken beziehen sich in ihrer Identität stärker auf die Türkei als Maghrebiner auf die Staaten des Maghreb. Und schließlich beherrschen die jungen Türken im Durchschnitt die Sprache des Landes, in dem sie leben, nicht so gut wie die maghrebinischen Teilnehmer das Französische - wohl deshalb, weil ein Großteil erst relativ spät nach Deutschland gekommen ist.

Die Betreuer in den deutsch-französischen Veranstaltungen sind also mit einer komplexen, nämlich aus einer Verflechtung von individuellen, sozialen und nationalen Faktoren resultierenden Situation konfrontiert.

Im Hinblick auf das Alter der Teilnehmer sind die Unterschiede nicht so stark ausgeprägt. Die deutschen Gruppen sind im allgemeinen altersmäßig (17 bis 20 Jahre) und auch hinsichtlich der geographischen Herkunft ziemlich homogen. Die französischen Gruppen hingegen sind wesentlich heterogener zusammengefaßt, selbst wenn es sich um „in Maßnahmen eingebundene“ Gruppen handelt. Das Durchschnittsalter französischer Gruppen steigt infolge der starken Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit (in der Altersgruppe 18 bis 25 Jahre) in Frankreich.

Was Ausbildung, Schulbildung, Kenntnisstand und institutionellen Rahmen betrifft, gibt es die entsprechenden nationalen Differenzen. Der Bildungsstand der deutschen Teilnehmer liegt in der Regel zwischen dem Hauptschul- und dem Realschulabschluss. Daneben findet sich eine gewisse Anzahl von Jugendlichen, die zwar erfolgreich ihre Schulkarriere begonnen oder durchlaufen haben, die aber unfähig im sozialen Umgang sind: Gymnasiasten „aus guter Familie“, die völlig mit ihrem Umfeld gebrochen haben, intelligente Jugendliche, die soziale Spannungen oder Zwänge nicht mehr ertragen können und aufgrund der mangelnden sozialen und familiären Unterstützung oder durch die steigenden Anforderungen seitens der Arbeitswelt (Mobilität, Flexibilität) in ihrer Persönlichkeit destabilisiert sind. Dazu kommt die große Zahl der Sonderschüler, die man mit allen Mitteln bis zum Hauptschulabschluss führen will.

In den französischen Gruppen findet man weniger „Abbrecher“ eines Ausbildungsgangs. Im Hinblick auf das Ausbildungsniveau sind die Gruppen noch unterschiedlicher zusammengesetzt, wobei der Trend dahin geht, dass die Teilnehmer überhaupt keine berufliche Ausbildung nachweisen können. Zahlreiche Jugendliche sind als Opfer schwerwiegender Probleme anzusehen, die aus verschiedenen Quellen herrühren - von einer mangelhaften Berufsberatung bis zu der Tatsache, dass den Betreffenden die Lust zur Arbeit völlig fehlt
7).

Ein anderer Faktor der internen und externen Heterogenität hängt mit der institutionellen Anbindung der Gruppen zusammen. Die deutschen Gruppen sind im Allgemeinen in Programme eingebunden und bestehen von daher schon seit einer gewissen Zeit. Die französischen Gruppen werden von den Missions locales - den Zusammenschlüssen von Stellen, die auf örtlicher Ebene für Eingliederungsmaßnahmen zuständig sind - ad hoc zusammengestellt und sind somit viel heterogener. Man steht hier in der Begegnungsarbeit vor einem aus den kulturellen Unterschieden erwachsenen institutionellen Problem. Ein anderes oft anzutreffendes institutionelles Problem ergibt sich aus den Schwierigkeiten, mit denen Gruppenleiter konfrontiert sind, die einen Auslandsaufenthalt so genannter bildungsungewohnter Zielgruppen in ein Ausbildungsprogramm einbeziehen möchten.








7) In Frankreich verlassen jedes Jahr 57.000 Jugendlich die Schule ohne Abschluss, das sind 8 % eines Jahrgangs. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, wurde 1999 das Programm „Neue Chancen“ aufgelegt, das sich auf individuell ausgerichtete Qualifizierungswege, die Aufwertung von lokalen Initiativen und die Bildung starker Partnerschaften konzentriert. Vgl. den CEDEFOP-Bericht in: Jugendsozialarbeit inform, 2/2000. retour











retour
Inhaltsverzeichnis
weiter