|
II. BEISPIELE AUS DER PRAKTISCHEN ARBEIT
Mobilität
Europa wächst zusammen. Was in Westeuropa - auf der großen politischen Ebene - fast schon Normalität ist, erstreckt sich inzwischen auch auf Mittel- und Osteuropa. Gegenüber dem beschleunigten und vertieften Zusammenwachsen, das im Fall des institutionellen Europas zu beobachten ist, gibt es vielfältige Retardierungen und gegenläufige Tendenzen. Ein Trainingsprogramm zur sozialen Orientierung versucht hier Abhilfe zu schaffen, zum Beispiel mit einer Veranstaltung, die im Rahmen des Projekts Mobilität in Europa in Stuttgart durchgeführt wurde 14).
Die Besonderheit dieser Veranstaltung bestand darin, dass sich Jugendliche aus drei Ländern - aus der Ukraine, aus Frankreich und Deutschland - an der Begegnung beteiligten. Die Jugendlichen befanden sich in vergleichbaren Situationen: in Betreuungsmaßnahmen, von Arbeitslosigkeit bedroht, auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Die jeweiligen nationalen Bedingungen unterscheiden sich, gerade auch was das West-Ost-Verhältnis betrifft, aber die Schwierigkeiten der Jugendlichen stiften Gemeinsamkeit. Sie haben etwa das Problem, wie sie sich präsentieren sollen; sie bringen keinerlei Selbstbewusstsein mit; sie fühlen sich von den rasanten Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene überrollt. Hier setzte die Begegnung an. Sie versuchte Flexibilität und Selbstständigkeit zu fördern - und dabei den Blick auf die europäische Einigung zu richten. Denn in Zeiten, in denen Europa sich öffnet, ist es wichtig, dass Jugendliche wissen, wie sie sich anderswo zurechtfinden.
Eine besondere Herausforderung stellte dabei natürlich die dreisprachige Anlage des Seminars dar. Hier mussten Übersetzungshilfen angeboten werden. Hinzu kam, dass das Trainingsprogramm ein intensives Erfahrungslernen durch Projektorientierung, spielerische Methoden und die Arbeit in Kleingruppen bereit stellte. Die Jugendlichen wurden mit Aufgaben konfrontiert, die von ihnen selbstständiges Handeln und zielgerichtetes Aufbauen eines organisierten Lebensumfeldes abseits des Vertrauten verlangten. Damit sollten die Handlungsfähigkeit in einer fremden Umgebung und in einer sich anders verhaltenden Gesellschaft gefördert werden, um im Gefüge Europas mobil zu werden. Ziele waren insbesondere der Abbau von Versagensängsten und damit der Aufbau von Motivation, Neugier und Erfolgszuversicht.
Konkret bestand die Aufgabe der Jugendlichen darin, sich in der fremden Stadt anhand verschiedener Gesichtspunkte zurechtzufinden und dies auf eigene Faust, ohne Fremdenführer, zu realisieren. Diese Aufgabe gliederte sich in fünf Schritte einer Mobilitätspraxis. Als Erstes ging es um die Freizeit (Sport-, Kultur- und Unterhaltungsprogramm einschließlich der Frage, was das alles kostet). Die zweite Abteilung wandte sich dem Ernst des Lebens zu, Stichworte Arbeit - Ausbildung - Jobs. Drittens standen Wohnen - Leben - Luxus auf dem Programm und viertens der Nerv der Dinge, Ausgaben - Einnahmen - Geld. Den Abschluss bildete fünftens die Frage nach den europäischen Möglichkeiten (Ausbildung, Freiwilligendienste, Auslandspraktika...).
14) Dezember 1999, Stuttgart. Veranstaltet vom Internationalen Bund (IB), Stuttgart und Erfurt, IB-Jugendgästehaus, Richard-Wagner-Str. 2, 70184 Stuttgart, Tel. 0711/241132. retour
|