Austausch im Berufsbereich
Begegnungen für arbeitslose Jugendliche

Inhaltsverzeichnis

II. BEISPIELE AUS DER PRAKTISCHEN ARBEIT

Berufsfindung

Die vom DFJW geförderten Angebote, die sich an arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Jugendliche richten, verstehen sich als Maßnahmen zum Training persönlicher, sozialer und fachlich-beruflicher Kompetenzen. Durch dieses Training soll eine Stärkung der Teilnehmer erreicht werden, so dass diese sich bei der späteren Ausbildungs- und Berufsplanung erfolgreicher behaupten können und überhaupt in die Lage versetzt werden, eigenständig einen Weg in der Arbeitswelt zu finden. Hier geht es also vor allem um die allgemeine Ausrichtung an beruflichen Fragen und nicht um ein unmittelbares Job-Training. Eine Reihe von Angeboten, so etwa Programme, die über den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert werden, orientiert sich jedoch stärker an konkreten beruflichen Möglichkeiten, die für Deutsche in Frankreich (und ebenfalls für Franzosen in Deutschland) bestehen. Dies geschieht zum Beispiel in einer Kombination von Sprachkurs und Praktikum in anderen Land. 20)

Eine solche Maßnahme fand in Grenoble statt, an der 14 arbeitslose Brandenburger Jugendliche mit abgeschlossener Berufsausbildung teilnahmen. Hierbei handelte es sich um eine aufwendigere Veranstaltung, da die Hauptteile - neben den Vor- und Nachbereitungen - aus einem vierwöchigen Sprachkurs und einem achtwöchigen Betriebspraktikum bestanden. Die jungen Leute hatten verwandte Qualifikationen (Koch, Bäcker, gastronomische Ausbildung) und setzten darauf, dass sie über die allgemeine interkulturelle Lernerfahrung hinaus unmittelbar Einblicke in Berufsmöglichkeiten erhalten würden. Für die Teilnehmer, die von Arbeitslosenunterstützung lebten, war dies also eine Chance, sich in das berufliche Leben vorübergehend zu integrieren und für die Arbeitssuche wieder neuen Auftrieb zu erhalten.
Dazu bot der Aufenthalt, unterstützt durch eine engagierte französische Partnerorganisation, einen passenden Rahmen. Die Teilnehmer waren im ehemaligen olympische Dorf in Grenoble untergebracht, in dem junge Leute aus aller Welt beherbergt werden. Hier fiel der Kontakt unter einander und zu den - vorwiegend französischsprachigen Mitbewohnern - leicht. Es ergab sich so viel an Begegnung und Austausch über persönliche und berufliche Fragen, was auch einen unaufdringlichen Anstoß mit sich brachte, die französische Sprach zu lernen, und zu zahlreichen spontanen Hilfsangeboten und Lerngelegenheiten führte. Eine Erfahrung, an die dann im folgenden Kurs mit der Methode der Sprachanimation angeknüpft wurde. Der Kurs teilte sich in einen allgemeinsprachlichen und einen fachsprachlichen Teil, wobei für letzteren die im Leonardo-Projekt Ikarus neue entwickelten Lernmaterialien zu den betreffenden Berufsfeldern eingesetzt werden konnten.

Einmal pro Woche wurde ein mehrstündiges „interkulturelles Forum“ veranstaltet, das die grundsätzlichen Erfahrungen resümierte. Parallel zum Sprachkurs wurden Vorstellungsgespräche geübt, die auf die berufliche Ernstsituation Bezug nahmen, denn zur Aufnahme des Praktikums mussten sich die Kandidaten bei den jeweiligen Betrieben präsentieren und dabei auch ihre Sprachkenntnisse unter Beweis stellen. Dies war für alle eine stressige Prozedur - etwas abgemildert allein durch einen Begleiter der französischen Partnerorganisation -, die aber notwendig war im Blick auf die Klärung der eigenständigen Rolle im Betrieb. Die Teilnehmer wollten eben nicht einfach als billige Hilfskräfte irgendwo eingesetzt werden, sondern entsprechend ihrer beruflichen Vorbildung und ihren Interessenschwerpunkte mitarbeiten und Einblick in die Besonderheiten der französischen Berufspraxis erhalten.

Dies funktionierte nicht automatisch, verlangte vielmehr klare Absprachen; hier standen zusätzlich die betreuenden Organisationen bereit, um gegebenenfalls zu vermitteln. Viele Praktikanten nahmen wichtige Erfahrungen und Anregungen aus der Praxis mit. So lernten sie etwa neue Rezepte, Zubereitungsweisen, Serviceangebote etc. kennen, also Dinge, die für sie eine unmittelbare fachliche Horizonterweiterung bedeuteten. Darüber eröffneten sich auch interessante Perspektiven im Blick darauf, wie sich bei französischen Betrieben oder in Zusammenarbeit mit ihnen eine Berufstätigkeit aufnehmen lässt. Einige Teilnehmer erhielten sogar konkrete Arbeitsplatz-Angebote.

Solche Angebote stellen natürlich nicht den Regelfall dar. Wie gesagt, geht es in solchen Maßnahmen um die Stärkung allgemeiner Kompetenzen. Doch bei der Begegnung mit der Arbeitswelt im fremden Land lassen sich auch immer wieder konkrete Anknüpfungspunkte finden, die zu einer Berufstätigkeit führen. Dies gilt nicht nur im gastronomischen oder touristischen Bereich. Ähnliche Erfahrungen wurden etwa mit kaufmännischen Berufen gemacht. Hier ergab sich etwa für französische Firmen das Interesse an deutschen Arbeitskräften, die durch ihre speziellen Leistungen vor Ort den Firmenleitungen die Nützlichkeit solcher binationaler Qualifikationen deutlich machen konnten.



20) Herbst 1998, Grenoble. Veranstaltet von UnderstandingBus/Paritätisches Bildungswerk Landesverband Berlin e.V., Hasenheide 54, 10967 Berlin, Tel. 030/6959120. retour












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