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Leistungssport als Feld interkulturellen Lernens

- Ein Arbeitspapier -

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Verabschiedet von den Teilnehmern der Jahrestagung der deutschen und französischen Sportfachverbände am 4.-6.11.1992 in Hannover.  

Inhaltsverzeichnis

 

3. Das "Rahmenprogramm" als die Gestaltung aller Teile einer Leistungssportbegegnungen, die nicht Training sind.

Mit diesen Hinweisen sind wir auch schon im sportlichen Umfeld der Leistungssportprogramme oder noch allgemeiner beim Rahmenprogramm.
Der Begriff "Rahmenprogramm" ist häufig doppelt mißverstanden worden. Erstens in dem Sinne, als sei dieser Teil der Begegnung von minderer Bedeutung gegenüber dem "eigentlichen" Programm, dem Training. Mit dieser Vorstellung muß sicherlich aufgeräumt werden. Wenn der Anspruch, über sportliches Tun interkulturelle Lernsituationen zu vermitteln, eingelöst werden soll, so muß das Rahmenprogramm in den Dienst dieses Anspruchs gestellt und genauso ernst genommen werden wie das Training.

Zweitens war das Rahmenprogramm häufig identisch mit dem "kulturellen Rahmenprogramm", d.h. dem Museumsbesuch, der Kirchenbesichtigung, der Fabrikbesichtigung, dem Empfang im Rathaus, etc..

Um hier nicht mißverstanden zu werden, sei klargestellt, daß niemand einem Museumsbesuch seine grundsätzliche Berechtigung oder Sinn in einem Sportprogramm absprechen möchte. Wie immer, kommt es aber auch hier auf die Umstände an: Disponiertheit der Teilnehmer, das Eingebundensein in eine übergreifende und vorbereitete Thematik, etc. Im allgemeinen sollte man bei der Gestaltung des Rahmenprogramms jedoch direkter von der Situation und den Interessen der teilnehmenden Sportler ausgehen.

Kommen wir zurück zur kommunikationsfördernden Aufgabe des Rahmenprogramms, oder, anders ausgedrückt, zur Gestaltung all der Teile eines Lehrgangs, die nicht Training sind.

 

3.1. Die Programmvorbereitung

3.1.1 Die Ausschreibung

Grundsätzlich ist es bei einer offenen Ausschreibung sinnvoll, eine "ehrliche" Information über den Sinn und Inhalt eines deutsch-französischen Leistungssportaustausches zu geben. Reisebürowerbeslogans, wie z.B. "Fahrt nach Frankreich nur 380 DM" oder "Internationaler Leistungsvergleich mit Frankreich" bringen zwar relativ schnell Teilnehmer, jedoch werden sie unter Umständen mit falschen Erwartungen auf die Reise gehen. Schon bei der Ausschreibung sollte man ausdrücklich auf die Tatsache verweisen, daß es sich um eine Fahrt der Begegnung und des Austausches mit einem gemeinsamen Programm junger deutscher und französischer Sportler handelt. Die Ausschreibung sollte Erwartungen wecken, positive Spannung und Neugier erzeugen, denen später aber auch unbedingt entsprochen werden muß. Wörter wie "Austausch", "Begegnung", "gemeinsames Trainingscamp" sollten unbedingt auf spezielle Situationen der Gemeinsamkeit und des sich-gegenseitig-Kennenlernens hinweisen.

 

3.1.2 Die Vorbereitung der Betreuer und Trainer

Ein gemeinsames Ausarbeiten des Programms durch alle deutschen und französischen Betreuer ist Voraussetzung für Programminhalte und einen Ablauf, die den Erwartungen beider Partnergruppen entsprechen. Hierbei ist den speziellen Voraussetzungen der Gruppenzusammensetzung wie Alter, Herkunft (Stadt/Land), Geschlecht Rechnung zu tragen. Durch vorher per Fragebogen erhaltene Informationen über Interessen, Fähigkeiten oder auch "Nichtfähigkeiten" (z.B. Nichtschwimmer, Diabetiker, etc) kann ein Programm auf die Teilnehmer ausgerichtet bzw. Alternativen eingerichtet werden. Es ist sinnvoll, zum Zeitpunkt der Planung genaue Informationen über den Ort, die Umgebung, Unterkunft, etc. einzuholen. Optimal ist es, wenn die Vorbereitung am Ort des zukünftigen Austausches stattfindet. Für die Betreuer und vor allem die Betreuer aus dem eigenen Land ist es notwendig, sich Kenntnisse über "alltägliche Notwendigkeiten" wie z.B. Notrufnummern, Vorwahl ins Heimatland, Versicherungen, Aufsichtspflichten, Sperrstunden, etc. zu informieren. Kenntnisse über kulturelle Eigenheiten und Ortskenntnisse sind sinnvoll und notwendig. Für die Verantwortlichen von Trainings- und anderen sportpraktischen Einheiten des Programmes ist es interessant, sich vorher mit Kollegen aus dem anderen Land über Methoden und Techniken auseinanderzusetzen und die Trainingseinheiten und Theorieteile so zu planen, daß die Teilnehmer von der speziellen internationalen Situation profitieren können.

 

3.1.3 Die Vorbereitung der Teilnehmer

Pädagogische Vorüberlegung:
Fahrten generell und Auslandsreisen im Besonderen bringen den Reiz, Fremdes entdecken zu können; aus der "bekannten" und "sicheren" Umgebung ausbrechen zu können und aus diesem Spannungsfeld heraus wichtige, persönlichkeitsbildende Erfahrungen machen zu können. Für den betreuenden Begleiter muß sich hier aber zwangsläufig die Frage ergeben, wieviel und bis zu welchem Grad der Teilnehmer über das Leben und die kulturellen Eigenheiten des Gastlandes vorinformiert und vielleicht auch "voreingenommen" werden soll; ob vielleicht durch Informationen und subjektive Erklärungen des Betreuers ein Hinterfragen des Teilnehmers und die ihm zukommenden "Entdeckungssensationen" blockiert werden. Wieviele Erklärungen über Besonderheiten, Unterschiede, etc. müssen aber gegeben werden, um den jugendlichen Teilnehmern bei aufkommenden Unsicherheiten, Mißverständnissen und Besorgnissen (z.B. bei Unterkunft in fremden Gastfamilien) Sicherheiten zu geben, um sie für weitere fremde Eindrücke offen sein zu lassen. Eine Patentantwort kann sicherlich nicht gegeben werden. Sicher ist, daß sich der Teilnehmer oft am Verhalten der eigenen nationalen Betreuer oder Trainer orientieren wird. Wenn der Teilnehmer beobachten kann, daß der Betreuer mit fremden Situationen offen und nicht abwertend umgeht, mit den französischen Betreuern auf freundschaftliche und kollegiale Art verfährt, wird auch dem Jugendlichen ein Umgang mit fremden und "kritischen" Situationen leichter fallen.

Für den Betreuer ist es sinnvoll, möglichst viel über den Teilnehmer zu erfahren. Das Wissen der Betreuer über Auslandserfahrung, Schulbildung, Einstellung zu Ausländern, Einstellung zum eigenen und dem Gastland, etc. der Teilnehmer ist die Voraussetzung für die Beurteilung, wann und in welcher Form dem Teilnehmer "interkulturelle Hilfestellungen" gegeben werden sollten. Diese Informationen erlangt der Betreuer durch eventuelle Vorbereitungstreffen, durch einen Fragebogen, durch individuelle Ansprache auf der Hinreise, auf jeden Fall aber durch eine sensible Anteilnahme während des Austausches.

Umgekehrt ist es sinnvoll, den Jugendlichen in eine positive Erwartungshaltung zu versetzen. Berichte über den Ablauf von vergangenen Maßnahmen und Informationen über Unterbringung, Freizeit- und Sportmöglichkeiten tragen dazu bei. Nach Möglichkeit sollte das grob geplante Programm dem Teilnehmer nicht als feststehende Tatsache vor die Nase gesetzt, sondern ihm klargemacht werden, daß es sich um ein Programm handelt, welches sich an den Bedürfnissen der Teilnehmer orientiert. Dies erfordert jedoch auch den Hinweis und die Aufforderung zu einem Mitdenken und Mitarbeiten der Teilnehmer. Aufgabenstellungen, auf die sich die deutschen und französischen Teilnehmer schon vor Antritt der Fahrt vorbereiten können und die dann in gemischtnationalen Arbeitsgruppen behandelt werden können, schaffen nicht nur positive Erwartungen, sondern tragen auch dazu bei, vor Ort gemeinsamen Interessensgebieten nachzugehen. Beispiele für gemeinsame Spiel- bzw. Arbeitsformen werden im Kapitel "Allgemeines Rahmenprogramm" gegeben.

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