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Schlussfolgerungen

Austausch: Worauf kommt es an?
Empfehlungen für Schule und Lehrerbildung

Christian Alix; Christoph Kodron

Aus den geschilderten Projektbeispielen ergibt sich eine Fülle von Fragen und Anmerkungen, die solche Projekte hervorrufen. Da es sich jedoch um eine begrenzte Anzahl von Beobachtungen handelt, auch wenn sie sich über einen langen Zeitraum von 20 Jahre erstrecken, möchten wir unsere Überlegungen mit den Schlussfolgerungen eines internen Berichts des Deutsch-französischen Jugendwerks in Beziehung setzen, der auf einer systematischen Auswertung aller Berichte über Schulaustauschprogramme des Jahres 97-98 beruht. (1)

Die Schule als Handlungsrahmen

Heute muss die Schule mehr denn je als organisatorische Einheit begriffen werden, die sowohl für den Unterricht im herkömmlichen Sinn als auch für die erzieherischen und pädagogischen Angebote und Aktivitäten für die Schüler/innen "außerhalb" verantwortlich ist. Mit anderen Worten muss die Schule in ihrem Schulprofil bzw. Schulprogramm eine globale und langfristige Perspektive erarbeiten, insbesondere bei fachübergreifenden Themen: "Im Rahmen der allgemeinen Bildung bestehen die Austauschprogramme immer seltener aus Klassenbegegnungen und immer öfter aus Schulbegegnungen" (DFJW-Bericht). Selbst wenn es dafür viel nüchternere Gründe geben mag (Schwierigkeiten, genügend Schüler/innen zu finden und von daher die Notwendigkeit, zusammenzulegen), ist der "Austausch" immer weniger auf eine Gruppe bzw. isolierte Individuen begrenzt und wird immer mehr zur Sache der Schule als Ganzes. Dies wird deutlich anhand der hier dargestellten Projekte, bei denen man im Lauf der Jahre sieht, wie die deutsch-französische Zusammenarbeit innerhalb der Schule immer mehr an Bedeutung gewinnt, weil fachfremde Lehrkräfte mit einbezogen werden und es innerhalb der Teams eine ständige Erneuerung gibt und weil die zwischenschulische Kooperation in Verbindung mit dem Schulprofil und den Leitzielen der gesamten Schule steht (vgl. das Projektbeispiel "Schule als Integrationsraum - Marseille-Frankfurt"). Es wird gelegentlich möglich, eine allgemein-bildende Schule und eine Berufsschule im Rahmen eines Jahresprojekts miteinander zu verbinden und schließlich ja sogar eine trilaterale Zusammenarbeit daraus zu entwickeln: aus den Partnerschaften zwischen Frankfurt und Marseille und Frankfurt und Birmingham wird nach einigen Jahren ein Trio Frankfurt-Marseille-Birmingham. In dem Fall wird deutlich, dass sich die Frage einer Kooperationspolitik für die ganze Schule stellt.

In diesem Zusammenhang beleben neuere Entwicklungen, z.B. die Entstehung eines europäischen Bildungsraumes, die Erweiterung der EU, die Mobilitäts– und Migrationsfragen, usw. die Diskussionen über Sinn und Zweck pädagogischer Austauschaktivitäten und werfen erneut die Frage nach dem Platz der bilateralen Projekte, an erster Stelle die deutsch-französische Zusammenarbeit, und ihre Verbindung mit europäischen Programmen (beispielsweise Comenius), wie im Bericht betont wird. Dadurch entsteht die Notwendigkeit, ja der Zwang solche Aktionen besser miteinander zu koordinieren, manchmal sogar zu einem komplexeren Projekt zusammen zulegen, zumal die Finanzierung sehr bescheiden und auf gewisse Bereiche beschränkt ist (zum Beispiel auf die Vorbereitung des Kooperationsprojektes, ohne die Aufenthaltskosten der Schüler zu beinhalten). Dennoch ist man vielfach noch weit davon entfernt, diese Aktivitäten als Ganzes zu konzipieren und einem bewusst globalen Bildungswillen zuzuordnen. Solche Aktivitäten werden jedoch in Zukunft keinen sicheren Bestand haben, wenn man ihnen keinen konkreten Platz im Schulprogramm zuweist. Weder das Bewusstsein und die Beteuerung ihres pädagogischen Mehrwertes, bis hin zu Ansätzen der Qualitätsverbesserung durch Austausch (Jacobi 1998, Luszynski 2003) noch ihre Originalität werden allein ihre dauerhafte Verankerung im Schulalltag sichern. Dazu bedarf es des klaren Willens aller Beteiligten auf allen Ebenen, vor allem aber auf der bildungspolitischen.


1 : Bericht mit dem Titel: "Beobachtungen zu den deutsch-französischen Austauschprogrammen in allgemeinbildenden Schulen – Schuljahr 1997/98" – Paris, 9.9.1998, Conny Reuter. (Die bei Bezuschussung vorgeschriebenen Berichte sind nach Meinung des Berichtsverfassers unterschiedlich in Qualität und Aussagekraft, geben jedoch wertvolle Hinweise auf Tendenzen). Die seitdem in Deutschland auf Länder- und in Frankreich auf Akademieebene ausgewerteten Berichte bestätigen die damals beobachteten Tendenzen. Zurück

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