Zeitliche Organisation: Konzept für ein Fortschreiten von Angeboten und Aktivitäten
Geht man von der Schule als Aktionsrahmen zur Gestaltung und Planung von Aktivitäten aus, die einer Austausch- und Begegnungspädagogik entstammen und nicht lediglich sprachliche Zwecke haben, so stellt sich die Frage nach einer zeitlichen Organisation, einem Curriculum, einem Fortschreiten. In den beschriebenen Projekten wurde gezeigt, dass Austauschprogramme von der Grundschule bis zum Abitur und auch in Berufs- und Fachschulen stattfinden. Im Gegensatz zu dem, was man im Allgemeinen damit verbindet, heißt es unvermeidlich, dass Ziele, Arbeitsmethoden, Aktivitäten, Themen und vor allem Lehrkräfte und Partner nicht gleich bleiben können. Solche Aktivitäten werden zukünftig nicht allein vom guten Willen einiger Lehrkräfte abhängen und nicht lediglich unter Jugendlichen (mehrheitlich zwischen 14 und 16 Jahren) stattfinden.
Daraus folgt auch, dass diejenigen, die zum ersten Mal einen Austausch planen (vgl. Terminplanung*), sich über frühere Erfahrungen ihrer Schüler/innen auf dem Gebiet informieren müssen, denn diese sind nicht mehr unbedingt Neulinge sondern können bereits einen reichen Erfahrungsschatz haben.
Für die Schule als Ganzes (im Sinne von Schulautonomie, Schulprogramm) stellt sich die Frage nach der Definition eines Curriculums für Schüler, das deren gesamten Bildungsweg berücksichtigt. Dieser reicht heute von den Ausflügen im Kindergarten und in der Grundschule über die Museumsbesuche, die Schullandheimaufenthalte, in denen die Schüler/innen erste Erfahrungen im Gruppenleben sammeln, wo viele zum ersten Mal den Schoß der Familie verlassen und auswärts übernachten (vgl. Austausch von Anfang an, Nevers-Koblenz), bis hin zur Übernahme größerer Verantwortung entsprechend dem Alter und dem, was ein Schüler tatsächlich selbstverantwortlich übernehmen und ausführen kann. Eine Sekundarstufenklasse kann sehr wohl die Vorbereitung eines Austausches, der Transportfragen und mancher Teile des Besuchsprogramms und des Programms für die gemeinsamen Arbeiten übernehmen.
Wir haben zwar auch festgestellt, dass die Vorannahmen und -erfahrung im Hinterkopf mancher Lehrkräfte über das, was man von Schüler/innen erwarten kann, eine einschränkende Rolle spielt. Wir haben dennoch nicht den Eindruck gewonnen, dass es sich wirklich einschränkend auf das umfassende und bewusste Konzept zur Ausschöpfung das Bildungspotenzial im Rahmen einen Austausches auswirkt, so groß die Unterschiede im Einzelnen auch sein mögen (1). Leider scheinen die Sorgen der Lehrer/innen jedoch eher den Terminfragen, in der Handhabung der außerschulischen Aktivitäten ("Austausch", Ausflüge, Betriebspraktikum, usw.), den daraus resultierenden gegenseitigen Störungen und der Desorganisation des "normalen" Schulrhythmus zu gelten, als der Frage nach einer möglichen Verknüpfung zwischen diesen Aktivitäten und ihrer impliziten gemeinsamen "Philosophie" für ein umfassendes Lernen.
1 : Dies scheint uns der Fall bei den deutschen Lehrkräften der Sekundarstufe zu sein, die mehr Übung mit Ausflügen, mehrtägigen Klassenfahrten, Schullandheimaufenthalten und mit Begleitung ihrer Schüler und somit Verantwortung für sie außerhalb des Schulgeländes haben. Deren Schüler sind ihrerseits auch mehr mit dem Gruppenleben der Klasse in außerschulischen Situationen vertraut.