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Schlussfolgerungen

Wozu Pädagogik des Austauschs:
Standpunkt einer Entwicklungspsychologin

Die Begegnung mit Sprachen während der Kindheit und der Jugend

Die Sprache – und dies ist wichtig zum Verständnis des nachfolgenden Textes – kann als eines der wichtigsten Werkzeuge zur Weitergabe der Kultur betrachtet werden. Ihre Funktion ist nicht nur das Benennen und Bezeichnen von Gegenständen zu ermöglichen (deutende Funktion), sondern auch deren Eigenschaften zu beschreiben (konnotative Funktion) und interindividuelle Beziehungen zu regeln. In manchen Sprachen gibt es zum Beispiel keine Unterscheidung zwischen "Sie" und "Du". Im übrigen unterscheiden die Sprachen i.d.R. kulturelle Gruppen voneinander.

Im Verlaufe der kindlichen Entwicklung verbinden sich zwei Komponenten / Prozesse sehr eng im Individuum: Seine Enkulturation (die von der Sozialisation zu unterscheiden ist) und seine Identitätsentwicklung. Selbst wenn das Wort "Identität" nicht ganz zutrifft (man besitzt niemals EINE Identität, die sich nicht verändern, weiterentwickeln wird,) so wird es verwendet um die wesentlichen Aspekte der Person, des Individuums zu bezeichnen: Identität = Kontinuität, Einheit, Einzigartigkeit... Die Identität wird, aus der Sicht einer Person durch zwei Prozesse erworben, einmal durch Identifikation, ich erkenne mich als ähnlich zum Anderen und andererseits die Erkenntnis, dass ich mich gleichzeitig vom Anderen in Selbstdifferenzierung unterschiede, im Französischen "identisation" genannt.

Mit dem Eintritt in Kindergarten und Grundschule tritt für das Kind ein Veränderungsprozess in seinem Verhalten und in seinen Denkstrukturen ein, weil es in ein anderes kulturelles Modell eintritt, in dem unterschiedliche Verhaltensweisen gelten, als es bislang kennt. Dabei muss man aber bedenken, dass diese gravierende Veränderung im Leben eines Kindes, diese schulische Akkulturation, im Regelfalle voll von den Eltern unterstützt wird (d.h. sie unterstützen ein Verhalten des Kindes, das sich an den Erwartungen der Kindergärtnerin, der Lehrkraft orientiert,) und diese sich deshalb in einer gewissen Kontinuität entwickelt.

Im Kindergartenalter (zwischen 3 und 6 Jahren), und dies ist sehr neu, findet man immer mehr Einrichtungen, welche die Begegnung mit einer anderen als der nationalen Sprache und das spielerische Erlernen derselben anbieten. Lange wurde dies – irrtümlicher Weise – als zu große kognitive Belastung für die Kinder betrachtet; heute wird die Begegnung mit fremden Sprachen im Gegenteil als sehr vorteil-haft für Kinder angesehen. Das Kind hat nämlich viel früher mit dem Erlernen der Sprache begonnen (und spricht aktiv ab dem Alter von ca. 2 Jahren). Das Kleinkindalter ist eine sehr günstige Zeit, um sich mit einer anderem Sprache vertraut zu machen. Ob im Umfeld einer zweisprachigen Familie oder im schulischen Kontext, die Befürchtung, dass "das Kind keine der beiden Sprachen richtig erlernt", ist völlig unbegründet. Man kann das anhaltende Sprachbad in seiner Erstsprache nicht vergleichen mit dem den wenigen Begegnungen mit einer anderen Sprache, zumal, wenn der Unterricht nur wenige Stunden pro Woche umfasst.

Was sind nun die Vorteile der Begegnung mit einer anderen Sprache und des Erlernens dieser Sprache?

Im Kindesalter:

Die Tatsache, dass man:

  • mehrere Bezeichnungen für einen einzigen Gegenstand kennt,

  • seine Gefühle auf verschiedene Arten ausdrücken kann;

  • der Vielfalt der Bezeichnungen (aber auch der Konnotationen) bewusst wird und

  • es nicht einen einzigen "richtigen" Namen für einen Gegenstand gibt.

Dies trifft noch viel mehr auf die uns umgebende Wirklichkeit zu, von der jeder seine eigene Sicht hat. Es handelt sich also um einen Dezentrierungsprozess, um die Möglichkeit, die eigene Perspektive zu verändern. Eine solche frühe Erfahrung begünstigt die soziale Anpassung.


Im Jugendalter:

  • In dieser Zeit erwirbt der Jugendliche eine neue Art zu urteilen (die abstrakte Logik, das hypothetisch-deduktive Denken). Diese ermöglichen den Vergleich mit Anderen unter Berücksichtigung mehrerer vergleichender Dimensionen. Eine solche Fähigkeit kann durch die Begegnung mit Sprachen und durch interkulturellen Austausch nur gefördert werden, wenn diese in einer sicheren Umgebung stattfinden (vgl.: Austausch und Begegnung von Anfang an), die Möglichkeit enthält sich "wirklich" in einer hypothetischen Zukunft vorzustellen und das Ganze unter Einbeziehung der persönlichen Zeit, seiner Vergangenheit, seiner Gegenwart, seiner Zukunft.

  • In dieser Zeit verändert sich auch die Art der Beziehung zu den Eltern. Die Eltern behalten zwar eine wichtige Rolle, dienen aber nicht mehr systematisch als Puffer zwischen ihrem heranwachsenden Kind und dessen Umfeld; sie sind nicht mehr die absoluten "Sinngeber" und "Deuter". Der Jugendliche, der vorher gelernt hat, dass ein und dieselbe Situation verschiedene Bedeutungen haben kann, wird in seiner Suche nach dem Sinn mehrere Alternativen zur Verfügung haben und wird weniger "orientierungslos" werden.

  • Darüber hinaus birgt die Begegnung mit einer anderen Sprache immer in sich die Begegnung und den Austausch mit einer anderen Kultur, häufig auch die Extraterritorialität, die Reise in eine andere Gegend oder ein anderes Land. Solche Reisen gehören generell zum Programm der Sekundarstufe und finden heutzutage langsam auch einen Platz in der Grundschule.

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