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Schlussfolgerungen

Wozu Pädagogik des Austauschs:
Standpunkt einer Entwicklungspsychologin

Die Vorteile der frühen Begegnung mit dem Fremden

Zusammenfassend können Vorteile auf drei Gebieten erwartet werden:

  • Erstens kann alles, was den Kindern eine genaue und aufgewertete Sicht ihrer selbst und ihrer Partner verleiht, ihnen nur helfen, ohne Umwege ihr eigenes Verhalten und ihre Gefühle sowie die Anderer zu verstehen. Es handelt sich hierbei um ein wichtiges vorbeugendes Mittel. Dieser Ansatz macht es ihnen auch möglich, eine differenzierte und integrierte persönliche und soziale Identität zu entwickeln. Unter diesem Gesichtspunkt ist ein interkulturelles Umfeld bereichernd und ermöglicht es Kindern, die Welt besser zu begreifen, so wie sie ist und nicht nur über von Stereotypen (inklusive Autostereotypen) erzeugte Erscheinungen und soziale Zuordnung.

  • Zweitens bereichert und fördert ein interkulturelles Umfeld die Entwicklung sozialer und kommunikativer Kompetenzen (über sprachliche Fertigkeiten hinaus). Darunter versteht man die Fähigkeit, eine Beziehung einzugehen und sich ungewöhnlichen bzw. unvorhergesehenen sozialen Situationen anzupassen. Die "Reise" (wirklich oder fiktiv) in das interkulturelle Umfeld konfrontiert einen mit der Vielfalt sozialer Zusammenhänge und deren Anforderungen und lehrt einen, adäquater zu reagieren. Ohne Befangenheit in einer fremden Umgebung oder mit fremden Personen agieren zu können, will gelernt sein und ist ein positiver Faktor sozialer Anpassung.

  • Drittens und letztens stellt ein interkulturelles Umfeld einen Kontext dar, der sich auf die Entwicklung als Bürger in Staat und Gesellschaft, im Französischen mit "citoyenneté" bezeichnet, günstig auswirkt. Dieser Ausdruck hat viele Deutungen, wir möchten aber hier besonders die volle und gleichberechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben im nahen Umfeld (Stadtteil und Gemeinde) betonen. Ein interkulturelles Umfeld erleben, heißt auch oft "ausgehen", sich mit dem Nachbarn austauschen, zusammen mit anderen Lehrkräften und Eltern ein Projekt für die Schule entwickeln, kurz, aktiv sein und Verantwortung im Alltagsleben übernehmen. Sehr häufig erzeugen solche Austauschmöglichkeiten – bei denen letzten Endes Kultur bzw. interkultureller Austausch als Vorwand zur Knüpfung einer sozialen Bindung dient – feste interindividuelle Verbindungen, das Erleben einer neuen Solidarität und manchmal einer neue Stadtteilkultur.

Abschließend muss man unter Berücksichtigung der Entwicklung moderner Gesellschaften wissen, dass unsere Kinder in einer pluralistischen Gesellschaft aufwachsen, deren Individuen mehrere kulturelle Bezugssysteme besitzen, die sich nicht gegenseitig ausschließen. Sich für die Dynamik des Austausches und des interkulturellen Umfeldes zu interessieren und dazu beizutragen, muss für die Gesellschaft eine vorrangige Aufgabe sein. Es könnte sich dann eine wichtige Änderung in der Perspektive ergeben: Kultur würde nicht länger erlernt, hingenommen, als Korsett erlebt. Wir wären nicht länger einfach deren Produkte, sondern erlebten uns stärker auch als Hersteller und Darsteller.

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