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Projektbeispiele

Zusammenarbeit zwischen allgemeinbildender und berufsbildender Schule:
"Das Holz, der Baum, der Wald"; Dijon-Frankenberg

Die erste Begegnungswoche

"Die Arbeiten in Deutschland dauerten eine Woche. Am Donnerstag fand die Reise und die Ankunft mit Empfangsabend und der Verteilung der Schüler auf die Familien statt. Am Freitag, also dem ersten vollen Tag, kamen wir gleich zur Sache: In ihren herrlichen Uniformen führten uns die deutschen Förster durch einen Wald und erklärten uns dabei das Waldsterben. Die französischen Schüler/innen waren beeindruckt, als sie sahen, woran man einen kranken Nadelbaum erkennt, und wie man an der Zahl der Nadeln feststellt, dass die Krankheit von Jahr zu Jahr fortschreitet. Es war einer der Höhepunkte dieser Begegnung. Parallel wurde nach Materialien gesucht, natürliche Materialien wurden gesammelt, Waldgeräusche aufgenommen usw. Am Freitag hatten wir unseren Arbeitsraum im Frankenberger Gymnasium eingerichtet. Die LEP-Schüler bauten die mitgebrachte kleine Ausstellung auf; die deutschen Schüler/innen brachten Masken, Stoffe, kurz alles, was ihnen brauchbar schien. Sie schufen eine Art "Materialienbank" für künftige Arbeiten. Am Samstag wurde die Arbeit in Werkstätten organisiert und es entstanden verschiedene Schwerpunkte. Drei Werkstätten arbeiteten parallel: eine Theater-, eine Marionetten- und Holzpuppen – die von einem ehemaligen Schüler des deutschen Gymnasiums geleitet wurde – und eine Geräuschwerkstatt. Anschließend wurde die Arbeit aller drei Werkstätten zusammengeführt, um eine Produktion zu erstellen, die den Eltern am Dienstag Abend vorgeführt wurde. In jenem Jahr waren die Werkstattarbeitsergebnisse von beachtlicher Qualität."

"Obwohl die Termine sehr lange im voraus geplant wurden, gab es eine Schwierigkeit: Drei französische Kollegen mussten öfters allein die gesamte Gruppe betreuen, weil die deutschen Lehrkräfte woanders unabkömmlich waren oder erkrankte Kollegen vertreten mussten. Sagen wir es mal so: Auf der Schulverwaltungsebene war die ganze Geschichte auf der Seite der deutschen Schule nicht völlig klar."


Die zweite Begegnungswoche: Wie sich ein Thema in Abhängigkeit von Ort, Umständen und Dynamik der Forschung wandelt

"Die Woche in Dijon fand zwei Monate später vom 22. bis 28. Mai statt. Sowohl Lehrkräfte als auch Schüler/innen bemühten sich darum, nicht die gleiche Art von Arbeit anzubieten. Wir wollten etwas anderes machen. Außerdem gab es eine ausgeprägte Besonderheit, nämlich die zweier Schulen in städtischem Umfeld, also in viel geringerem unmittelbaren Kontakt mit dem umliegenden Wald. Um einen Wald zu finden, muss man erst 10 bis 20 km fahren. Da Baum und Wald das Thema waren, erschien uns aus diesen Gründen der mitten in der Stadt gepflanzte Baum ein wesentlicher Gegenstand der Arbeit. Außerdem war es ja Frühling: der Baum in der Stadt, der zunächst Blüten und später Blätter zeigt. Den Anstoß gab eine wunderschöne Fotoreportage, die in der Stadt von den sieben binationalen Gruppen zusammengestellt wurde. Blitzschnell kam man über das Thema hinaus, es wurden Schaufenster mit Frühlingsmode fotografiert. Am ersten Tag wurde von den Schüler/innen des Collège ein Kuchen in der Form eines Baumes gebacken. Es musste für alle Schüler/innen genug zu essen geben, da der Ankunftsabend für alle am Projekt teilnehmenden Schüler/innen offen war und nicht auf diejenigen Schüler/innen beschränkt war, die einen jungen Deutschen beherbergten. Deshalb wurden es 80 Schüler! Am Samstagvormittag starteten die ersten Arbeitswerkstätten im Collège. An diesem ersten Vormittag ging es um den Karneval der Bäume. Es handelte sich hierbei um eine freie Arbeit von gemischten deutsch-französischen Gruppen in einem von einem Schüler/innen von Lenôtre, dem berühmten Landschaftsarchitekten von Versailles entworfenen Park: eine Art künstlicher Wald, in dem sich die Schüler mit Masken, Stoffen usw. zerstreuten. Da Schüler/innen einer "5. Klasse" Geschichten über Bäume geschrieben hatten, schlugen sie diese als Szenarien vor. Jede Gruppe stellte am Ende des Vormittags ihr Stück vor. Die einen mitten in der Rotunde, die anderen im Liebestempel, wobei das Ganze in einer Fotoreportage dokumentiert wurde.

Am Nachmittag gab es eine Fotoreportage über den Baum in der Stadt. Da entstanden bei beiden Gruppen ausgezeichnete Fotos. Es wurden Tafeln mit Fotos, Texten und Zeichnungen erstellt. Am nächsten Tag wurden in der Werkstatt für plastische Darstellung vier Schülergruppen gebildet. Sie wählten den Wald in den vier Jahreszeiten als Thema und stellten Wandbehänge von je 6 bis 7 Metern in Stoffcollagen her. Es war nämlich mit den deutschen Schüler/innen abgemacht, dass die Kreation der Theaterwerkstatt des Collège mit von uns allen gebauten Bühnenbildern gespielt werden sollte.

Jede der vier Tafeln, die den Hintergrund des Bühnendekors bildeten, stellte eine Jahreszeit dar. Ökologie und Waldsterben kamen in dieser hochqualitativen plastischen Vorstellung vor. Am nächsten Tag gab es eine Arbeitswerkstatt beim LEP. Zu dieser werkstatt waren ein Schauspieler, ein Musiker und ein Cartoonist eingeladen. Alle drei hatten die Einladung angenommen, ohne zu wissen, was die Schüler/innen von ihnen erwarteten. Zunächst wurde ein Tonbandgerät eingeschaltet und die Schüler/innen stellten ihnen ohne Umschweife vorbereitete Fragen auf französisch und auf deutsch. Zum Beispiel: "Wenn man von Holz spricht, was kommt bei Ihnen für eine Assoziation? Es ist leicht, sich vorzustellen, was Holz für den Musiker bedeutet. Der Schauspieler sagte: "Für mich sind es die Bretter und die Bretter, das ist mein Beruf, mein Leben". Das Frage- und Antwortspiel dauerte ca. eine Stunde. Dann wurden die Interviews besprochen und die Antworten benutzt, um sie Grundlage für eine eigene, freie Kreation zusammenzustellen. Das Ergebnis war für mich beeindruckend: Was während des Gesprächs mit den Künstlern gesagt worden war, wurde aufgegriffen, ohne dass der Zusammenhang für einen Aussendstehenden zwingend erkennbar wurde, der nicht über den "Schlüssel zum Entziffern" verfügte. War es aber nicht genau das erwünschte Ziel, Materialien zusammenzustellen, um sie dann nach eigener Art wiederzugeben?

Schließlich hatte eines Abends eine Moderatorengruppe das LEP in einen Nachtklub verwandelt! Der Abend kam, glaube ich, sehr gut an, weil es eine Party war, aber eine mit außergewöhnlichem Anspruch. Am nächsten Tag war der Abschiedsabend, an dem alle Kreationen zusammen vorgestellt wurden. Zum ersten Mal, seitdem wir solche Begegnungen organisierten, war der Sender FR3 dazu eingeladen. Er zeigte dann im Lokalfernsehen Interviews mit französischen und deutschen Schüler/innen. Die Dreharbeit erfolgte in der Schule, mit den ansprechenden Bühnenbildern der französischen und deutschen Schüler/innen als Hintergrund.

Zusammenfassend:
Wird das Problem des Waldsterbens nun besser verstanden? Ich weiß es nicht. Aber auf der Grundlage eines Themas, für das die einen sehr sensibilisiert waren und die anderen viel weniger, wurden letztere dazu gebracht, sich durch die Nachdenklichkeit ihrer deutschen Partner selbst Fragen zu stellen. Ich denke, dass hier die Information gut weitergegeben wurde; eines Morgens hatten wir eine Diskussion, die mit der Umweltverschmutzung begann und sehr schnell zu aktuellen Themen überging. Gerade ein paar Wochen zuvor war die Katastrophe in Tschernobyl passiert und wir erweiterten dann unser bisheriges Thema "Holz, Baum und Wald" zu einer Debatte auch über Kernenergie."

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