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Projektbeispiele

Zusammenarbeit per e-Mail in der Sekundarstufe I

Beurteilende Einschätzung

Frau Reif beurteilt das Projekt insgesamt positiv! Alle vier fremdsprachlichen Fertigkeiten wurden im Rahmen des Projektes geschult: Das Leseverständnis durch Lesen und Verstehen der fremdsprachlichen e-Mails, das Hörverstehen durch die Kurzreferate in den Plenarphasen, das Schreiben beim Abfassen der vorbereitenden Hausaufgaben und der e-Mails, das Sprechen bei Referaten und Diskussionsbeiträgen. Der Zuwachs an gelerntem Vokabular wird als sehr groß bezeichnet, auch der Zuwachs an landeskundlichen Informationen. Das Interesse an Frankreich hat deutlich zugenommen sowie die Lernmotivation im Französischunterricht selbst. Natürlich wurden im Rahmen des Projektes z.B. keine grammatischen Übungen durchgeführt, aber auftretende Fragen wurden im Zusammenhang behandelt und geklärt.

Die Medienkompetenz der Schüler/innen und die soziale Arbeitskompetenz haben sich erweitert, denn alle mussten lernen, sich in Gruppen zu organisieren, Texte selbständig zu verfassen, zusammenzufassen und auch in einem Kurzreferat vorzutragen. Dies ist sicher als ein hilfreicher Zuwachs in der Sprachkompetenz zu werten.

Die manchmal sehr kurzen erhaltenen e-Mails motivierten die Schüler/innen jedoch nicht, selbst längere Texte zu verfassen. Deshalb sollten die beteiligten Lehrkräfte darauf achten, dass ein Mindestumfang eingehalten wird.

Es gab aber auch Probleme, die zumeist mit dem Medium zusammenhingen. Einmal ging es um wenig hilfreiche Äußerungen, Anzüglichkeiten bzw. Unterstellungen, die durch die Anonymität des Mediums mit verursacht worden sein könnten oder vielleicht auch weil einzelne Schüler sich privat viel in ganz anonymen Chats aufhalten und zeitweilig vergaßen, wen sie anschrieben.

Auch die anfangs von den Schüler/innen begeistert begrüßten umgangsprachlichen Äußerungen bereiteten zunehmend Probleme, ja Frustrationen, weil diese nicht in Lexika zu finden waren und selbst der französische Fremdsprachenassistent sie nicht alle kannte.

Die rein technischen Probleme (Strom und Serverausfall, Blockierung durch Firewall) wirkten, zumal im eng getakteten zweiten Teil des Projekts, belastend. Aber auch die enge Belegung des Computerraumes, die Ausweichtermine erschwerte, war problematisch. Zudem kamen manche gesendete e-Mails nicht an.

Die
Schülerorientierung* und die weitgehende Selbstorganisation bringt nicht nur Vorteile, sondern macht abhängig von der Zeiteinhaltung und zuverlässigen Lieferung der e-Mails.

Zusammengenommen setzen diese Unplanbarkeiten voraus, dass sich die Partnerlehrer sehr genau absprechen und vorausplanen (
Planung*), dass sie aber auch kurzfristig umplanen können. Auch hier gilt die Erfahrung wie in den traditionellen Kooperationsprojekten: Nicht zu viele Themen planen, die Zeitplanung so gestalten, dass aufgetretene Probleme ausgleichbar sind und nicht alles umwerfen...

Die Schüler/innen urteilten sehr positiv in einer Befragung nach Abschluss des Projektes: Abwechslung vom Normalunterricht, Erweiterung des Vokabulars, erworbene Kenntnisse über den französischen Alltag und Kennenlernen von Meinungen "echter" Franzosen. Die vorgegebenen Themen wurden unterschiedlicher beurteilt. Als gute Gruppengröße wurden maximal drei Personen gesehen. Ein interessanter Vorschlag von Schülerseite war, für die einzelnen Themen in den Partnergruppen jeweils dieselbe Sprache zu verwenden, um so die e-Mails einheitlicher zu gestalten. Aus Sicht der Lehrer, zeigten sich insbesondere die schon behandelten Korrekturfragen neben den technischen Fragen problematisch.

Ein solches e-Mail-Projekt kann also den Unterricht vielfach bereichern und zu vielen positiven Lernergebnissen führen; aber auch dabei kommt es darauf an, dass die Schüler/innen eine entsprechende methodisch-didaktische Unterstützung erhalten. E-Mail-Austausch kann auch die traditionellen Medien, angefangen vom Schulbuch bis hin zu Zusatzmaterialien, nicht ersetzen, ebenso ist er kein wirklicher Ersatz für eine Kommunikation in einer realen Begegnungssituation im Rahmen von Austausch oder Drittortbegegnung.

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