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Projektbeispiele

Grundschulprojekt – Koblenz-Nevers

Vorbereitung und Vorausschau

Diese Brieffreundschaft ist bereits die Vorbereitung auf die Reise am Schuljahresende. Die natürliche, durch die Briefe gebotene Quelle ermöglicht einen authentischen und motivierenden Zugang zu der Sprache, der Kultur des Anderen, dessen Schulgewohnheiten und außerschulischen Aktivitäten: Wir entdecken die "französische" Handschrift (wie r, z und Großbuchstaben geformt werden, unverbundene Schrift …), eine von unserer unterschiedliche Schulwelt mit einem erstaunlichen Stundenplan: "Was? Sie haben noch nachmittags Schule! Die Armen! Da möchte ich nicht hin!“. Wobei dies natürlich zu Kontroversen führt: "Ja, dann können sie mehr lernen!", "He! Schaut! Sie haben Mittwoch frei! Ach, das möchte ich auch!" ...

Mit dem Austausch von Fotos,
Videos*, kurz Material*, tauchen wir in das richtige Leben. Bilder der Klasse, des Pausenhofes, der Stadt, des eigenen Hauses, … eröffnen ein weites realistisches Betätigungsfeld und ermöglicht das Simulieren von Situationen. Ein Dia*, das Pierre beim Eintauchen seines Brotes in die Schale mit Kakao zeigt, bietet den optimalen Anlass für eine Diskussion über Sitten und das Spielen einer französischen Frühstücksszene, in der Pierres Rolle übernommen wird. Das gleiche gilt für ein Videoband über einen Klassenausflug "Kanu, Segeln", das die Gelegenheit bietet, über Nevers und Umgebung, Landschaften, Flüsse zu recherchieren, und - ein nicht unwichtiges Detail für unsere Kinder - zu erfahren, dass Koblenz zwar ein "Deutsches Eck" (Zusammenfluss von Mosel und Rhein) besitzt, Nevers aber dafür einen "bec d’Allier" (Zusammenfluss von Allier und Loire) hat. Über diesen Umweg führen wir die Arbeit mit der Sprache ein. Ich sage "wir", weil ich in der Gestaltung dieser Arbeit versuche, mich von den Entdeckungen der Kinder mit den eingehenden Briefen leiten zu lassen. Ich genieße jedes Jahr diese Stimmung mit Überraschungen, diese Identifizierung und dieses Anerkennen von Unterschieden neu, die einem gleichzeitig die eigene Kultur bewusst macht, uns manche Gewohnheiten, die wir für "normal" und "allgemeingültig" halten, hinterfragen lassen, die den tür-kischen oder russischen Schüler/innen auch hilft, über ihr Land und ihre Kultur zu reden. Ich erlebe diese Öffnung der Kinder mit ihnen.

Daraus entwickeln sich eine Reihen von Sketchen, Inszenierungen von fiktiven Situationen, die sich aus der Kommunikation ergeben. Es wird eine Mahlzeit gespielt, man kauft Souvenirs oder Postkarten am Nebentisch, verschiedene Spiele werden vorgeschlagen: "Wollen wir Versteck spielen? Wollen wir eine Fahrradtour machen?" Um den in diesen Dialogen verwendeten Wortschatz werden spielerische Aktivitäten aufgebaut. Um z.B. ein Thema wie
Spiele* wird ein Satz von Karten hergestellt, welcher der Wiedererkennung von Wortschatz und Ausdrücken bei Gedächtnis-, Memory- oder Bingospielen dienen soll… Auf eine Phase der mündlichen Verständigung und der Erkennung von Strukturen in verschiedenen Zusammenhängen (mögliche Zusammenhänge: "Im Spielwarenladen", "Wir räumen unser Zimmer auf", "Ein Geburtstagsgeschenk") folgt eine produktive Phase (Kontext: "Was spielen wir?"), die von der Lehrkraft geleitet wird, bis sie nach und nach spontaner und selbständiger wird, wobei unser Ziel darin besteht, jedem Kind mit geeigneten Ausdrucksweisen die Reaktion auf verschiedene Situationen zu erleichtern und es mit den nach Bedarf einzusetzenden "Werkzeugen" auszustatten.

Mit Hilfe von
Videos*, die wirkliche Situationen darstellen, z. B. "Le petit monde de Pierre" ("Die kleine Welt von Pierre", aus dem Schulfernsehen), ermutige ich die Kinder, normal schnell gesprochenes Französisch zu hören; sie sind sich dessen bewusst, dass sie nicht alles verstehen aber einige Wörter zwischendurch aufschnappen, sie konzentrieren sich mehr auf Handlung und Gesten und begreifen, dass man nicht die Bedeutung jedes Wortes kennen muss, um eine Situation, einen Zusammenhang, einen Gedanken oder ganz einfach eine Person zu verstehen.

Man muss dafür sorgen, dass die Kinder Lust bekommen, eine solche Situation zu erleben und selbst ihre Fahrt vorzubereiten. Man gibt ihnen ein paar Hilfsmittel, man weiß, dass ihr Anteil an der Sache schwer sein wird! Jedes Kind weiß von Anfang an, dass es in der Gastgeberfamilie allein sein wird.

Die
Eltern* werden ebenfalls zu einer Besprechung eingeladen, bei der ihnen die Situation klar gemacht wird: an Ort und Stelle sind gemeinsame Unternehmungen geplant, aber die Kinder sind nachts und sonntags allein bei ihrem Austauschpartner/in. Es wäre also gut, dass jedes Kind schon mal ein paar Tage ohne seine Eltern verreist sei, bevor es eine solche Situation im Ausland erlebt. Ein Film aus dem Vorjahr wird vorgeführt, damit alle Eltern eine Vorstellung des Rahmens haben, in dem die Kinder in Frankreich leben werden, und andererseits sehen, dass die geplanten Unternehmungen attraktiv sind, dass die Stimmung gut ist, dass die Mehrheit der am Austausch beteiligten Kinder sich dort wohl fühlt. Die Vorbereitung der Eltern ist fast wichtiger als die der Kinder. Manche vergießen schon mal eine Träne bei dieser Besprechung im Februar, obwohl die Fahrt erst im Mai stattfinden soll. Andere erklären, dass sie ihr Kind nur wegschicken können, wenn sie es selbst begleiten. Wie oft habe ich solche Sätze gehört: "Mein Kind möchte mitfahren, aber es schafft es bestimmt nicht. Was denken Sie?" Oder auch: " Mein Kind will nicht mit, aber ich möchte es so gern!" Der Erfolg des Austauschs beruht ausschließlich auf der Freiwilligkeit, auf dem Willen, eine mehrtägige Erfahrung in dem Land zu machen, von dem man ein paar Sprachbrocken kennt, bei dem Brieffreund, dem man einiges schon erzählt hat, der selbst auch offen zugegeben hat, was er tun, essen, trinken und spielen mag. Und das ist beachtlich! Wenn das Kind dennoch keine Lust auf die Reise hat, warum sollte man es zwingen? Vielleicht will es zunächst nur den Austauschpartner empfangen.

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