| Spracherwerb im Tandemverfahren von Stephanie Hansmeier |
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4. Die Untersuchung
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4.1 Vorbemerkungen zur Untersuchung Die Untersuchung fand im Rahmen einer binationalen Sprachbegegnung zwischen deutschen und französischen Jugendlichen auf der Nordseeinsel Borkum statt. Organisiert wurde sie von dem Verein Esfa e.V.(Echanges scolaires franco-allemands oder Erlebnis- und Sprachferien im Ausland), vorher DFS e.V. (Deutsch Französischer Schüleraustausch), einer seit 1968 bestehenden deutsch-französischen Organisation mit Sitz in beiden Ländern, für die ich seit mehreren Jahren als Teamerin tätig bin. Den Aufenthalt auf Borkum, der vom DFJW subventioniert wurde, führte ich mit einer weiteren deutschen Teamerin und zwei französischen Teamern zum dritten Mal durch; bei allen Begegnungen wurde das Tandemverfahren angewendet. An dieser Stelle möchte ich auf die zahlreichen und vielfältigen Ausbildungsprogramme und Fortbildungen des DFJW verweisen, die es mir bzw. uns erst ermöglichten, Tandemkurse durchzuführen. Nähere Informationen hierzu sind den Broschüren des DFJW zu entnehmen oder beim DFJW direkt zu erfragen. Aufgrund der ungeraden Teilnehmeranzahl hatten wir nicht immer die Möglichkeit, Tandems zu bilden, sondern mußten auf "Tridems" ausweichen. Ein Tridem funktioniert vom Ablauf wie ein Tandem, es arbeiten in der Gruppe jedoch nicht zwei, sondern drei Personen zusammen (entweder ein Deutscher mit zwei Franzosen oder ein Franzose mit zwei Deutschen). Wir achteten allerdings darauf, daß jeder der Teilnehmer die Arbeit im "reinen" Tandem kennenlernte. Die Schüler gemischter Altersgruppen und gemischten Sprachniveaus kamen aus allen Landesteilen Deutschlands und Frankreichs und trafen sich zum ersten Mal, um zwei Wochen gemeinsam zu verbringen und zu erleben. Die Unterbringung der gesamten Gruppe fand in einem CVJM-Jugendferienheim statt, in welchem sich die französischen und deutschen Schüler Zimmer teilten. Für den vorgegebenen Zeitraum wurde von der Organisation für die Schüler ein Programm ausgearbeitet, welches sowohl tägliche gemeinsame Aktivitäten als auch genügend Freiraum für eigene Interessen vorsah. 4.2 Zielsetzung Aus den Ausführungen in vorangegangenen Kapiteln ergeben sich für die Untersuchung folgende Zielsetzungen: 1. Das Tandemverfahren erfüllt die formulierten
2. Es bietet die Möglichkeiten, sich die Schlüsselqualifikationen
3. Es ist motivierend. 4.3 Die Untersuchungsmethoden Im Rahmen dieser Untersuchung wurde nach Methoden gesucht, die das Tandemverfahren hinsichtlich der oben genannten Zielsetzung analysieren können. Dafür erschienen die Bewertung des Verfahrens durch eine Fragebogenerhebung und durch Interviews mit den Schülern geeignet. Der Fragebogen hatte den Vorteil, die Vorannahmen in den genannten Kontext einzubauen, um somit gezielte Ergebnisse zu erhalten. Bei dem Aufbau des Fragebogens und des Interviews wurde Bezug auf die Ausführungen von:
genommen. Zu Anfang wurden die Teilnehmer darüber informiert, wer für die Befragung verantwortlich war, warum die Untersuchung durchgeführt wurde und welches Interesse der Befragte selbst an der Befragung hatte. Ebenso wurden die Schüler darauf hingewiesen, daß die Antworten anonym verwertet werden würden. Inhaltlich war der Fragebogen so konzipiert, daß er sich in vier Themenblöcke einteilen ließ, um eine logische Aufeinanderfolge der Fragen zu gewährleisten. Die Fragen zum gleichen Themenkreis folgten nacheinander, damit die Befragten nicht zu ständigen Gedankensprüngen gezwungen waren. Die Reihenfolge der Fragen in den Themenblöcken wurde nach bestimmten Prinzipien festgelegt. Fragen, die das Interesse der Teilnehmer wahrscheinlich am ehesten wecken, wurden zu Beginn gestellt, denn wenn das Interesse der Schüler geweckt ist, werden sie vermutlich auch auf Fragen antworten, für die sie sich weniger interessieren oder die mehr Anstrengungen und Überlegungen verlangen. Die mehr herausfordernden Fragen wurden am Ende der Befragung gestellt. Alle gestellten Fragen wurden so formuliert, daß sie den Befragten ohne Mühe verständlich sind. Der Fragebogen, für den eine Bearbeitungszeit von 20 bis 30 Minuten vorgesehen war, erfaßte zunächst die Formaldaten der Lerner, vor allem zu bisherigen Sprachlernerfahrungen. Die Arbeit im Tandem stellte den ersten Themenblock der Befragung dar. Im Mittelpunkt standen Fragen zu Inhalten des Tandemverfahrens. Hier bestand der Fragebogen aus offenen Fragen, die keine Antwortvorgaben enthielten. Offene Fragen haben den Vorteil, daß die befragten Personen ihre Antworten völlig selbständig formulieren können und daß diese bei der späteren Auswertung bestimmten Kategorien zugeordnet werden können. Im weiteren Verlauf bezogen sich die Fragen auf die Art und Weise der Kontaktaufnahme zwischen den Teilnehmern und auf die Art und Weise der Kommunikation. Im großen und ganzen stand hier die binationale Begegnung im Mittelpunkt. Der dritte Themenbereich zielte auf eine Vertiefung der vorangegangenen Fragen ab. Hier wurde gefragt, wie die Tandempartner während ihrer Arbeit kommunizieren und was bzw. vor allem wie sie die Sprache des Partners lernen. Die geschlossenen Fragen forderten für die Beantwortung zumeist eine Begründung bzw. eine Ergänzung. Sie sollten eine größere Einheitlichkeit der Antworten ergeben und somit die Vergleichbarkeit erleichtern. Offene Fragen sollten helfen, Bezugssysteme zu entdecken, zu erforschen und relevante Antwortkategorien zu erfassen. Durch diesen Fragetypus fühlt sich der Befragte im eigenen Urteil als voll und selbständig genommen. Die offenen Fragen verlangen vom Befragten, sich an etwas zu erinnern, während die geschlossenen Fragen den Befragten dazu aufrufen, etwas wiederzuerkennen.
Diese Interviews sahen einerseits eine Themenzentriertheit in der Befragung vor, andererseits erlaubten sie genügend Flexibilität, um Deutungs- und Artikulationsspielräume der Gesprächspartner nicht einzuschränken. Die narrative Darstellung der Befragten sollte am engsten an die zu berichtende Handlungswirklichkeit anschließen und erlauben, Erlebnisse, Handlungen, Handlungsketten und Routinen des (Sprach)Handelns der Befragten nachzuzeichnen. Für das Interview wurden offene Fragen formuliert. Ziel war es, die von mir gesetzten Erwartungen und Reaktionen zu bestätigen und evt. zu erweitern. 4.4 Die Untersuchungspersonen Die Gruppe bestand aus 12 deutschen Teilnehmern (8 Mädchen, 4 Jungen) und 16 französischen Teilnehmern (10 Mädchen, 6 Jungen) im Alter von 14 bis 17 Jahren. Für die deutschen Jugendlichen stellte Französisch die zweite erlernte Fremdsprache in der Schule dar, für die Franzosen war Deutsch die erste Fremdsprache. Bei allen Teilnehmern war festzustellen, daß sie neben der jeweiligen Zielsprache noch mindestens eine andere Fremdsprache in der Schule lernen. Auf deutscher Seite wurden die Sprachen Englisch (als erste Fremdsprache) oder Latein, auf französischer Seite Englisch, Russisch oder Latein (als zweite Fremdsprache) genannt. 4.5 Übersicht über den Untersuchungsablauf Die Fragebögen wurden am letzten Tag des Aufenthaltes an alle Schüler verteilt. Allen Schülern wurden dieselben Fragen gestellt. Um Mißverständnissen und Unklarheiten vorzubeugen, wurden die Fragebögen im Vorfeld sowohl auf deutsch als auch auf französisch formuliert. Die Interviews wurden ca. vier Wochen nach der Begegnung mit fünf deutschen Teilnehmern durchgeführt. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, daß bei der Auswertung der Fragebögen und Interviews nicht zwischen Geschlecht, Alter und Sprachniveau differenziert wurde. Bei der Untersuchung handelte es sich lediglich um eine Bewertung des Tandemverfahrens, nicht um eine Leistungsmessung der Teilnehmer. Aus diesem Grunde stand es außer Frage, das Verfahren nationalitätenspezifisch zu untersuchen. 4.6 Aufbau des Fragebogens und Hypothesen Der Fragebogen ist so aufgebaut, daß er sich in vier inhaltliche Themenblöcke einteilen läßt:
Die abschließenden Fragen beziehen sich auf den Fragebogen selbst und sollten zu einer Reflexion des Aufenthaltes aufrufen. Diese Fragen stehen nicht in direktem Kontakt zur Untersuchung, sondern gehören lediglich zum Aufbau einer Fragebogenerhebung. Aus diesem Grund werden die Ergebnisse nicht aufgeführt. 4.7 Aufbau des Interviews und Vermutungen Die Interviews stellten eine Vertiefung und gleichzeitig eine Kontrolle der Ergebnisse des Fragebogens dar, weshalb sie auch erst nach der Begegnung durchgeführt wurden. Folgende Fragen wurden fünf deutschen Teilnehmern gestellt:
Ich vermute, daß die Aussagen der Schüler die Ergebnisse der Fragebogenerhebung bestätigen bzw. vertiefen. Weiterhin gehe ich davon aus, daß die Schüler es wünschenswert finden, das Tandemverfahren in ihren FSU einzubauen. Ich nehme an, daß sie vage Vorstellungen über eine solche Realisierung haben. |