exemples+konzepte Kurzer Leitfaden
für Leitende von binationalen Tandemsprachkursen
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Das folgende Papier beruht auf den Ergebnissen der Arbeitsgruppen der Tagung "Auswertung binationaler Sprachkurse", veranstaltet vom Deutsch-Französischen Jugendwerk im Dezember 1998 in Mittelwihr. Redigiert wurde es von Nicola Würffel in Zusammenarbeit mit Bernadette Bricaud, DFJW.

I. VOR DEM KURS BESPRECHEN
Während des Vorbereitungstreffens eines Sprachkurses sollte eine Absprache von einerseits eher übergeordneten, allgemeineren Lernzielen (Makrozielen) und andererseits von ersten auf die Zielgruppe zugeschnittenen kleinschrittigen Feinzielen (Mikrozielen) erfolgen (siehe dazu unter Punkt II.1). Man sollte sich außerdem über mögliche methodische Verfahren verständigen, um so methodische Grundsatzdiskussionen vor Ort zu vermeiden (vor allem hinsichtlich des "interkulturellen Lernens"). Die klare Formulierung der Lernziele und möglicher methodischer Verfahren vor dem Kurs stellt außerdem eine wichtige Grundlage für die permanente Evaluation während des Kurses und die Abschlußevaluation sowie den Abschlußbericht dar, weshalb auch "selbstverständliche" Lernziele durchaus noch einmal benannt werden sollten.


1. Mögliche übergeordnete Lernziele

 1.1 Linguistische Lernziele

  • Die Lernenden sollen die Möglichkeit erhalten, schon erworbene Kenntnisse einzusetzen.

  • Sprachliche Fehler sollen als wichtiger Bestandteil des Spracherwerbsprozesses (von den Lehrenden wie von den Lernenden) anerkannt und (abgestuft) zugelassen werden.

  • Die Lernenden sollen motiviert/animiert werden, frei und möglichst ohne große Hemmungen zu reden.

  • Die Lernenden sollen in die Lage versetzt werden, in der Alltagskommunikation zu bestehen. Darüber hinaus sollen den Lernenden aber auch zunehmend die sprachlichen Mittel für Meinungsäußerungen vermittelt werden.

  • Die Vermittlung von Fachsprachen kann in bestimmten Kursen ein Ziel sein, um die Lernenden auf die berufliche Situation im anderen Land vorzubereiten.




 1.2 Interkulturelle Lernziele

  • Die Lernenden sollen Kenntnisse über die andere Kultur erhalten, sich für das Fremde öffnen und ihr Interesse an der anderen Kultur intensivieren.

  • Sprache soll als Instrument verstanden werden, das dem übergeordneten Zweck des interkulturellen Austauschs dient (je nach Kursform mit Einschränkungen).

  • Eine sofortige oder spätere, kurzfristige oder langfristige Verhaltensänderung im Kontakt mit dem Fremden soll eingeleitet werden: Eine Bewußtseinsschärfung für das Anderssein des anderen sowie für die eigene Positionen soll erfolgen, ein Perspektivenwechsel bei den Lernenden angeregt und die Empathiefähigkeit gefördert werden.




 1.3 Soziale Lernziele

  • Die Gruppenbildung soll gefördert werden (methodisches Verfahren: der Rahmen für vielfältige persönliche Kontakte innerhalb der Gruppe wird durch unterschiedliche Methoden geschaffen: Wechsel der Tandempartner 1) , Spiele, Kommunikationsanlässe, Freizeitaktivitäten).

  • Vertrauen unter den Lernenden soll geschaffen sowie die gegenseitige Verantwortlichkeit im Lern- und Lehrprozeß im Tandem deutlich gemacht werden.




 1.4 Lernstrategische Lernziele

  • Autonomes Lernen soll gefördert werden.

  • Die besondere Lern- und Lehrsituation im Tandem soll von den Lernenden erkannt und konstruktiv genutzt werden.



2. Mögliche didaktische Methoden für binationale Tandemsprachkurse

  • entdeckendes Lernen (besonders in Fachsprachen-Kursen)

  • handlungsorientierter Unterricht (Möglichkeit zum Transfer am Objekt)

  • themenzentrierte Interaktion (besonders in Fachsprachen-Kursen)

  • situationsgebundene Aufgaben (Förderung der Kommunikationsfähigkeit)

  • Einbettung des interkulturellen Lernens in alle Bereiche: Immer wieder und bei den unterschiedlichsten Anlässen werden die Lernenden aufgefordert, sich selbst und ihre Partnerin bei bestimmten Situationen zu beobachten und das eigene wie das fremde Verhalten zu reflektieren und zu diskutieren.



3. Mögliche Materialien

  • Papier, Stifte, Schere

  • Zeitschriften und Zeitungen

  • Kassetten, Videos, Musikinstrumente

  • Wissen oder Materialien über Spiele, Sprachanimation (eine gute Möglichkeit zum Austausch über solche und andere Informationen bietet das "FORUM SPRACHE" auf dem Webserver des DFJWs – http://www.dfjw.org -; die Qualität dieses Forums hängt allerdings von uns allen ab, jeder Beitrag ist also wichtig!).



II. WÄHREND DES KURSES BEDENKEN

1. Mögliche Feinziele

  • Gewichtung der linguistische Ziele nach Zusammensetzung des Kurses und nach Erwartungen der Teilnehmenden (z. B. besondere Förderung der kommunikativen Kompetenz, der Fertigkeit der schriftlichen Produktion, etc.).

  • Situationsbedingte linguistische Feinziele (Vorbereitung von Freizeitaktivitäten etc.)

  • Situationsbedingte und gruppenbedingte interkulturelle Feinziele (Fruchtbarmachung von kritischen Momenten in der interkulturellen oder intrakulturellen Interaktion).




2. Mögliche Progression

 2.1 Progression des gesamten Kurses

    Die mögliche Progression hängt natürlich entscheidend von der jeweiligen Zielgruppe ab: in der Schule z.B. wird die thematische Progression von dem Ziel geleitet, die Schüler und deren Erlebniswelt als Ausgangspunkt zu nehmen und diese in konzentrischen Kreisen zu erweitern. Im berufsbezogenen Sprachkurs erfolgt eine linguistische Progression vom Grundwortschatz zum Fachwortschatz, mit situativer Anwendung des Erworbenen vor Ort. Ein Sprachkurs mit thematischem Schwerpunkt (z.B. Sport) orientiert sich in seiner Progression auch oder vor allem an den außerunterrichtlichen Aktivitäten. Während einer "Simulation globale" gibt es vor allem eine thematische Progression (die linguistische Progression soll jedoch nicht außer Acht gelassen werden).
    Auf jeden Fall sollte auch eine mögliche Progression vor dem Kurs anvisiert, während des Kurses verfolgt, gegebenenfalls berichtigt und nach dem Kurs evaluiert werden. So kann eine reine "Situationsanhäufung" ohne erkennbare Progression vermieden werden.



 2.2 Progression in einzelnen Lerneinheiten

    Ein mögliche Form der Progression für einzelne Lerneinheiten können die folgenden vier Etappen darstellen:

  1. Sensibilisierung für das Thema (z.B. die Insel Borkum)
  2. Linguistische Arbeit (z.B. Wortschatzarbeit im Tandem zu "Insel")
  3. Praktische Anwendung des theoretisch Gelernten (z.B. deutschsprachige Führung auf der Insel)
  4. Transfer (Anwendung des Gelernten in anderem Kontext)



3. Mögliche (kursbegleitende) Evaluationsformen

Die kursbegleitende Evaluation ist nicht nur für die Lehrenden wichtig, um ihr Vorgehen überprüfen zu können, sie hilft auch den Lernenden, sich ihrer eigenen spezifischen Progression bewußt zu werden. Mögliche Formen der kursbegleitende Evaluation sind folgende:

  • Arbeitsergebnisse werden nicht auf der Tafel gesammelt, sondern auf dem Flipchart oder auf einem Stück Tapete. Die an die Wand gehefteten Ergebnisse jeder Lerneinheit bleiben auf diese Weise den gesamten Kurs über einsehbar und zeigen in ihrer steigenden Fülle, wieviel schon erarbeitet worden ist.

  • Täglicher 15 minütiger „Runder Tisch“, einmal mit den Teilnehmenden, einmal ohne diese (Ergebnis: Tagesbilanz, hinsichtlich des Sprachkurses: Einschätzung der Progression, der Teamarbeit und des inhaltlichen Programms).

  • Zwischenbilanzen (mit Überprüfung der Anfangserwartungen und Wünsche der Teilnehmenden)

  • ein gemeinsames Reisetagebuch, das jede am Schluß mit nach Hause nehmen kann – oder ein Reisetagebuch, das jeder Teilnehmende individuell führt, und in dem z. B. die Höhepunkte des Tages (im Sprachkurs und in der Freizeit) und interkulturell interessante Erlebnisse notiert werden

  • Videofilmsequenzen

  • Autoevaluation der Teilnehmenden: die Teilnehmenden sollen sich vor allem ihrer Erfolge bewußt werden (Erfolgserlebnisse schaffen); dies kann z. B. durch Wiederholung des Erlernten in einem anderen Kontext erfolgen (sanfte Form der Kontrolle)

  • "Sprechstunde" der Lehrenden: jeden Tag mit einer Lehrenden, mit der in persönlichem Rahmen über Probleme jeder Art (also auch sprachlicher Art) gesprochen werden kann.



III.
 BEI KURSENDE NACHFRAGEN

1. Möglicher Evaluationsbogen (siehe "Evalutationsbogen").
Je nach Kursart (Gruppe) und –inhalt können unterschiedliche Elemente benutzt bzw. ausgelassen werden. Sollen noch zusätzliche Fragen hinzugefügt werden, so sollte folgendes beachtet werden:

  • konkrete Fragen stellen

  • teilnehmergerechte Fragen stellen



2. Andere mögliche Formen der Abschlußevaluation

  • "Der Fischer": Der Kurs ist das Meer, die Teilnehmenden die Fischer, die die Fische in diesem Meer fischen. Es gibt große Fische, die man zum Verkauf behält, kleine, die man wieder ins Meer zurückwirft, weil sie noch nichts wert sind, und Abfall (Schuhe, Flaschen etc.), der ganz unnütz ist. Kärtchen in Form von großen, kleinen Fischen, Flaschen etc. werden vorbereitet. Jede kann auf der von ihr gewählten Kärtchen notieren, was für sie ein guter oder schlechter Fang war.

  • Das "persönliche Geschenk": Jeder schreibt für jeden zwei Sätze auf ein Kärtchen (einen Rat und ein Lob).

  • Mündliche Abschlußevalutationen mit Hilfe von Rollenspielen, Sketchen etc.

  • Gleichen Test am Anfang und am Ende des Kurses schreiben lassen.



IV. NACH DEM KURS NACHDENKEN

Abschlußbericht, erstens der Veranstalter und zweitens der Lehrkräfte und gegebenenfalls der Animateure (mögliches, flexibles Raster: siehe "Abschlußbericht")




    1) Gerade weil wir uns mit Sprache beschäftigen, soll in diesem Papier das Problem der ausschließlichen Verwendung der "männlichen Form" als geschlechtsübergreifender Gattungsbegriff nicht einfach ignoriert werden. Um die Lesbarkeit des Textes nicht durch die ständige Nennung der männlichen und der weiblichen Form zu erschweren, werden Maskulina und Feminina gleichermaßen als Gattungsbegriffe verwendet – eine Form, die man zumindest in Deutschland in immer mehr Publikationen findet. zurück

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