exemples+konzepte
Methoden und Materialien zum Sprachenlernen im Tandem –
der Beitrag des Deutsch-Französischen Jugendwerks zur Entwicklung der Fremdsprachendidaktik

Dr. Fritz Kerndter, ehem. Leiter des Sprachreferats des DFJW
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Spracharbeit mit Erwachsenen

Außer den Berufstätigen, die mit bis zu 30 Jahren naturgemäß zu den "Erwachsenen" zählen, konnte und kann in der Förderungspraxis des DFJW nur eine Personengruppe ohne Altersbegrenzung noch finanzielle Unterstützung für den Austausch erhalten: Führungskräfte der Jugendarbeit und sonstwie verantwortlich im deutsch-französischen Bereich tätige Personen. Eine seit 1965 vom Kuratorium ausdrücklich gebilligte Auslegung erlaubte es dem DFJW, z.B. Französisch- und Deutschlehrer an Schulen und in der außerschulischen Bildung als solche ,Führungskräfte’ anzusehen und sie ggf. finanziell zu fördern. Eine analoge Auslegung, wenngleich mit Einschränkungen, bezog sich seit 1974/75 auch auf die Verantwortlichen für die immer zahlreicheren Partnerschaften von Städten und Gemeinden in Deutschland und Frankreich. Auch wenn nicht jeder deutsche und französische Bürgermeister oder Gemeinderat direkt vom Jugendwerk gefördert werden konnte, so sollte in der Partnerschaftsarbeit doch zumindest der Spracherwerb erleichtert werden.

Die AALF, deren Mitglieder in Schleswig-Holstein und im Saarland selbst z.T. aktiv mit Austausch in Städtepartnerschaften befasst waren, begann Ende der 70er Jahre mit der Erarbeitung einer Unterrichtskonzeption und von Materialien für die sprachliche Vorbereitung von Partnerschaftsaustausch. Die Praxis des extensiven Unterrichts für Französisch und Deutsch – in Deutschland von den Volkshochschulen, in Frankreich meist von Partnerschaftskomitees getragen – hatte seit langem erkennen lassen, dass die meist auf Langfristigkeit angelegten Kurse nicht in kurzer Zeit schon eine Sprachkompetenz vermittelten, die die vielfach "sprachlosen" Begegnungen Erwachsener ("Händeschütteln, Lächeln, Schulterklopfen...") durch eine wenigstens rudimentäre sprachliche Kommunikation bereichern konnte. Ein (erst 1984 in endgültiger Version in Buchform erschienenes) AALF-Material "La France, on y va" und "Kommen Sie mit nach Deutschland?", jeweils mit getrennten Übungsheften, enthielt jetzt – in beiden Sprachen parallel gestaltet – Modelldialoge für Standardsituationen bei Reisen Erwachsener in die Partnerstadt: Ankunft im Bus, Begrüßung, Fahrt in die Wohnung der Gastfamilie, die erste Mahlzeit, Stadtbesichtigung und Einkaufsbummel u.a. Für jeden thematischen Bereich war – entsprechend den in der Fremdsprachendidaktik inzwischen gemachten Fortschritten – eine präzise Beschreibung der jeweiligen Lernziele und eine Auflistung der zu verwirklichenden Sprechintentionen vorgegeben: die Forschungsarbeiten des Europarats zu "Niveau Seuil" und "Kontaktschwelle" hatten auch beim DFJW Früchte getragen... "La France, on y va" und "Kommen Sie mit nach Deutschland?" löste in einigen Abendkursen vor allem in Frankreich, aber auch da und dort in Deutschland, die sonst üblichen Lehrbücher ab; es diente bis in die 90er Jahre hinein vielfach auch als erste Grundlage für binationale Spracharbeit, wenn sich z.B. deutsche und französische Lernergruppen im Rahmen sog. "Sprachstudienreisen" trafen.

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