Arbeitstexte de travail

Begegnungen zwischen 9- bis 11-jährigen deutschen und französischen Schülern
D
EUTSCH-FRANZÖSISCHE LANDSCHULHEIMAUFENTHALTE

Margot Umbach
Begegnungen 9 bis 11-jähriger Kinder; zur Kontaktentwicklung: Nähe - Distanz

Inhaltsverzeichnis

Teil I - Schulaustausch und interkulturelle Kontakte

A. Nähe - Distanz

1. Nähe - Distanz: Konflikte unter den begleitenden Erwachsenen

Während sich die Kinder spielerisch entfernen und nähern können, sind die Erwachsenen durch ihre Verantwortung, die sie übernommen haben, miteinander in einem erst einmal institutionellen Kontakt in bezug auf das gemeinsame Projekt. Man kennt sich aus der Institution Schule unter Deutschen bzw. Franzosen. Man lernt sich am Anfang durch Worte kennen, d.h. jeder vermittelt einen sehr speziellen Aspekt seines Gedankengebäudes, aber kaum etwas von sich selbst. Die Erfahrungen in gemeinsamen Aktionen folgen später. Es ist anzunehmen, daß man anfangs kaum etwas von dem anderen "verstanden" hat. Nach allen Erkenntnissen der Wahrnehmungspsychologie ist es sogar unwahrscheinlich, daß man sich versteht. Das Problem ist, daß man meistens glaubt, man habe verstanden.

Das liegt nicht an mäßigen Übersetzungen, wie dies oft von den sich in Konflikten gegenüberstehenden Kontrahenten angenommen wird, sondern vor allem daran, daß es unwahrscheinlich ist, ohne miteinander eine Reihe konkreter Erfahrungen und Verstehensversuche in Zusammenarbeit mit den anderen selbst zu haben, einen R a h m e n zu verstehen, auf dessen Hintergrund sich bestimmte Aussagen aufbauen.

Es ist schwierig, schier unmöglich, Einzelvorschläge und Einzelaktionen ohne Kenntnis des Gesamtzusammenhangs richtig einzuschätzen, d.h. z.B. ohne das Konzept der Schule zu kennen, den Schwerpunkt der Lehrer, "ihre Philosophie" oder gesellschaftliche Orientierung, ihr pädagogisches Konzept, das spezielle Verhalten in bezug darauf (entspricht es dem dargestellten Konzept? Ist es widersprüchlich? etc.).

Nähe und Distanz kann sich hier mindestens auf zwei Ebenen entwickeln, die im schwierigsten Fall auch noch gegenläufig sein können:

- auf der Ebene der persönlichen Zuneigung/Abneigung, Sympathie/Ablehnung gegenüber einer Person;

- auf der Ebene der rationalen Zustimmung oder Ablehnung eines Gedankens, eines Konzeptes.

 

Will man z.B. die Zuneigung einer Person nicht verlieren, besteht die Tendenz, Ablehnung auf der rationalen, verbalen Ebene zu vermeiden. Dabei läuft man jedoch Gefahr, die massiven Konsequenzen eines solchen Vermeidungsverhaltens später tragen zu müssen : Der andere tut - im schlimmsten Fall - was er gesagt hat, wogegen man selbst schweigt.

Erfolgt nach einigen derartigen Erfahrungen keine Klärung der Diskrepanzen (gegenseitige Erwartungen, Widersprüche in Bezug auf das Konzept und das spezielle Verhalten), werden die Ängste (in bezug auf Ablehnung oder auf Verlust der Zuneigung) nicht mehr bearbeitbar, und es ist damit zu rechnen, daß diese verdrängten Konflikte sich verdichten und zu gegenseitigem Unmut und zur Distanznahme führen, gerade zu dem, was man vermeiden will. Erst nach einer Reihe von Erfahrungen miteinander und entsprechenden Erklärungsversuchen ist zu erwarten, daß sich langsam eine Vorstellung entwickelt von dem, was ein anderer intendiert. Es wird voraussehbar, wie sich ein Vorschlag realisieren wird, d.h., es ist angemessener einschätzbar, wie und was der/die andere tun wird, warum und in welchem Zusammenhang.

Eine der massivsten Konfliktsituationen ergibt sich dann, wenn unterschiedliche Standpunkte geäußert werden (mehr oder weniger deutlich) und wenn versucht wird, die real vorhandenen Unterschiede mit Mitteln von Macht und Einfluß zu "lösen". Machtnahme kann z.B. folgendermaßen erfolgen:

- durch Majorisieren einer Minderheit und/oder durch Majorisieren einer Mehrheit durch eine Minderheit!

- durch Ausübung direkter oder indirekter Kontrolle aufgrund einer realen Machtposition in einer Institution (z.B. durch ablehnende Beurteilungen, Gebote, Verbote, Weisungen, Druck, Drohungen u.a.)

- durch Informationsmanipulation, Monopolisierung von Information, Ausschalten anderer aus dem Informationsprozeß.

 

Es mag vielleicht verständlich sein, warum nicht jeder jederzeit den vorhandenen Problemen auf den Grund gehen will: Es gibt nämlich einige Bedürfnisse, die dieser "Schwerstarbeit" auszuweichen, naheliegen.

- Langandauernde Anstrengung und Streß sind keine Motivation dafür, langfristig freiwillig etwas zusammen zu tun, zusammen zu leben und Interesse aneinander zu entwickeln bzw. zu behalten. Es bedarf auch hier einer Balance zwischen persönlicher Bedürfnisbefriedigung und der Anstrengung, die damit verbunden ist, wichtigen Konflikten auf den Grund zu gehen, die die Zusammenarbeit belasten oder im schlimmsten Fall blockieren.

Es ist für Lehrer ebenso wichtig wie für die Kinder, eine relativ große Bedürfnisbefriedigung zu erfahren; einmal für sie persönlich und zum anderen: die Freude und das Interesse, das die Lehrer aneinander haben, überträgt sich - beobachtbar - auf die Kinder, ebenso ihre Konfliktbereitschaft.

Konflikte, Wut und Mißverständnisse, Auseinandersetzungen und Ablehnung sind alltägliche Komponenten deutsch-französischer Gruppen. Nicht jeder liebt jeden, nicht jeder fühlt sich zu allen hingezogen; weder innerhalb der gleichen Nationalität noch zwischen den Nationalitäten.

Man sollte nicht davon ausgehen, daß sich Deutsche und Franzosen in besonderem Maß und selbstverständlich voneinander angezogen fühlen. Warum auch? Glücklicherweise treffen Menschen, wenn sie nicht unter äußerem Druck stehen, von sich aus differenziertere Wahlen als diejenigen, die sich nach nationalen Zugehörigkeiten anbieten.

 

2. Nähe - Distanz - Kontaktaufnahme bei den Kindern oder gibt es Kinder, die größere Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme haben als andere?

Ein Beispiel: J. oder die Wahl des richtigen Mittels.

J. ist ein deutscher Junge. Er ist bemerkenswert eigenständig in seinen Entscheidungen und verhält sich unabhängig vom Gruppendruck und der Meinung anderer. Er macht sich seine Gedanken und wählt nach seinen Interessen, ohne dabei allerdings die Interessen anderer zu verletzen. Wenn er glaubte, er habe jemanden durch sein Handeln verletzt, so versuchte er, sich zu erklären: so z.B. im Umgang mit seiner alten Freundin und französischen Mädchen. Wenn er malen wollte, ging er in die Gruppe, wo gemalt wurde, auch wenn er darin der einzige Deutsche war. Hatte er Lust, mit Holz zu arbeiten, ging er in die entsprechende Gruppe, ohne die Zusammensetzung der Gruppe in Betracht zu ziehen. Zu anderen Aktivitäten war er voll in seine deutsche Klasse integriert, beliebt als Vermittler und geachtet in dem, was er in der Klassenversammlung sagte; ein fairer Spielpartner, ein freundlicher Helfer, ein verläßlicher Partner.

Während einer der turbulenten Ins-Bett-geh-Aktionen ereignete sich folgendes: Zwei französische Jungen wollen sich mit zwei deutschen Mädchen verabreden. Ihr Mittel: "ranklotzen", Türen knallen, Zettel ins Zimmer werfen, wegrennen, in die Ecke schauen, ob eine Reaktion kommt. Nichts! Man bullert an die Tür, lugt durch einen Spalt, reißt die Tür auf, verschwindet um die Ecke. Die Mädchen lassen sich nicht sehen. J. hockt auf der Treppe und verfolgt die Szene. Nach einer Weile winkt er den beiden französischen Jungen, bedeutet ihnen durch Gesten: So geht das nicht (so habe ich seine Gesten interpretiert), spielt ihnen eine Alternative vor: anklopfen, langsam und freundlich die Tür öffnen, hineingehen, den Zettel geben, stehenbleiben.

Die beiden schauen sich an, treten von einem Fuß auf den anderen. Da geht J. vor, simuliert das Anklopfen an der betreffenden Tür, schiebt sie hin und nickt ihnen freundlich zu. Seine Gestik bedeutet: langsam, langsam, sachte, sachte.

Die beiden wagen es. Sie folgen den Anweisungen. J. setzt sich wieder auf die Treppe. Die Aktion verläuft erfolgreich: J. sitzt auf der Treppe und strahlt.

 

Distanzreduzierende Verhaltensweisen

Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Geduld, Aufmerksamkeit gegenüber anderen, Offenheit (von der als offen wahrgenommenen Zimmertür bis hin zur Offenheit im Sinne von Aufgeschlossenheit gegenüber Problemen und Personen), relative Angstfreiheit: diese Attribute gaben sich Kinder untereinander, wenn sie versuchten, Kinder zu beschreiben, mit denen sie Kontakt gesucht haben oder die sich von Ferne freundschaftlich gesonnen "mochten", die sie "nett" fanden und deren Namen sie kannten, auch wenn sie gar nicht oder kaum direkten Kontakt miteinander hatten. Man nahm offensichtlich auch aus der Ferne sehr wohl war, wer - wie - war, zu wem man Vertrauen haben konnte und zu wem nicht. Ich selbst stellte fest, daß die so empfundenen Kinder häufig zu denen gehörten, die mehr differenzierten als die meisten anderen, die selten unzulässig verallgemeinerten und bisweilen Gegenbeispiele brachten, um ein massives Vorurteil gegen den Franzosen/Deutschen aufzubrechen.

 

Distanzierende Verhaltensweisen

Häufige Aggressivität verursachte, vornehmlich bei einer Reihe französischer Mädchen, Angst (nach eigenen Aussagen). Unfreundlichkeit, Unverschämtheiten (etwas mutwillig kaputtmachen, andere auslachen und sich über sie lustig machen etc.), expansives Verhalten (andere vom Platz verdrängen mit Ellenbogenmethoden, sich mit Gewalt Material, z.B. Spiele aneignen, obwohl andere es für sich besorgt hatten, etc., sich durch Kraft und Gewalt durchsetzen), Dominanzversuche (über andere bestimmen wollen, die Interessen anderer ignorieren), all diese Verhaltensweisen verhindern die Entwicklung von Nähe.

Im Gegenteil, sie bedingen Distanznahme und Angst vor den betreffenden Personen. Solche Verhaltensweisen scheinen ziemlich eindeutig identifizierbar zu sein, auch wenn sprachliche Klärung nicht gegeben ist. Es ist eine Häufung alltäglicher Ereignisse, die diese Verhaltensweisen erfahrbar machen.

Intonation und Gesichtsausdruck sowie die Beobachtungen derer, die durch solche Verhaltensweisen benachteiligt wurden, sind Interpreten der Situation.

Wenn Kinder solche Verhaltensweisen aufweisen, ist es für sie selbst meist von erheblichem Nachteil. Sie möchten normalerweise gerne teilhaben an der Entwicklung neuer Beziehungen, verhindern aber so selbst den Zugang zu sich. Durch Aggressionen versuchen sie dann oft, selbst Kontakte zu knüpfen, die sie in den seltensten Fällen zu ihrem Ziel führt: befriedigende Kontakte mit anderen. Dieses Muster "gelingt" nur, wenn sie (vor allem Jungen untereinander) auf "Ihresgleichen" stoßen, d.h. auf Partner, die ein ähnliches Verhaltensmuster aufweisen.

Einer der als recht aggressiv empfundenen deutschen Jungen wollte zwei französische Jungen zu sich in die Familie einladen. Er schien freudig erregt und gespannt, als er mich bat, den beiden seinen Wunsch zu übersetzen. Mit Aufmerksamkeit verfolgte er ihre Mienen. In denen spiegelte sich pure Abwehr, von der entsprechenden Gestik unterstrichen. « Non, jamais. Jamais chez lui ! Definitif ! »

Sie "kannten" ihn, obwohl sie selten mit ihm in direktem Kontakt - wie sie sagten - waren. Ihr Grund: "Der schlägt und ist gemein." Bodenlose Enttäuschung bei dem deutschen Jungen, er konnte die Ablehnung nicht fassen. Danach weigerte er sich strikt, andere Kinder bei sich aufzunehmen.

 

Erwartungen der Kinder an die Begegnung

Nicht alle Kinder sind in ihrer Erwartung an dem Aufenthalt vor allem an Kindern der anderen Nationalität orientiert! Es gibt eine Reihe von Kindern, die ihre alten Freundschaften pflegen wollen, vor allem unter Mädchen. Dies ist eine Teilerklärung für die Wahl und die Zusammensetzung der Zimmer.

Aus Gesprächen, die ich mit Kindern geführt habe, geht deutlich hervor, daß für etwa ein Fünftel der Kinder der Aufenthalt auch ohne die Kinder der anderen Nation hätte stattfinden können. Für einige wäre das sogar erheblich erfreulicher gewesen. "Die bringen doch nur alles durcheinander. Erst war das so schön in unserer Klasse. Jetzt ist alles durcheinander." Diese Äußerungen kamen fast identisch von französischen und deutschen Kindern. Gemeint war : die sozialen Beziehungen in der Klasse sind durch die neuen Beziehungen, die sich zwischen Deutschen und Franzosen ergeben haben, "durcheinander" gebracht worden. Nichts ist mehr so wie früher. Alles wird anstrengender, aufregender, unsicherer. Die alten selbstverständlichen Spielkameraden sind nicht mehr so selbstverständlich zur Verfügung.

"Die Ausflüge könnte man auch alleine machen. Dazu brauchen wir die Deutschen/Franzosen nicht." "Ich fände es besser, wenn das hier ein Landschulheimaufenthalt wäre ohne Franzosen. Dann wäre unsere Klasse nicht so kaputt." Die erste Äußerung kam gleicherweise von Franzosen und Deutschen, letztere vornehmlich von deutschen Kindern, bei denen sich die Beziehungsstruktur schwerwiegender verändert hatte als unter den französischen Kindern. Dabei scheint mir das "Schwerwiegende" in der Art der deutschen Jungen zu liegen, ihre alten Freundinnen kalt "abfahren" zu lassen, was ich in der Härte unter den Franzosen nicht beobachtet habe.

 

Persönlichkeitszüge und das soziale Feld der Gruppen

Nicht alle Kinder weisen die Leichtigkeit auf, wie J., mit vielen Kindern - wenn nötig - befriedigende Kontakte aufnehmen zu können. Es gibt eine Reihe von Kindern, bei denen Unsicherheit und Ängstlichkeit eine wichtige Komponente ihres Sozialverhaltens sind.

Es gibt introvertierte Kinder, die kaum Verhaltensformen zur Verfügung haben, sich in dieser relativ kurzen Zeit für Fremde zu öffnen oder auf sie aktiv einzugehen. (Unsicherheit).

Das bei vielen Kindern vorhandene Interesse an neuen vielfältigen Erfahrungen - neuen « Freunden » und "was Neues erleben" - pendelt sich ein mit dem Bedürfnis nach Sicherheit, Wohlbefinden und Tun, wozu man Lust hat.

Kontakte ohne Sprachkenntnisse werden teilweise als sehr anstrengend erlebt. Die erste Begegnung ist voller Optimismus und die ersten « Mißerfolge » der Kontaktaufnahme mangels Sprache bedürfen der individuellen Verarbeitung und oft des Rückzugs in die vertraute nationale Bezugsgruppe. Dort weiß man, bis man versucht, sich andere Mittel anzueignen, was man zu erwarten hat und ist bereits "eingespielt".

Der Kontakt mit den "Neuen" kann andererseits die Chance sein, endlich so anerkannt zu werden, wie man es zu Hause nicht wird, da andere Erwartungen in der Situation vorherrschen. Dies ist oft eine große Chance für Außenseiter der Gruppen. In diesem Fall erscheinen die zuvor genannten Probleme als geringfügig.

Jeder wird so agieren und reagieren, daß die Situation für die Person eher Wohlbefinden ermöglicht als ständige Strapazen. Im optimalen Fall pendeln sich Anstrengung (Umgang mit den "Fremden") und Entspannung (oft unter den alten Bekannten) ein.

 

Kontaktaufnahme und Distanznahme im Prozeß

Mir scheint auf diesem Hintergrund eine gewisse Wellenbewegung von Kontaktaufnahme und Distanz erklärbar.

1. Phase

- Kontaktinteresse, Neugierverhalten, spontane Versuche erster Kontaktaufnahme;

- erste Erfahrungen der realen Schwierigkeiten,

- Zurückhalten: Distanznahme.

Es gibt Kinder, für die ist die gesamte bewegte Szenerie voller Emotionen und Ereignisse und Lärm nach ihrem persönlichen Eindruck "zu viel". Sie sind durch ihr Alltagsleben auf diese Art von Turbulenzen nicht vorbereitet. Auch Schule und Elternhaus halten ja vorwiegend Emotionen und Lärm in einem bestimmten Maß unter Kontrolle!

Eine Reihe von Unpäßlichkeiten unter den Kindern führe ich auf diese Gegebenheiten zurück, z.B. Periode mit schmerzhaften Begleiterscheinungen während der Begegnung aber nicht zu Hause, Magenschmerzen und ähnliches. Besonders "schmerzlich" wird die Situation dann, wenn noch spezielle individuelle emotionale Enttäuschungen hinzukommen, die man sich nicht eingestehen will: enttäuschte Beziehungserwartungen, seien sie auf Kinder der eigenen Nation gerichtet oder an die der anderen.

Das Heimweh-Phänomen ordne ich ebenfalls in den Zusammenhang dieser Faktoren ein: Wie sehr "Heimweh" von der sozialen Befindlichkeit in der Gruppe abhängt, macht eine Äußerung besonders deutlich: "Wenn ihr/die nicht so doof zu mir seid/sind, habe ich auch kein Heimweh." Es ist anzunehmen, daß jene Kinder besonders von Heimweh betroffen sind, die sich in der Gruppe emotional nicht wohlfühlten, sich nicht angenommen und nicht akzeptiert fühlten. Es ist also sinnlos, sich ironisch über das "Heimweh der kleinen Mädchen" hinwegzusetzen. Es ist ein Symptom für die Entwicklung des Innenlebens der Gruppe(n).

Es gibt keinen Grund anzunehmen, daß sich in einer deutsch-französischen Gruppe 9 - 11jähriger die Kontaktinteressen automatisch und in besonderem Maße auf die Angehörigen der anderen Nation richten müssen. Es ist vielmehr davon auszugehen, daß sich Erwartungs- und Neugierverhalten gegenüber "den Fremden" und der fremden Umgebung ausbalancieren mit persönlichem Wohlbefinden. Da gibt es u.U. Situationen, wo Kontaktbemühungen in harte Arbeit umschlagen (Sprachprobleme, Mißverständnisse, Unsicherheit).

Man ist vor allem bei "den Seinen" sicher und beobachtet vornehmlich die anderen. Je nach persönlicher Befindlichkeit und Erfahrung gibt es mehr oder weniger spontane Kontakte und Erfahrungen mit "den anderen".

2. Phase

Nach Beobachtungen und persönlichen Erfahrungen mit dem Verhalten und der Körperlichkeit der anderen gewinnen die einzelnen mehr Sicherheit in der Einschätzung der anderen. Das Verhalten wird verständlicher, kalkulierbar. Angst und Unsicherheit verringern sich. Es ebnet sich der Weg zu stabileren Kontakten und häufigeren spontanen oder gezielten Interaktionen oder zu bewußter Distanznahme.

 

Diese Phasen sind auch als Spiralmodell denkbar, wo sich je nach Umständen, z.B. bei Konflikten, emotionalen und libidinalen Problemen die Phasen wiederholen, unterschiedlich lang und intensiv je nach den gegebenen Umständen.

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