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Begegnungen zwischen 9- bis 11-jährigen deutschen und französischen Schülern |
Margot Umbach
Begegnungen 9 bis 11-jähriger Kinder; zur Kontaktentwicklung: Nähe - Distanz
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B. Beobachtungen zum Umgang mit nationalen Vorurteilen. Die Handlungsrelevanz nationaler Vorurteile und nationaler Zugehörigkeit. 1. Vorbemerkung
Auf diesem Hintergrund sind die Ereignisse mit groben Vorurteilsstrukturen zu sehen, Typ : "Die Deutschen / die Franzosen sind ..." Das begleitende Verhalten verteilte sich von aggressivem "in Stellung gehen" bis zum Desinteresse : "Die Deutschen / Franzosen sind ..." "Laß sie doch, die interessieren mich sowieso nicht ! Mit denen will ich nichts zu tun haben," bis zur spontanen Identifikation mit der eigenen nationalen Herkunftsgruppe.
2. Der Stapellauf des Floßes "Lönssee" oder "Der Sieger" und "seine Nationalität". An einem Sonntag nachmittag wurde feierlich der Stapellauf des großen Floßes "Lönssee" begangen. Sekt. Stille. Namensgebung. Jubel. Alle waren anwesend, Kinder wie Erwachsene. Das Floß war vornehmlich von deutschen Jungen erbaut worden, die sogleich - in der Annahme ihres selbstverständlichen Rechtes - den Fährbetrieb mit dem Floß von einem Seeufer zum anderen aufnahmen. In der "Ehrenfolge" wurden zuerst die Honoratioren, begleitende Erwachsene und die Freunde "übergesetzt", dann Mädchen eingeladen, dann fuhr die Herstellerequipe selbst ununterbrochen hin und her, etwa eine Stunde. Die Zuschauer verliefen sich, übrig blieb die Floßbesatzung und eine Gruppe französischer Jungen. Die französischen Jungen hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht das Floß betreten. Die deutschen Jungen hatten es ihnen auch in keiner Weise angeboten. Die kleine Gruppe französischer Jungen, die sich häufig in aggressiven Auseinandersetzungen sowohl mit deutschen Jungen als auch mit Mädchen befanden, plante, etwas zu unternehmen: Die Jungen bewegten das Seil, an dem das Floß über den See geleitet wurde, so daß dieses beachtlich ins Schwanken geriet. Die deutschen Jungen fuhren weiter: Verbales Geplänkel, Gebrüll, Drohgebärden beiderseits. Die französischen Jungen verstärkten ihre Aktionen. Schließlich fiel ein deutscher Junge von dem schwankenden Floß. Die französischen Jungen jubelten vor Freude. Die Deutschen planten Rache. Die französischen Jungen verschwanden. Auf dem Rückweg riefen sie den französischen Mädchen zu, was geschehen war. Darauf ein französisches Mädchen: "Wir haben gewonnen! Wir haben gewonnen!" Sie trug die Freude und den Jubel wie nach einem gewonnenen Fußballspiel in die französische Gruppe. Die Identifikation mit der eigenen nationalen Gruppe war spontan und ungebrochen. Nun war gerade das Mädchen, das diese Siegesbegeisterung weitertrug, eine von denen, die nach meiner Kenntnis gern und oft mit Deutschen spielte, eine von denen, die im engsten Zimmerkontakt mit einem anderen deutschen Zimmer stand. Fazit: Es gibt ein intensives Zugehörigkeitsgefühl zu der eigenen Klassengemeinschaft. "Die anderen" sind nicht als Gruppe die "Vertrauten", die Bekannten! Es gibt beiderseits nationale stereotype Wahrnehmungsmuster, von denen die geschlechtsspezifischen eine Variante sind. Die Kinder gehen damit eher unterschiedlich um! Die Vorurteile an sich sagen nichts über die Handlungsrelevanz aus. Diese scheint mir sowohl abhängig zu sein von Persönlichkeitsfaktoren als auch von der Zugehörigkeit zu Cliquen. Es gibt Kinder, die sich grundsätzlich nicht von Pauschalurteilen beeinflussen lassen, weder durch kleine Gruppen, auch wenn sie ihnen angehören, noch durch Masseneffekt, im Plenum zum Beispiel. Die letztgenannten Kinder zeigen im Plenum vor allem zwei Verhaltensweisen: Sie schweigen, sind aber mit den Pauschalurteilen nicht einverstanden (Interviewergebnis). Sie nehmen öffentlich Stellung und versuchen zu korrigieren und zu differenzieren. Daß viele PlenaSituationen - ohne inhaltliche Einflußnahme von Erwachsenen - sich zugunsten der Differenzierung entwickelten, macht für mich folgendes deutlich: Es gibt Kinder, die verarbeiten narzißtische Kränkungen (abgewiesen werden durch Personen), ohne die anderen abwerten zu müssen. Andere "helfen" sich mit dem Mittel der Abwertung der infragestehenden Person oder Gruppe u.a. durch nationale Vorurteile. Kommentar: "Hör doch auf mit deinem "die Deutschen", du bist doch nur eifersüchtig, daß der X. (deutscher Junge) nicht mit dir will," (französischer Junge während eines Plenums zu einem französischen Mädchen, die sich sehr um einen deutschen Jungen bemüht hatte, der sie abgewiesen hatte). Sie war eine der lautstärksten Anklägerinnen gegen "die Untaten der Deutschen".
Festzustellen ist jedenfalls, daß einige der Kinder, deutsche und französische, eine beachtliche handlungsrelevante Fähigkeit zur Differenzierung haben und einige in erstaunlicher Deutlichkeit persönliche Ursachen von Pauschalurteilen wahrnehmen können. Das sind keineswegs alle! Diejenigen, die dazu imstande sind, sind jedoch für den Gruppenprozeß von größter Bedeutung.
3. Extreme: Verbalisierte Vorurteile und nicht-verbalisierte Zuneigung. Verbalisierte Vorurteile: Eine Tirade nationaler Stereotypen kann sich mitunter über den/die ergießen, der/die jemanden "abspenstig" gemacht hat. Dies geschieht allerdings je nach Temperament traurig, aggressiv, laut oder leise. Jedenfalls kann eine Reihe solcher Rivalitätssituationen und häufiger Wechsel von Zuneigung ein erhebliches Mißmuts- und Aggressionspotential verursachen.
Zuneigung: Etwa eine dreiviertel Stunde später als die anderen, erschienen die beiden mit Heidelbeeren in Taschentüchern, Plastiktüten und Anorakkapuzen. Sie verteilten sie an die, die gerade draußen spielten und ihnen zuerst begegneten. Dann verschwanden sie in Richtung Bach, um dort zu spielen. Das Messer wechselte alle paar Stunden den Träger. Martin verlor kein Wort über den anderen Jungen. Er wußte nicht einmal seinen Namen, aber er suchte ihn und fand ihn immer, und der andere erkundigte sich bei mir, wenn er Martin suchte. Wenn sie miteinander spielten, und man kannte nicht die Häufigkeit der Situationen, hätte man denken können, sie hätten nichts miteinander zu tun. Wortlos oder in der ihnen je eigenen Sprache konstruierten sie Gänge, besuchten sie Kühe, verschwanden sie in den Wiesen. Zum Abschied schenkte der französische Junge Martin das Messer. Dazu bat er mich, ich solle übersetzen, "das ist für dich". Martin rannte zu seiner Tasche und brachte ihm einen durchsichtigen Stein, den er immer bei sich trug. An dem Spätnachmittag, als wir uns von der Gruppe verabschiedeten und dann den Berg herunterstiegen, begleitete uns Martin's Kamerad und eine kleine Gruppe deutscher und französicher Kinder ein Stück des Weges. An einer Kurve verabschiedeten wir uns. Als wir allein weitergingen, holte Martin das Messer aus der Tasche. "Von meinem Freund", sagte er und hielt es noch auf der Heimfahrt in der Hand. Martin ist jetzt neuneinhalb Jahre alt. Das Messer hat er noch. Er hat nie über diesen Freund geredet. Er redet "über sowas" ohnehin nicht viel. Er freut sich immer sehr, wenn er mit nach Frankreich fährt. Sicher aus vielen Gründen.
4. Einteilung in Gastfamilien - "Analyseur" für die komplexe emotionale Struktur einer Kinder- oder Jugendgruppe. Die Wahl bzw. Einteilung der Kinder in Gastfamilien: Organisation zwischen "Sachzwang" und brisanten Beziehungen. Es ist nicht zu vermeiden, daß nicht alle Kinder zu den Familien vermittelt werden konnten / sich die Familien wählen können, in die sie persönlich gerne möchten. Nicht immer haben die Eltern befreundeter Kinder die Möglichkeit, Gastkinder unterzubringen, subjektiv oder objektiv. Es gibt eine Reihe sehr persönlicher Gründe, warum Eltern ihre Wohnung nicht öffnen. Objektiven Platzmangel gibt es nicht. Auch in den kleinsten Zimmern konnten nach Erfahrung Kinder untergebracht werden. Es gibt wenig objektive Gründe, warum Kinder nicht aufgenommen werden konnten: Abwesenheit der Eltern, Krankheit, beide sind berufstätig und abwesend. Es gibt die Situation, daß Kinder die Aufnahme von Gästen verweigern. Entweder sie wollen keinen Gast bei sich haben - aus welchen Gründen auch immer - oder sie wollen einen bestimmten und der / die wählt ein anderes Kind und deren Familie. Die Folge ist bisweilen die totale Ablehnung anderer Gäste. Es geschieht nicht selten, daß die Eingeladenen mit panischer Ablehnung reagieren, wenn sie zu einem Kind gebeten werden oder durch den Lehrer in eine Familie arrangiert werden sollen, zu der sie keinesfalls wollen. Die größte Schwierigkeit ergibt sich unter den Kindern, wenn sich Rivalitätsprobleme und Partnerängste in der Wahl bemerkbar machen. Die Kinder entscheiden dann offensichtlich vornehmlich so, daß die langbestehende Freundschaft den Vorrang bekommt. Dann lädt man eine "neutrale" Person als Gast ein. D.h. man lädt nicht "die Ferienfreundschaft" ein, sondern irgendjemanden, der "auch ganz sympathisch ist". Wenn der Lehrer dann gerade noch jemanden unterbringen muß, ist dies geradezu eine Hilfe, aus der emotionalen Zwickmühle herauszukommen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn es um Einladungen zwischen Mädchen und Jungen geht. Dies ruft meistens eine tiefe Enttäuschung bei demjenigen/ derjenigen hervor, der (die) auf eine entsprechende Einladung gewartet hatte. Hier wird ein Problem deutlich : die Kinder kennen zwar im Klassenverband die Freundschaftsbeziehungen, aber natürlich nicht im gleichen Maß die der anderen Klasse. Die fehlende sprachliche Verständigungsmöglichkeit schlägt hier intensiv zu Buche und trägt erheblich zur gegenseitigen Verunsicherung und Enttäuschung bei. Gerade in dieser Situation wurde ich häufig gebeten, ich möchte doch XY erklären, daß er/sie nicht eingeladen werden könne, weil sonst der Freund/die Freundin gekränkt sei. Er/sie möchte das verstehen und nicht böse sein. Der/die Begegnungspartner/in verstand meist nicht, fühlte sich verlassen und verblieb schließlich recht irritiert über all das, was da gerade so rasendschnell vor sich ging. Der Grad der Enttäuschung und des Unverständnisses derer, die glaubten, der (die) neue Freund/in würde sie sicher einladen, wurde mir erst deutlich an den hilflosen Fragen warum/warum nicht und den enttäuschten Gesichtern. Alte Freundschaft vor neuer! Eine schwer zu akzeptierende und zu verstehende Situation in der Komplexität der Begegnungen, besonders für die jeweiligen Gäste, die nicht verstanden - im weitesten Sinne. Das Vertrauen in alte Beziehungen in der nationalen Gruppe muß das Unverständliche noch vergrößern. Ich erfuhr einmal nebenbei, daß sich feste Freundespaare "Freibriefe" für die Zeit der Begegnung gegeben hatten. "Ich habe ihm gesagt : mach, was Du willst, hier sollen wir ja alle etwas mit den Franzosen machen." "Manchmal wurde es mir aber auch zuviel, da bin ich unheimlich eifersüchtig geworden. Aber ich kann ihm leider nichts sagen, ich habe ihm ja anfangs gesagt, er kann machen was er will." Nach meiner Beobachtung - vor allem unter den Mädchen - war die Kontrolle über das, was die Jungen taten recht massiv und absolut solidarisch. Was die eine nicht gesehen hatte, hatte die andere gesehen. "Na warte, wenn wir wieder in der Schule sind ..." Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, daß die Gastwahl der Mädchen untereinander recht problemlos erfolgte. Die erste spontane Wahl der meisten Mädchen waren Mädchen. Ehe sich die Jungen versahen, standen die Mädchen ohnehin nicht mehr zu Wahl. In Minutenschnelle war klar, welche Mädchen durch Mädchen in deren Familien eingeladen wurden. Zufriedene Gesichter. Viele blieben gleich nebeneinander sitzen. Mit der Einladung der Mädchen untereinander waren die « leidigen Jungenprobleme » gelöst. Kommentare von Mädchen: "Da können wir es uns alle zusammen abends im Bett gemütlich machen." "Quatschen können wir ja nicht, aber das wird bestimmt prima; ich zeig ihr dann alles, was ich habe, das interessiert sie bestimmt." Zu beobachten ist, daß sich extreme Unterschiede zwischen den Kindern zeigen, was persönliche Entwicklung, den Grad des Interesses am anderen Geschlecht wie auch die Äußerungsformen desselben anbelangt. Hier liegt für die erwachsenen Begleitpersonen ein zusätzliches, bisher kaum bearbeitetes schwieriges Aufgabenfeld. Die Situation, in der die Frage der Gastfamilie entschieden wird, hat offensichtlich viele Dimensionen und ist emotional hochgeladen für die Kinder. Kinder, die weniger Energie auf ihre Beziehungsprobleme verwenden müssen und mit ihren Gästen zufrieden sind, sehen diesen mit großer Erwartung und Freude entgegen. Sie wollen ihnen alles zeigen. Sie stellen sich vor, ganz prima miteinander zu spielen. Sie werden sie allen Bekannten und Freunden vorstellen. Andere scheinen sich eher auf mögliche Probleme zu konzentrieren: Sprache, Eßgewohnheiten, ob man auch die gleichen Interessen hat. Ein weiterer Anlaß zu emotionaler Arbeit ist dort gegeben, wo die Eltern gerne Gäste hätten, die eigenen Kinder aber keine wollen oder keine zu ihnen kommen wollen, aufgrund der belastenden Erfahrung, die die Kinder untereinander hatten. Ich erlebte folgende Situation: Nach der Wahl/Einteilung in Familien berichtete der Junge seiner Mutter: "Die Besten waren schon weg. Da hatte ich keine Lust mehr." Die Mutter : "Mußt du immer so langweilig sein ? Wann beeilst du dich mal. Hast du gehört!!!" Als der Junge nicht reagierte, schüttelte sie ihn heftig und redete weiter auf ihn ein. Schließlich riß sich der Junge los und rannte in sein Zimmer. Gast-Freundschaft ... Zur Verdeutlichung der Vielschichtigkeit einer solchen Situation möchte ich ein weiteres Beispiel geben: Ein Mädchen besteht darauf, sie wolle keine Gäste haben. Die Mutter hatte vorher die Lehrerin informiert, zwei Kinder könnten aufgenommen werden. Auf Nachfrage des Lehrers in der Gruppe kamen zuerst ausweichende Antworten, dann "außerdem habe ich meine Freunde und Freundinnen. Was sollen die denn denken, wenn ich plötzlich mit neuen ankomme !" Pause. "Die sind schon alle 15, 16 Jahre." Bemerkung von deutscher Seite: "Blöde Tucke, die gibt ja nur an mit ihren Freunden und Freundinnen." Mich machte die Bemerkung über das Alter stutzig. Später fragte ich sie nochmals zu ihrer Bemerkung. Es wurde deutlich, daß sie in dieser Bemerkung mehreres verknüpft hatte:
Mir scheint, daß sich in der Situation der Entscheidung hinsichtlich der Gastfamilien drei Gruppierungen unter den Kindern unterscheiden lassen: die Kinder,
Gedanken zu « alte Freundschaft - neue Begegnungen ». Die Aufforderungen, die offensichtlich besonders von deutschen Lehrern den deutschen Schülern vermittelt werden, sich mit besonderer Aufmerksamkeit den französischen Kindern zuzuwenden, bewirkt unter den deutschen Kindern schwierige emotionale Konstellationen und erfordert für manches Kind erhebliche emotionale Arbeit, sich affektiv in der neuen Situation zu arrangieren, vor allem für die von alten Freunden und Freundinnen Verlassenen. Eine Reihe von Kindern interpretieren die Aufforderung höchst persönlich und verstärken ihre Erwartungen, neue - bessere!? - Freunde und Freundinnen zu finden. Das bewirkt u.a., daß alte Freundschafts- und Zuneigungsmuster bis zur Unkenntlichkeit verdeckt werden, ja geradezu brüskiert werden und den Anschein des Gegenteils bekommen. Diese Situation macht es für die "Neuen" sehr schwer, alte Freundschaftsmuster zu erkennen und sich zu dieser Realität angemessen zu verhalten und sich darauf einzustellen. Tiefe Enttäuschungen sind so geradezu unausweichlich. Die Szenen bei der "Einteilung in Gastfamilien" machen diese Problematik besonders deutlich. Beim Sichtbarwerden aggressiver Verhaltensweisen zwischen Kindern sollte diese latente emotionale Problematik und die notwendige persönliche emotionale Arbeit mitbedacht werden. Die Kinder fordern nicht umsonst in Plena immer wieder, darüber miteinander zu sprechen. Diese Ebene scheint, ohne Hilfe nicht non-verbal bearbeitet werden zu können. Zu beobachten ist, daß die Lehrer diese Vorschläge nicht aufgreifen und die Kinder nicht imstande sind, entsprechende Gespräche eigenständig einzuleiten.
5. Die Stunden nach der "Einteilung in Familien" Die Tatsache, daß die Kinder wußten, a) in welche Familie sie gehen würden und b) wer ihr Gast sein würde, veränderte die Atmosphäre spürbar. Es kam sichtbar Bewegung in die sonst vornehmlich nationalen Gruppen. Neue Konstellationen ergaben sich beim Spielen, beim Spazierengehen, der Tischdienst wurde von einigen spontan umorganisiert, weil neue deutsch-französische Gast-Konstellationen zur gemeinsamen Arbeit motivierten. Bei der Begegnung 1981 wurden die recht festgelegten nationalen Tische aufgelockert durch Gast-Gastgeber-beziehungen. Mehrere Mädchen waren den Rest des Tages und später auf den Zimmern untrennbar. Es wurde gemalt, gezeigt, gestikuliert, um sich zu verständigen. Ein deutsches Mädchen hatte nahezu den ganzen Nachmittag ein französisches Mädchen auf dem Schoß und an der Hand. Als drei deutsche Jungen, wie häufig, französische Mädchen dadurch nervten, daß sie sie unter den Rock faßten und zu küssen versuchten, unterstützten die deutschen Gastgeberpartnerinnen die französischen Mädchen erstmals spontan und nachdrücklich in deren Abwehr. In dieser Situation gab es mehr oder weniger wendige und originelle Kontaktversuche. Es gab die, die still beeinanderhockten und zufrieden erschienen und die, die nervös wurden, weil ihnen nichts einfiel. Ein deutscher Junge bemühte sich z.B. non-verbal intensiv um seinen Partner. Vergeblich. Schließlich saßen sie schweigend nebeneinander, bis nach einer Stunde der deutsche Junge wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nachging: Landkartenzeichnen. Die hier beschriebenen befriedigenden Beziehungen zwischen deutschen und französischen Mädchen treffen nicht auf alle Mädchen zu. Es gab immer etwa zwei bis drei Mädchen und auch Jungen, die von den Deutschen, ob Jungen oder Mädchen schlicht nichts wissen wollten, und deutlich vermerkten, sie wären in Deutschland eigentlich lieber nur mit der eigenen Klassengemeinschaft. |