Arbietstext Nr. 4 - “Wider die falsche internationale Höflichkeit"

Arbeitstext Nr.4 Charlotte Herfray “Wider die falsche internat ionale Höf l ichkei t" Notizen zu einem Begegnungsprozess (Übersetzung aus dem Französischen von Barbara Lorey) Vorbemerkung: In diesem Text soll der Versuch einer Interpretation von Gruppenprozessen angestellt werden und zwar jener Prozesse, die wir im forschungsorientierten Fortbildungsprogramm zum Thema "Inhalte und Methoden der Grundschullehrerausbildung in Deutschland und Frankreich" erlebt haben. Im allgemeinen wird angenommen, daß ein Austausch an sich schon zur Verständigung beitrage. Aber mir erscheint dies als einzige Voraussetzung alles andere als ausreichend. Es gibt genügend Beispiele für Austauschsituationen, die zu Trugschlüssen führen weil in ihnen verborgen und verdeckt bleibt, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ähnlicher Probleme bei den beteiligten Partnern sein kann - gerade zu Beginn eines Austauschprozesses sind wir alle (natürlicherweise) besonders in unseren eigenen Vorstellungssystemen gefangen. Wir sitzen oft einem "falschen Verständnis" auf, gerade weil wir voneinander meinen, daß wir in den gleichen Kategorien denken. Also entdecken wir häufig erst im nachhinein, daß wir gar nicht über dasselbe miteinander gesprochen haben. Solche Phänomene lassen sich nicht einem mangelnden guten Willen zuschreiben: sie haben sowieso kaum etwas mit dem Wollen zu tun. Sie lassen sich auch weder in eine rationale Logik einordnen, noch im klaren Bewußtsein ansiedeln. Das Vorverständnis, das dem folgenden Text zugrundeliegt, läßt sich jenen Theorien zuordnen, die davon ausgehen, daß vorhandene Vorstellungssysteme bei der Verständnisbildung

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