Arbeitstext Nr.5 - Überlegungen zum Spannungsverhältnis zwischen nationaler Jugendarbeit und interkultureller Begegnung

Dany Robert DUFOUR (Aus dem Französischen übersetzt von Peter Geble) Nr. 5 - Mai 1986 Überlegungen zum Spannungsverhältnis zwischen nationaler Jugendarbeit und interkultureller Begegnung: EINE UNTERSUCHUNG IN FRANZÖSISCHEN FERIENZENTREN - 2 - Einleitende Bemerkungen Unser Projekt war darauf angelegt, in einem ersten Schritt die Ferienzentren als Institution zu untersuchen: weshalb sie existieren, wie sie funktionieren, wozu sie dienen und was die Jugendlichen dort tun; in einem zweiten Schritt hatten wir dann zu untersuchen, was geschieht, wenn es in diesem Rahmen zu internationalen Begegnungen kommt, die in sich schon einen besonderen Charakter tragen. Voraus ging allerdings eine methodische Frage: wie können diese Art von Begegnungen in den Ferienzentren überhaupt untersucht werden? Dabei scheinen mir zwei Vorgehensweisen möglich: die erste könnte man als "dokumentarische Studie" bezeichnen, die, wie ihr Name besagt, auf schriftlichen Materialien aufbaut. Im Rahmen einer solchen Untersuchung ist man bestrebt, die sachlichen Argumente, die zur Gründung der Zentren geführt haben, sowie die Entwicklung der Zentren selbst anhand von Urkunden nachzuzeichnen und im Anschluß daran Gründung und Entwicklung mit anderen Ebenen (nationalen und politischen) zu verbinden und die Erkenntnisse in einen ideologischen, sozialen und kulturellen Zusammenhang sowie in den Kontext internationaler Geschichte zu stellen. Ich habe für mich einen anderen Ansatz gewählt. Diese zweite Herangehensweise ist vergleichbar mit der ethnologischen "Feldarbeit", d.h. es handelt sich um eine Bestandsaufnahme vor Ort mit einer subjektiven Beschreibung der Qualität der Beziehungen. Mein Interesse war deshalb vor allem darauf gerichtet, was sich in den Ferienzentren abspielt, mit dem Ziel herauszufinden, wie das Leben darin von den verschiedenen Beteiligten empfunden wird. Dazu habe ich einige Ferienzentren besucht und mich dort länger aufgehalten. Selbstverständlich gibt sich die Wirklichkeit der Zentren einem Besucher, der als Forscher vorgestellt wird, nicht spontan zu erkennen. "Wer ist das? Warum kommt er? Ist er nicht hier, um nachzusehen, ob wir den gestellten Erwartungen entsprechen?", derart sind möglicherweise die Fragen, die sich die "Beobachteten" stellen: die Organisatoren, Leiter, Betreuer und Jugendlichen. - 3 - Somit ist das, was sich dem Forscher zur Beobachtung anbietet, alles andere als "natürlich". Er kann nur das beobachten, was man ihn sehen läßt. Dies ist jedoch von Ferienzentrum zu Ferienzentrum verschieden und deshalb ergänzen sich die erhaltenen Informationen weitgehend, so daß davon ausgegangen werden kann, daß ein ausreichend repräsentatives Feld die Basis für die folgenden Ausführungen bildet.

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