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      Sprachanimation
 






Sprachanimation

Kenntnisse in der Sprache des Partners sind nicht Voraussetzung, um an einem deutsch-französischen Austausch teilzunehmen. Dagegen ist die Begegnung der idealer Ort um eine Sensibilisierung für die andere Sprache anzubieten. Es ist durchaus möglich, eine sprachliche Dimension in ein binationales Programm einzubeziehen, ohne dabei einen Sprachkurs im herkömmlichen Sinne zu veranstalten, der die Jugendlichen eher abschrecken würde. Die Begegnungssituation fördert in der Tat die natürliche Kommunikation zwischen den Teilnehmern, und durch diese Art direkter Kommunikation wird die Einführung von Sprachanimation ermöglicht.

Zur Erinnerung:

Zielsetzungen einer deutsch-französischen Begegnung:

  • Die Neugier auf das andere Land zu wecken
  • Die Chancen der Begegnung mit Jugendlichen der anderen Kultur auszuschöpfen
  • Einen Zugang zum anderen Land zu bekommen
  • Die Lust zu wecken, die Sprache und Kultur des Partners zu entdecken

Dies heißt, daß in den Begegnungen Teamer eingesetzt werden müssen, die gute Sprachkenntnisse in beiden Sprachen vorweisen, die die andere Kultur schon kennen und in Sprachanimation ausgebildet sind. Sie werden spezifische Methoden der Sprachanimation anwenden und die Ergebnisse auf diesem Gebiet mit den Teilnehmern auswerten (z.B. durch Fragebögen zu Beginn und am Ende der Begegnung, Ferienzeitung, etc.).

Sprachanimation dient keinem reinen Selbstzweck, sie ist Mittel zum Zweck. Sie muß im Gesamtzusammenhang mit interkulturellem Lernen gesehen werden: den jungen Menschen soll sie ermöglichen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Eine andere Sprache zu lernen, sich ihr zu öffnen, bedeutet immer auch eine Öffnung sich selbst und anderen gegenüber.

  • Sprachanimation stützt sich auf eine langjährige Erfahrung des DFJW (in Zusammenarbeit mit seinen Partnerorganisationen) im Bereich Sprache,
  • Sprachanimation wird immer an die Zielgruppen angepaßt,
  • die Tandemmethode eignet sich besonders, Sprachanimation anzubieten
    (siehe auch Handbuch
    Die Tandem-Methode, DFJW, Stuttgart: Klett Verlag
    1999. Die französische Version ist in Vorbereitung.)

Vorbedingungen: binationale Gruppe, vorzugsweise Drittortbegegnungen, zur Sprachanimation geeignete Räumlichkeiten, zur Verfügung gestelltes Arbeits-material (z.B. Animationskoffer), Schaffung von deutsch-französischen Rahmenbedingungen (z.B. dtsch.-franz. Zimmerbelegung).

Sprachanimation wird jeden Tag angeboten. Sie durchzieht unterschwellig (informell) den gesamten Tag und kommt zu jeder sich bietenden Gelegenheit zur Anwendung. In den formellen Phasen werden spezifische Methoden (Spiele, Aktivitäten, Lernen im Tandem etc., siehe auch("
Das Projekt Bielefeld") eingesetzt, die das sprachliche Lernen in Hinsicht auf folgende drei Grundthemen fördern:

Abbau von Hemmungen, Spracherwerb, Systematisierung







Zielsetzungen von Sprachanimation

sind, sich der außergewöhnlichen Situation einer binationalen Begegnung bewußt werden und diese zu nutzen in Hinsicht auf:

den Abbau von Hemmungen

  • Motivation wecken;
  • die interkulturelle Gruppendynamik fördern;
  • Spaß und Freude in den Mittelpunkt des Spracherwerbs stellen;
  • den Jugendlichen dabei helfen, verschiedene psycho-soziale Hemmschwellen zu überwinden, die das Aufkommen einer natürlichen Kommunikation verhindern;
  • ihnen die Angst vor dem "Anderen", vor der anderen Sprache nehmen, indem man ihnen aufzeigt, daß Kommunikation auch mit nur geringen Sprachkenntnissen möglich ist;
  • ihnen aufzeigen, daß durch die Begegnungssituation selbst Spracherwerb stattfindet
  • ihnen die Partnersprache (wieder) attraktiv machen, indem sie als ein Mittel zur Kommunikation erlebt wird und nicht als Schulfach;
  • die Begeisterung für die andere Sprache und Kultur entfachen;
  • in ihnen den Wunsch entstehen lassen, mit der anderen Sprache und Kultur in Kontakt zu bleiben;
  • sie immer wieder zur Kommunikation ermutigen und in ihnen die Lust entstehen lassen, ein Minimum an Wörtern und Ausdrücken zu lernen, die für das Zusammenleben während der Begegnung notwendig sind;
  • den Jugendlichen die sprachlichen Mittel zur Verfügung stellen, die es ihnen ermöglichen, sich zu Themen zu äußern, die sie direkt betreffen;
  • den Spracherwerb fördern und systematisieren, indem spielerische Aktivitäten angeboten werden, die die Memorisierung und das Lernen begünstigen;
  • die Jugendlichen auch über die Begegnung hinaus zu einem (systematischen) Lernen anhalten.



den Spracherwerb

  • Kommunikationsstrategien entwickeln;
  • die Bewußtmachung der Lernstrategien unterstützen;
  • für die Kommunikation günstige Situationen fördern;
  • die Notwendigkeit der Sprache als Mittel zur Lösung erkennen;
  • auf den Bedarf nach sprachlichen Elementen eingehen;
  • das systematische Anwenden von Kommunikations- und Lernstrategien, sowie das gegenseitige Korrigieren unterstützen;
  • die Rolle des Lernenden und Lehrenden erkennen und sich aneignen ("contrat didactique", soviel wie "Lehr- und Lernvereinbarung");
  • die Jugendlichen dahin führen, in Lern- und Kommunikationssituationen selbständig zu handeln


die Systematisierung

Eine Systematisierung des Erlernten anbieten, wenn:

  • die Begegnung lange genug dauert,
  • die Jugendlichen es wünschen,
  • dies die zuvor gesetzten Ziele nicht in Frage stellt.


VORGEHENSWEISE

Man kann immer wieder feststellen, daß die Jugendlichen in binationalen Begegnungen auf spontane Handlungsweisen zurückgreifen, um mit ihrem Gegenüber in Kontakt zu treten, selbst dann, wenn nur sehr geringe Sprachkenntnisse vorhanden sind: Wenn sie um Hilfe bitten (indem sie erneut nachfragen; zeigen, daß sie nicht verstanden haben; darum bitten, langsamer zu sprechen; sich durch Gestik, Mimik, Zeichnungen oder sogar schon durch Sprache verständlich zu machen) stehen sie schon mitten im Kommunikationsprozeß. Aber ohne die vermittelnde Hilfe eines Sprachanimateurs kommt es nur allzu selten zu echtem Spracherwerb.
Andere schreiben spontan Wörter und Ausdrücke, die sie interessieren, in ein Heft.
Auch hier werden diese Aufzeichnungen ohne eine systematische Aufarbeitung nicht zum Erwerb der Sprache führen. Das gleiche gilt für die während der Begegnung erlernten Lieder und spielerischen Aktivitäten, in denen oft genug Wörter und Ausdrücke gebraucht und schnell wieder vergessen werden.
Sprachanimation hat zum Ziel, diese Strategien ernst zu nehmen, sie jedem Teilnehmer bewußt zu machen und ihre Vielfalt aufzuzeigen, damit sie jeder Teilnehmer anwenden kann, um seine Handlungskompetenz zu erweitern.
Sprachanimation soll den Jugendlichen im Aufbau und Umgang von Beziehungen helfen und sie bei der Entwicklung von Methoden unterstützen, von denen sie auf sprachlichem Gebiet profitieren.


DER SPRACHANIMATEUR

Den Sprachanimateur zeichnen seine Erfahrungen in binationalen Begegnungen sowie seine guten Kenntnisse in der Partnersprache aus.
Er beobachtet die natürliche Kommunikation zwischen den Jugendlichen und ihre Strategien, die sie einsetzen: welche Motivation liegt zugrunde, wann genau wird diese Art von Kommunikation eingesetzt und wie verläuft sie?
Die den Jugendlichen vorgeschlagenen binationalen Aktivitäten erzeugen Begegnungssituationen, die das Bedürfnis zu kommunizieren wecken.
Gerade diese Begegnungssituationen sind es, auf die man zurückgreifen wird, um sprachliche Lösungsansätze vorzuschlagen, die eine verbale Kommunikation ermöglichen. Erst die spielerischen Aktivitäten, in denen diese sprachlichen Elemente wieder aufgegriffen werden, erlauben einen echten Spracherwerb.
Indessen bleibt die Begegnungssituation zwischen den Jugendlichen der eigentliche Antrieb für die Sprachanimation, da durch sie erst ein wirkliches Interesse für die Sprache entsteht. Die Inhalte dieser Sensibilisierung sind dabei an die jeweilige Teilnehmergruppe angepaßt.
Diese sprachliche Sensibilisierung sollte täglich angeboten und als fester Bestandteil des Programmes vorgesehen werden.
Ganz besonders eignet sich die Tandemmethode zur Sprachanimation, bei der sich ein Franzose und ein Deutscher gegenseitig dabei helfen, die andere Sprache zu lernen.

Der Sprachanimateur ist kein Sprachlehrer und wird demnach auch keinen Sprachkurs im traditionellen Sinne, sondern eine Hilfe, gekoppelt an die unmittelbaren Bedürfnisse der Jugendlichen, anbieten. In persönlichen Gesprächen oder in kleinen Gruppen gibt er fehlende und richtig benutzte Wörter und Ausdrücke ein, um sie, sei es in der Klein- oder auch in der Großgruppe, in spielerischer Form zu wiederholen; nur so werden sie tatsächlich gefestigt. Dies kann ein gemeinsames Zusammentragen von Vokabular auf einer Wandzeitung bedeuten, wobei das Vokabular nach Themen geordnet wird, oder aber auch ein gemeinsames sich Bewußtwerden der angewendeten natürlichen Strategien (denn wir wissen ja, daß die Bewußtmachung dieser Strategien den Lernprozess erheblich fördert).
Die dabei eingesetzten spielerischen Aktivitäten unterstützen nicht nur den Abbau der Sprachbarrieren, sondern auch den Spracherwerb und eventuell auch die Systematisierung des Erlernten. Erst wenn die Jugendlichen ihren Bedarf dahingehend äußern, kann die sprachliche Sensibilisierung zu einer echten Lerneinheit werden.






Bericht über Sprachanimation

Sie haben im Rahmen einer deutsch-französischen Jugendbegegnung Sprachanimation angeboten. Da Sprachanimation in der Arbeit des DFJW eine Priorität darstellt, hätten wir gerne mehr über ihren Ablauf gewußt. Das folgende Raster wurde von einer Arbeitsgruppe während einer Tagung erarbeitet und soll Ihnen Hilfestellung beim Erstellen eines Berichtes geben. Als Informationsträger gibt uns der Bericht detaillierte Angaben darüber, was wirklich in der Begegnung gelebt wurde und daraus resultierend, welche Hilfestellungen unsererseits weiterentwickelt werden sollten. Als methodisches Instrument ist er Ausgangspunkt für eine pädagogische Reflexion und eine Analyse der Begegnung seitens der Teilnehmer. Er ist zugleich selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Gelebten und richtungsweisend für ihre zukünftige Arbeit.

I Organisation

    Rahmenbedingungen (Ort, Art der Begegnung, Dauer, Infrastruktur, Räumlichkeiten)
    Gruppenzusammensetzung (Teilnehmerzahl, Alter, Geschlecht, Sprachniveau, Motivation)
    Betreuerteam (Zusammensetzung, Arbeitsweise, Sprachniveau)



II Zielsetzungen der Sprachanimation

  • anfängliche Zielsetzungen
  • mögliche Überarbeitung der Zielsetzungen während der Begegnung



III Stellenwert der Sprachanimation in der Begegnung

  • informelle Phasen :
  • Kommunikationsablauf während der Begegnung und Einfluß der Teamer
  • allgemeine Beschreibung
  • formelle Phasen :
  • Regelmäßigkeit, Dauer
  • pädagogische Methoden
  • Formen (Groß- oder Kleingruppen, mono- oder binationale Gruppen)
  • verwendetes Material
  • Rolle der Teamer
  • Schwierigkeiten
  • Lösungen
  • Ergebnisse
  • Bezug zu den anderen Aktivitäten



IV Auswertung: Rolle und Einfluß der Sprachanimation

  • in bezug auf die deutsch-französische Gruppenentwicklung
  • in bezug auf das Verhältnis zum anderen
  • in bezug auf den Umgang mit der Fremdsprache bei den Jugendlichen
  • angewendete Auswertungsformen
  • Betreuerteam: Selbst-Evaluation (Einfluß der Sprachanimation auf die Motivation der Jugendlichen, auf die Gruppendynamik, Verwendung der Fremd- oder Muttersprache. Gab es eine dominante Sprache? Warum? etc.).



V Fortbildung
Wünsche im Hinblick auf Fortbildungen



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