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      Jeunesse Musicale NRW e.V. mit A Cœur Joie
      Musikferien Kranenburg 1.8.99 – 15.8.99

Informationen über das deutsch-französische Begegnungsprogramm für Kinder mit den Schwerpunkten Sprache, Kammermusik, Chor und Orchester in Kranenburg/NRW vom 1.8. - 15.8.1999.

Deutsche Programmpartner waren die Jeunesses Musicales NRW e. V. für die deutsche Sektion der Fédération Internationale des Jeunesses Musicales (federführend) und Musikferien e. V. Französischer Partner war die Organisation "A Cœur Joie" mit Sitz in Lyon. Teilnehmer waren deutsche und französische Kinder zwischen ca. 11 und 15 Jahren. Hauptschwerpunkt der Begegnung war das spielerische Erlernen der Sprache des Partners bzw. die Erweiterung der schon vorhandenen Sprachkenntnisse. Insbesondere sollten die teilnehmenden Jugendlichen erfahren, daß das Erlernen der Sprache des anderen Landes für das alltägliche Miteinander nützlich ist. Im Sinne der Tagung des Kuratoriums vom 11. und 12. Dezember 1989 wurde auf die Unterstützung des kindlichen Sprachenlernens besonderer Wert gelegt. Zweiter Schwerpunkt der Begegnung war die Erarbeitung eines musikalischen Programms mit Orchester-, Ensemble- und Chormusik.

Etwa ein bis zwei Stunden Sprachanimation pro Tag in kleinen, nach dem fremdsprachlichen Niveau der Kinder eingeteilten Gruppen haben stattgefunden.. Zusätzlich wurden den Kindern zahlreiche Aktivitäten angeboten, die ihnen die Möglichkeit geben, die erworbenen Sprachkenntnisse direkt in die Praxis umzusetzen: Sprachspiele, Sport, Mannschaftsspiele, Musizieren im Ensemble (Chor, Kammermusikensembles, Tanz), Basteln, Malen, Ausflüge. Während der musikalischen Probenarbeiten wurden die Anweisungen durch die musikalischen Leiter sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch gegeben. Die Exkursionen wurden von den Sprachanimateuren in beiden Sprachen vor- und nachbereitet.

Die Leiter und Mitarbeiter waren fast alle zweisprachig. Insbesondere das zweiköpfige Sprachanimationsteam verfügte über praktische Erfahrung im Französischen und Deutschen sowie pädagogische Kenntnisse.

Die Gruppe bestand aus 22 französischen und 13 deutschen Kindern. (Auszug aus dem Bericht des Organisators)


Bericht zur Sprachanimation (von Günter Klemm)

Das Sprachanimationsteam bestand aus Delphine (F), Arnaud (F) und Günter Klemm (D). Es wurde bei der Sprachanimation großer Wert darauf
gelegt, den Teilnehmern (TN) nützliches Wissen auf spielerische Art und Weise zu vermitteln. Die Themen der Sprachanimation wurden so gewählt, daß die TN ihr neu erworbenes Wissen sofort im Alltag der Musikferien anwenden und damit auch in der Freizeit festigen konnten. Die TN wurden stets dazu angehalten, sich gegenseitig zu helfen und nur im Notfall den Sprachanimateur um Hilfe zu bitten.

Montag, 2.8.: Die TN wurden in zwei binationale Gruppen eingeteilt, die jeweils eine Stunde mit den drei Animateuren zu einem lockeren Kennenlernspiel zusammenkamen. Um die Fragen nach Hobbys, Wohnort usw., welche schon am Vorabend mit der ganzen Gruppe behandelt wurden, nicht zu wiederholen, wurden vier Fragen auf deutsch und französisch an die Tafel geschrieben:
1."Was würdest Du tun, wenn Du reich wärst?"
2."Was war die größte Dummheit, die Du gemacht hast?"
3."Was ist die merkwürdigste Sache, die Du mitgebracht hast?"
4."Wenn Du einen Außerirdischen treffen würdest, was würdest Du ihn fragen?"
Die TN interviewten sich nun gegenseitig, wobei sie immer in der fremden Sprache fragen und antworten sollten. Die Antworten wurden notiert. Anschließend wurden in der ganzen Gruppe die witzigsten Antworten vorgestellt, wobei darauf geachtet wurde, daß sich alle in der fremden Sprache ausdrückten und daß jeder mehrmals zu Wort kam.
Im Anschluß daran setzten sich die drei Animateure zusammen und teilten die 35 TN in drei nach Niveau geordnete binationale Gruppen ein. Günter übernahm die Animation der Gruppe 1 (Fortgeschrittene), Delphine Gruppe 2 (mittleres Niveau) und Arnaud Gruppe 3 (Anfänger). Die Gruppen 1 und 2 behandelten teilweise parallel die gleichen Themen. Um die TN nicht zu überfordern, wurden dann jedoch in Gruppe 2 sprachlich einfachere Beispiele gewählt als in Gruppe 1.


Dienstag, 3.8.: Gruppen 1 + 2: Die TN wurden in binationale Kleingruppen mit jeweils 4 Personen eingeteilt. In diesen Gruppen sollten sie sich eine Situation überlegen, in der sie nicht die sprachlichen Mittel besaßen, um sich in der fremden Sprache auszudrücken. Sie sollten sich dann überlegen, wie man diese Situation pantomimisch darstellen könnte.
Anschließend führten die Gruppen der Reihe nach ihre Pantomimen auf. Wenn die Situation von den anderen TN erraten worden war (z.B. Kartenspielen), wurden im Plenum wichtige Wendungen in beiden Sprachen zusammengetragen und diese zur Festigung in kleinen Rollenspielen sofort praktisch angewendet.

Gruppe 3: In binationalen Gruppen wurden wichtige Wendungen, die man im Alltag bei den Musikferien braucht, zusammengestellt, wie z. B.: "Bitte mach das Licht aus/an", "Bitte mach die Tür zu/auf","Bitte gib mir das Salz","Ich bin müde"usw.
Anschließend wurden diese Wendungen in Rollenspielen benutzt.



Mittwoch, 4.8.:
Gruppen 1 +2 : Spiel "Wer bin ich?": Hierbei wurde jedem TN ein kleiner Zettel auf die Stirn geklebt, auf dem der Name einer bekannten Persönlichkeit stand. Jeder TN mußte nun herausfinden, welcher Name auf seinem Zettel stand, indem er Ja/Nein – Fragen in der fremden Sprache stellte. Zuerst wurde das Prinzip des Spiels von dem Animateur erklärt. Danach wurden nützliche Fragen in deutsch und französisch an die Tafel geschrieben, z.B.: "Bin ich ein Mann/eine Frau?", "Lebe ich noch?", "Bin ich ein(e) Musiker(in) / ein(e) Sportler(in), ein(e) Politiker(in)?" usw.
Dann setzten sich alle in einen Kreis und jeder durfte solange fragen, bis die Antwort "nein" war. Anschließend war der Nachbar an der Reihe. Derjenige, der zuerst den Namen seiner Persönlichkeit fand, hatte gewonnen.
Gruppe 3: Wiederholung der am Vortag gelernten praktischen Sätze. Spielerisches Lernen der Zahlen 1 bis 30 sowie 100 und 1000. Dann Einführung von Vokabular aus dem Supermarkt (Nahrungsmittel, Getränke, Haushaltswaren usw.). Dabei Festigung der eben gelernten Zahlen durch Angabe der Preise.


Donnerstag, 5.8.: Gruppe 1: Kennenlernen von wichtigem Musikvokabular. Die TN versuchten in binationalen Kleingruppen Wörter zu finden, die ihnen im Orchester oder im Chor nicht geläufig waren. Danach wurden diese im Plenum zusammengestellt. Die Namen der wichtigsten Instrumente wurden zusammen-getragen. Anschließend teilten sich die TN in zwei binationale Gruppen ein, welche gegeneinander ein Musikmemory spielten. Hierbei mußten immer drei Karten gefunden werden: das deutsche Wort, das französische Wort und das dazugehörige Zeichen (z.B. "die Achtel", "la croche" und "?").
Gruppe 2: Die wichtigsten Vokabeln fürs Kartenspielen wurden an der Tafel gesammelt (z.B. "Kreuz, Pik, Herz, Karo, Bube, Dame, König, aussetzen, sich eine Farbe wünschen, eine Karte nehmen", usw.). Dann teilten sich die TN in 2 binationale Gruppen auf und spielten eine Art "Mau Mau". Es durften jedoch nach und nach Zusatzregeln für bestimmte Karten eingeführt werden, die sich die TN selbst ausdachten und dann in beiden Sprachen erklären mußten.
Gruppe 3: Wiederholung der praktischen Sätze, der Zahlen und der "Supermarkt"-Vokabeln. Anschließend Spiel "Wer bin ich?" Ablauf wie für Gruppen 1 + 2 beschrieben (Mittwoch, 4.8.).


Freitag, 6.8.: Gruppe 1: Einteilung in drei binationale Gruppen. Landeskunde-Quiz mit Fragen über Frankreich und Deutschland. Dabei wurden Fragen gestellt nach Bundeskanzlern bzw. Staatspräsidenten, Einwohnerzahl, kulinarischen Spezialitäten usw. Anschließend Einteilung in zwei französische und eine deutsche Kleingruppe. Eine Landkarte von Deutschland und eine von Frankreich wurden aufgehängt. Nun mußten die frz. TN eine Deutschlandkarte und die dt. TN eine Frankreichkarte malen. Auf den Karten sollten 20 große Städte sowie der Verlauf von zwei wichtigen Flüssen eingetragen werden.
Gruppe 2: Alltagssituation: Verkäufer und Kunde. Nützliche Wendungen wie z.B. "Ich hätte gerne...", "Wieviel kostet...?" wurden gesammelt und in beiden Sprachen an die Tafel geschrieben. Die TN wurden in Verkäufer und Kunden eingeteilt. Die Verkäufer erhielten Preislisten, auf denen die angebotenen Waren als Zeichnung zu sehen waren. Die Kunden erhielten eine Liste mit den Objekten, die sie kaufen sollten. Die Aufgabe war, zunächst in allen Geschäften Erkundigungen einzuholen und dann die Waren zum günstigsten Preis zu kaufen.
Gruppe 3: Wiederholung des vorher Gelernten: Farbe, Musik, Supermarkt. Dazu wurden in Rollenspielen Situationen simuliert, in denen die erarbeiteten Vokabeln eingesetzt werden konnten.


Samstag, 7.8.: Gruppe 1: Die TN wurden in zwei binationale Gruppen eingeteilt und spielten das Kartenspiel UNO. Dabei mußten sie sich gegenseitig in der fremden Sprache die Regeln erklären. Es wurden dann einige Sonderregeln eingeführt, bei denen das am Vortage erworbene Landeskundewissen zur Anwendung kam. Wenn beispielsweise eine "1" gelegt wurde, bekamen beide Mannschaften einen Umschlag, in dem die Buchstaben einer deutschen oder französischen Stadt waren. Diese mußten zusammengesetzt werden, um die Stadt zu erkennen. Die Mannschaft, die die Stadt zuerst auf der Landkarte zeigen konnte, bekam einen Punkt.
Gruppe 2: Montagsmaler. Zuerst wurden wichtige Vokabeln zusammengetragen, dann wurden die TN in zwei binationale Gruppen eingeteilt und spielten das Spiel Montagsmaler mit Begriffen, die im Laufe der vergangenen Woche bei der Sprachanimation vorgekommen waren.
Gruppe 3: Wiederholung des Stoffes der gesamten Woche. Anschließend spielten die TN das Musikmemory (Beschreibung: siehe Gruppe 1 am Donnerstag, den 5.8.).


Sonntag, 8.8.: Alle TN trafen sich im Freien und fanden sich in 6 binationalen Gruppen zu je 6 Personen zusammen. Jede Gruppe erhielt einen Zettel, auf dem eine Situation beschrieben war sowie drei Personen, die in dieser Situation vorkommen (z. B.: "Märchen" mit Prinzessin, Ritter und Hexe, oder "Zirkus" mit Zauberer, Clown und Affe). Die TN sollten sich nun eine kurze, lustige pantomimische Szene ausdenken, welche es den anderen TN erlaubt, die Szene zu erraten. Dabei achteten die Animateure darauf, daß sich immer alle TN in beiden Sprachen verständigten. Schließlich wurden die Szenen vorgespielt und mit viel Applaus bedacht.


Montag, 9.8.: Die Sprachanimation fand wieder in den drei Gruppen statt, dauerte aber diesmal ausnahmsweise 2 Stunden, damit genug Zeit für die Zwischenbilanz blieb. Dazu kamen die Leiterinnen Rita Menke und Agnès Huguet zu den Gruppen, und es wurde darüber gesprochen, wie der bisherige Ferienverlauf den TN gefiel und was man verbessern könnte.
In der restlichen Zeit wurde in allen drei Gruppen der Besuch der Ausstellung "Meteorit" in Essen, welcher am folgenden Tag stattfand, vorbereitet. Dazu wurden Prospekte über die Ausstellung verteilt und nützliche Vokabeln zusammengetragen. Des weiteren wurde das Spiel "Ich packe meinen Koffer" gespielt.


Dienstag, 10.8. bis Freitag, 13.8.: Die Sprachanimation wurde in dieser Zeit mit den Vorbereitungen für die Abschlußaufführung am Samstag kombiniert. Dazu wählten die TN je nach Interesse eine der Gruppen "Dekoration", "Kostüme" oder "Programmheftgestaltung". Innerhalb der Gruppen "Dekoration" und "Kostüme" wurde vor allem gebastelt.
Die Sprachanimateure achteten darauf, daß alle Arbeitsmaterialien (z. B. Schere, Tesafilm, Pinsel usw.) sowie nützliche Verben (z. B. ausschneiden, kleben, malen usw.) in beiden Sprachen an die Tafel geschrieben wurden und daß die TN sich möglichst häufig der fremden Sprache bedienten.
In der Gruppe "Programmheftgestaltung" ging es vor allem darum, eine interessante und ansprechende Form für das Programmheft zu finden. Die Erläuterungen sollten im Programm auf deutsch und auf französisch erscheinen. Dazu erarbeiteten sich die TN selbst das nötige Vokabular, und nur, wenn sie größere Schwierigkeiten hatten, wurde ihnen von einem Sprachanimateur unter die Arme gegriffen.


Zusammenfassend kann man sagen, daß die Sprachanimation durch ihre spielerische Aufbereitung bei den TN sehr gut ankam, was sich auch in den durchweg positiven Rückmeldungen der TN widerspiegelt. Viele Kinder, die nur sehr geringe Kenntnisse der anderen Sprache hatten, konnten sich schon nach wenigen Tagen ohne Probleme verständigen. Außerdem herrschte unter den Sprachanimateuren wie auch im gesamten Betreuerteam stets eine sehr gute Stimmung, was sich auf die TN positiv auswirkte.

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